Suizid im Straßenverkehr

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Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt das Thema Suizid. Er dient nicht als Anleitung. Für Betroffene existiert ein breites Netz an Hilfsangeboten, bei welchen Alternativen aufgezeigt werden. So sind in akuten Notfällen die Telefonseelsorge wie auch der Euronotruf 112 durchgängig und kostenlos erreichbar. Nach einer ersten Krisenintervention erfolgt eine qualifizierte Weitervermittlung zu geeigneten Beratungsstellen.

Suizid im Straßenverkehr, Straßensuizid oder auch Suizid durch ein fahrendes Straßenfahrzeug bezeichnet eine Form des Suizides, bei der ein Mensch sich das Leben nimmt, indem er in der Absicht zu sterben einen Unfall im Straßenverkehr verursacht. Der Suizident kann bei dem Unfall als Fußgänger beteiligt sein[1][2], als Fahrer absichtlich einen Unfall verursachen[3] oder anderweitig durch Eingriffe in den Straßenverkehr zu Tode kommen.[4] Je nach Art des Unfalls besteht eine erhebliche Fremdgefährdung.[3] Wenn der Suizident absichtlich als Falschfahrer eine Straße befährt, wird zumeist die Verletzung beziehungsweise der Tod von Unbeteiligten in Kauf genommen.

Im Vergleich zu anderen Möglichkeiten des Suizides kann ein Suizid im Straßenverkehr leichter als Unfall getarnt werden.[5] Somit ergibt sich aus der Sicht des Suizidenten der Vorteil, dass er für den Suizid nicht stigmatisiert wird und zusätzlich keine Einschränkungen bezüglich des Versicherungsschutzes zu erwarten sind.[5] Weitere Gründe für den Suizid im Straßenverkehr sind die Rücksicht auf Hinterbliebene, die Alltäglichkeit des Autofahrens, eine affektive Beziehung zum Auto und die Erfolgsaussichten.[6]

Statistisch werden ungefähr 1 % der Suizide in Deutschland durch absichtlichen Autounfall verübt.[7] Je nach Quelle wird davon ausgegangen, dass 1–7 %[5] bzw. 5 %[8] der Verkehrstoten auf einen Suizid zurückzuführen sind und in Deutschland 1000 bis 1500 Verkehrsunfälle mit der Absicht zum Suizid eingeleitet werden.[8] Kriminologen haben Schwierigkeiten, einen üblichen Verkehrsunfall von einem Suizid zu unterscheiden.[8] Es wird eine „hohe“ Dunkelziffer vermutet, der Suizid im Straßenverkehr wird häufig unterschätzt und nur wenig in der Öffentlichkeit wahrgenommen.[3] Aus einer statistischen Auswertung für die Schweiz und Bayern folgt, dass Suizid im Straßenverkehr zu 80 % von Männern durchgeführt wird.[9] Außerdem fanden 50 % der Suizide auf Landstraßen statt und 27 % auf Autobahnen.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tragischer Fall aus Aachen – Frau springt von Autobahnbrücke und reißt Autofahrer mit in den Tod. In: FOCUS Online. 2. August 2017, abgerufen am 11. Februar 2019.
  2. Elena Erbrich: Wieder tödlicher Unfall am Freitag: Auf Autobahnen in NRW verunglücken im Jahr 50 Fußgänger. In: RP Online. 4. Mai 2018, abgerufen am 21. Januar 2019.
  3. a b c Kari Kälin: HOHE DUNKELZIFFER: Mit dem Auto in den Freitod. In: Tagblatt. 13. September 2017, abgerufen am 11. Februar 2019.
  4. Neue Zürcher Zeitung: Suizid mit Sprung aus Auto
  5. a b c Saskia Gauthier, Vladeta Ajdacic-Gross, Thomas Reisch, Christine Bartsch: Suizide im Strassenverkehr. 4. Dezember 2014. AGU Zürich. Auf TraumaBiomechanik-gmttb.de, abgerufen am 11. Februar 2019 (PDF; 877 KB).
  6. G. Hagenau: Selbstmordabsichten als Gefahr für den Straßenverkehr. In: Polizei. Band 64, Nr. 9. Carl Heymanns, September 1973, ISSN 0032-3519, S. 263–266 (trb.org [abgerufen am 11. Februar 2019]).
  7. Anzahl der Sterbefälle durch Suizid in Deutschland nach Art der Methode in den Jahren 2012 bis 2016. In: statista.com. Abgerufen am 12. Februar 2019.
  8. a b c Experten rätseln: Autounfall oder doch Selbstmord? In: Hamburger Abendblatt. 21. Dezember 2005, abgerufen am 11. Februar 2019.
  9. a b Saskia Gauthier, Sybille Kraus, Vladeta Ajdacic-Gross, Matthias Graw, Thomas Reisch, Christine Bartsch: Suizide im Strassenverkehr in der Schweiz und in Bayern. In: Tagungsband 10. Gemeinsames Symposium der DGVM und DGVP am 5. und 6. September 2014 in München. (Hrsg.): Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin e.V. DGVM und Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie e.V. DGVP (= Fahreignung). Kirschbaum Verlag, Bonn 2014, ISBN 978-3-7812-1927-4, S. 72–74 (uzh.ch [PDF; 4,3 MB; abgerufen am 11. Februar 2019]).