Strafgefangenenlager Rodgau-Dieburg

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Das Strafgefangenenlager Rodgau-Dieburg war ein Arbeitsgefangenenlager der Justiz im faschistischen Deutschland im damaligen Kreis Dieburg in Hessen und existierte vom Frühjahr 1938 bis zur Befreiung Ende März 1945.

Mindestens ein Drittel der Gefangenen waren politische Gefangene des Unrechtsstaates. Die Häftlinge kamen zu Beginn des Lagers aus ganz Deutschland und Österreich. Während des Zweiten Weltkrieges wurden hier zunehmend Tausende von Ausländern aus ganz Europa inhaftiert und eingesetzt, die gegen die deutsche Besatzungsmacht in ihren Heimatländern gekämpft oder gegen deren Verordnungen verstoßen hatten.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel war es, verurteilte Gefangene unter maximaler Ausbeutung als billige Arbeitskräfte für Landerschließungsarbeiten, besonders im Stammlager II im sogenannten Rollwald bei Nieder-Roden zu nutzen, das dadurch seinen Namen Lager Rollwald bekam. Es diente ausdrücklich zur Ausbeutung der Arbeitskraft von Strafgefangenen. Hier waren nur außenarbeitsfähige Gefangene untergebracht. Deren Zahl betrug Ende März 1942 2.611 Häftlinge. Das Lager wurde von der damaligen Generalstaatsanwaltschaft Darmstadt betrieben.

Das Stammlager I mit Sitz in Dieburg befand sich in den Räumlichkeiten der zuvor Arbeitshaus genannten und auch heute nach wie vor bestehenden Justizvollzugsanstalt, die im einstigen Kapuzinerkloster der Stadt nach dessen Säkularisation im 19. Jahrhundert eingerichtet wurde.[2][3][4]

Das Arbeitshaus wurde seit Frühjahr 1938 von Häftlingen des Darmstädter Gefängnisses sowie von regionalen Handwerkern zum Strafgefangenenlager I umgebaut. Hier waren zumeist politische Gegner, unter anderem Fritz Erler und Hans Glaser inhaftiert. Ab Mai 1938 wurde das Arbeitshaus wahrscheinlich als Gefangenenlager genutzt. In diesem Lager wurden die Unterkünfte für das Strafgefangenenlager II hergestellt und im späteren Außeneinsatz der Gefangenen im Rollwald zur Erbauung des Stammlagers II genutzt.

Mit Kriegsbeginn wurden sie jedoch von den Erschließungsarbeiten zumeist abgezogen und überwiegend mit Aufträgen für die Wehrmacht, in der Rüstungsproduktion, im „Munitionslager Münster“ (dem heutigen Ortsteil Breitefeld), als Hilfskräfte in der Landwirtschaft und zum Beseitigen von Kriegsschäden, Reparaturarbeiten für die Reichsbahn oder zum Bombenräumen eingesetzt.[1]

Später wurde noch das Stammlager III in Eich (Rheinhessen) speziell für männliche polnische Gefangene eingerichtet. Daneben existierten noch 31 weitere Außenlager, verteilt über ganz Hessen und das heutige benachbarte Rheinland-Pfalz, die zeitweise genutzt wurden und den verschiedenen Stammlagern zugeordnet waren.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ursula Krause-Schmitt, Jutta von Freyberg: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945 (Band 1: Hessen; Abtg. 1: Regierungsbezirk Darmstadt), Hrsg. Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Deutschen Widerstandes 1933 - 1945, Frankfurt 1995, ISBN 3-88864-075-X. S. 34

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hinweistafel zum Lager Rollwald, erstellt 2010 von der Stadt Rodgau in Zusammenarbeit mit dem Verein für multinationale Verständigung Rodgau e.V. (munaVeRo), abgerufen am 27. Juni 2016
  2. Das heutige Kapuzinerkloster der Stadt ist ein Neubau aus dem 19. Jahrhundert.
  3. Ph. A. Walther Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, ... Darmstadt 1851, DIEBURG S. 302 (als Digitalisat bei Google:[1])
  4. Webseite Zur Geschichte des Lagers Rollwald, darin im Abschnitt Vorgeschichte/Entstehung: Das Stammlager I befand sich in Dieburg im Arbeitshaus der Justizverwaltung.
  5. Entstehung und Organisation des Lagers - Arbeitseinsatz und Die Lagerstruktur auf der Webseite www.lagerrollwald.de/ des Vereins für multinationale Verständigung Rodgau e.V., Arbeitsgruppe Rollwald, abgerufen am 27. Juni 2016

Koordinaten: 49° 53′ 54″ N, 8° 50′ 39″ O