Strategie der Spannung

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Der Ausdruck Strategie der Spannung (englisch: strategy of tension, italienisch: strategia della tensione) bezeichnet einen Komplex aus verdeckten Maßnahmen zur Destabilisierung oder Verunsicherung von Bevölkerungsteilen, einer Region oder eines Staates, ausgeführt oder gefördert durch staatliche Organe. Ursprünglich wurde der Begriff auf Vorgänge in Italien in den 1970er und 1980er Jahren bezogen.[1][2][3][4] Die Thematik wird kontrovers in der Literatur diskutiert,[5] und in Zusammenhang mit Verschwörungstheorien zu Terroranschlägen besprochen.[6]

Begriff

Der Begriff strategy of tension wurde erstmals 1969 in einem Artikel des Observer benutzt, in dem verdeckte Operationen des italienischen Staates dargestellt wurden.[7] Bekanntheit erlangte der Ausdruck „Strategie der Spannung“ 1990 im Zusammenhang mit der gerichtlichen Aufklärung von terroristischen Verbrechen in Italien zwischen 1969 und 1984.

Die Bezeichnung wird auch für Handlungsweisen von Terroristen zur Verschärfung der Spannungen innerhalb der Bevölkerung oder zur Destabilisierung der Staatsmacht verwendet.[8][9]

Italien

Zahlreiche Terroranschläge der 1970er und 1980er Jahre wurden möglicherweise von rechtsgerichteten geheimdienstnahen Kräften begangen und von den Ermittlungsbehörden der extremen Linken zugerechnet. Angestrebtes Ziel war die Diskreditierung der politischen Linken, speziell der Kommunistischen Partei Italiens.[10] Es sollte verhindert werden, dass Italien sich dem Kommunismus zuwendet; einige wenige Köpfe aus Militär und Geheimdienst schlossen dabei terroristische Aktionen nicht aus.[11] In einer Studie Vladimiro Sattas zu den sogenannten „bleiernen Jahren“ (Anni di piombo), wird auf Grundlage umfangreicher Dokumente der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse des italienischen Parlaments, die Hypothese einer Geheimdienstverschwörung kritisiert.

Südafrika

Südafrikanischen (weißen) Sicherheitsdiensten nahestehende Kräfte verübten in den 1980er und 1990er Jahren Terroranschläge und Morde an Zivilisten, die der schwarzen Widerstandsbewegung African National Congress (ANC) angelastet wurden, um deren Einfluss zu schmälern. Der ANC dementierte, dass er für die Anschläge verantwortlich sei. Er führte an, dass für die Taten eine dritte Kraft (Third Force) verantwortlich sei, was nach dem Ende der Apartheid bestätigt wurde.[12] Da zur Zeit der Anschläge eine Beteiligung von regierungsnahen, weißen Kräften an den Terroranschlägen unvorstellbar war, litt das Ansehen des ANC unter der weißen Bevölkerung, wie von den Urhebern beabsichtigt. Die weiße Minderheitsregierung erhoffte sich neue Unterstützung für ihre Autorität.[13] Zudem wurden, unter anderem durch Waffenlieferungen, gewaltsame Konflikte unter schwarzen Bevölkerungsgruppen geschürt, die mehrere tausend Opfer forderten.

Einzelnachweise

  1. strategia della tensione in "Dizionario di Storia". In: www.treccani.it. Abgerufen am 15. Januar 2017.
  2. Clara Cardella, Giuseppe Intilla, Marilena Macaluso, Giuseppina Tumminelli: Criminal Network. Politica, amministrazione, ambiente e mercato nelle trame della mafia: Politica, amministrazione, ambiente e mercato nelle trame della mafia. FrancoAngeli, 2011, ISBN 978-88-568-6483-0, S. 15 (google.de [abgerufen am 15. Januar 2017]).
  3. Anna Cento Bull: Italian Neofascism: The Strategy of Tension and the Politics of Nonreconciliation. Berghahn Books, 2012, ISBN 978-0-85745-450-8, S. 76 (google.de [abgerufen am 15. Januar 2017]).
  4. David J. Whittaker: The Terrorism Reader. Routledge, 2012, ISBN 978-0-415-68731-7 (google.de [abgerufen am 15. Januar 2017]).
  5. Randall D. Law: The Routledge History of Terrorism. Routledge, 2015, ISBN 978-1-317-51486-2 (google.de [abgerufen am 15. Januar 2017]).
  6. Peter Knight: Conspiracy Theories in American History: An Encyclopedia. ABC-CLIO, 2003, ISBN 978-1-57607-812-9 (google.de [abgerufen am 15. Januar 2017]).
  7. Anna Cento Bull: Italian Neofascism: The Strategy of Tension and the Politics of Nonreconciliation. Berghahn Books, 2012, ISBN 978-0-85745-450-8 (google.de [abgerufen am 16. Januar 2017]).
  8. Sebastian Scheerer: Die Zukunft des Terrorismus: drei Szenarien. Zu Klampen!, 1. Januar 2002, S. 35, 139 (google.de [abgerufen am 15. Januar 2017]).
  9. Jan Oskar Engene: Terrorism in Western Europe: Explaining the Trends Since 1950. Edward Elgar Publishing, 2004, ISBN 978-1-78100-858-4, S. 157 (google.de [abgerufen am 15. Januar 2017]).
  10. Andrea Mammone, Giuseppe A. Veltri: Italy Today: The Sick Man of Europe. Routledge, 2010, ISBN 978-1-135-16494-2 (google.de [abgerufen am 16. Januar 2017]).
  11. Gabriella Lazaridis, Giovanna Campani, Annie Benveniste: The Rise of the Far Right in Europe: Populist Shifts and 'Othering'. Springer, 2016, ISBN 978-1-137-55679-0 (google.de [abgerufen am 16. Januar 2017]).
  12. Wahrheits- und Versöhnungskommission: APPENDIX: THE ‘THIRD FORCE’. Archiviert vom Original am 6. Februar 2012, abgerufen am 27. Juli 2008 (PDF; 70 kB, engl., die wichtigsten Punkte sind in den Paragraphen 3 bis 5 und 12 bis 15 zusammengefasst).
  13. Philip Jenkins: Images of Terror: What We Can and Can't Know About Terrorism. Transaction Publishers, ISBN 978-0-202-36674-6 (google.de [abgerufen am 17. Januar 2017]).