Synkope (Musik)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Synkope (gr. syn zugleich; kope Schlag) ist ein musikalisches Gestaltungsmittel, welches das Betonungsschema eines Taktes aufbricht, indem es eigentlich unbetonte Schläge betont und somit rhythmische Spannung erzeugt.[1] Letztere Spannung wird auch oft dadurch erreicht, dass Melodienoten gegenüber dem Viertelnoten-Grundrhythmus des Taktes verschoben werden, meistens durch Einfügen von Achtelnoten.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Synkope bedeutet heute etwa soviel wie 'Ausfall' (vgl. medizinischen Synkopen-Begriff). In diesem Sinne spricht man von einer musikalischen Synkope, wo ein Ton-Einsatz (z. B. Anschlag eines Klaviertons) auf einer schweren Zählzeit unerwartet fehlt (insofern: 'ausfällt').

Dies mag der Fall sein, wo auf schwerer Zählzeit eine Pause notiert ist, bzw. dort, wo ein Ton über die schwere Zählzeit hinweg überbunden wird (s. Grafik unten). So wird das metrische Betonungsgewicht der schweren Zählzeit mit dem letzten vorherigen Ton-Einsatz auf leichter Zählzeit assoziiert: Der Schwere Ton-Einsatz erscheint 'vorgezogen', bzw. der Schlag (Ton-Einsatz) auf leichter Zählzeit schwer (insofern: 'betont'). Hier ist von einem metrischen (passiven) Betonungseindruck zu sprechen.

Darüber hinaus ist auch von einer aktiven Synkopik zu sprechen, wenn Schläge (Ton-Einsätze) auf leichter Zählzeit akustisch betont werden (unabhängig davon, ob eine Einsatz-Lücke auf schwerer Zählzeit folgt), etwa durch größere Intensität, Tonhöhe, u. dergl.

Synkopen finden sich in allen Stilrichtungen der Musik. Seit dem Mittelalter sind sie ein wichtiges Kompositionselement. Bach, Händel und alle folgenden Komponisten benutzten synkopierte Rhythmen als Mittel ihres Stils. Das Thema der Ode an die Freude aus Beethovens 9. Sinfonie enthält als prägendes Gestaltungsmittel eine Synkope. Auch im Ragtime des späten 19. Jahrhunderts war ein synkopierter Rhythmus ein in vielen Kompositionen fast durchgängig angewendetes Stilmittel. Bis heute trägt die Synkope in zeitgenössischen Genres, wie Jazz, Blues, Funk, Reggae einen unverzichtbaren Anteil und ist zum Teil stilprägend.

Die Synkope bewirkt eine rhythmische Verschiebung bezogen auf den Takt. Die Töne des Taktes werden verschoben, sprich früher oder später gespielt als bei reinen Viertelnoten. Die Musiklehre erklärt sie als Bindung eines unbetonten an den folgenden betonten Zeitwert eines Taktes, bzw. die Vorwegnahme des schweren Taktteils durch einen leichten. Dadurch entsteht eine Akzentverschiebung im Taktgefüge.[2] Weitere seltener verwendete Möglichkeiten zur Schaffung von Synkopen sind zusätzliche Betonungszeichen oder Pausen auf betonten Zählzeiten.[3]

Der durch diese Akzentverschiebung erzeugte Kontrast zwischen Rhythmus und Metrum belebt den musikalischen Ablauf und schafft Spannung. Die von der afroamerikanischen Musik beeinflussten Stile und ihre Off-Beat-Phrasierung haben Synkopencharakter. Hier kann sie aber in ihrer stilspezifischen Weise nur wirksam werden, wenn sie Ausnahmefall im rhythmischen Geschehen bleibt. Wird aus ihr eine stilistische Regel gemacht, wie z. B. im Jazz, kann die Synkope nur dann ihren Effekt behalten, wenn das Metrum anderweitig, etwa durch Schlagzeug oder ein anderes Rhythmusinstrument, gewahrt bleibt.[4] Siehe dazu auch Swing (Rhythmus)

Die Funktion der Synkope besteht also darin, die natürliche Struktur von Schwere und Leichte innerhalb eines Taktes umzukehren. Während im Normalfall die rhythmische Gliederung sich an diese Struktur hält, wird durch die Synkope die Betonung eines schweren Taktteils auf einen leichten verschoben.[5]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notenbeispiel Synkope (1).png Hier wird die Akzentverschiebung durch die halben Noten auf die Zählzeit 2 und den Haltebogen über den Taktstrich erzeugt: Ein Ton-Einsatz auf der schweren Zählzeit fehlt („fällt aus“).

Notenbeispiel Synkope (2).png Offbeats: Die Noten fallen nicht auf die relativ schweren Zählzeiten im Takt, sondern dazwischen.

Notenbeispiel Synkope (3).png Durch die übergebundene Achtelnote am Taktende entsteht eine Synkope.

Notenbeispiel Synkope (4).png Die punktierte Note am Taktbeginn bewirkt eine Synkopierung des darauffolgenden gebundenen Notenwertes.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Hotz, Wiebke Alf: Der Brockhaus Musik. Brockhaus, Mannheim 2006, ISBN 3-7653-0393-3.
  • Erich Wolf: Die Musikausbildung. Band I: Allgemeine Musiklehre. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1967, ISBN 3-7651-0044-7.
  • Wieland Ziegenrücker: ABC Musik. Allgemeine Musiklehre. Neuausgabe. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-7651-0309-4.
  • Hermann Grabner: Allgemeine Musiklehre. 24. Auflage. Bärenreiter, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0061-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elmar Bozetti: Einführung in musikalisches Verstehen und Gestalten. Frankfurt 1988, S. 143.
  2. Jürgen Hotz, Wiebke Alf: Der Brockhaus Musik. Brockhaus, Mannheim 2006, ISBN 3-7653-0393-3.
  3. Elmar Bozetti: Einführung in musikalisches Verstehen und Gestalten. Frankfurt 1988, S. 143.
  4. Wieland Ziegenrücker: ABC Musik. Allgemeine Musiklehre. Neuausgabe. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden, 2009, ISBN 978-3-7651-0309-4.
  5. Erich Wolf: Die Musikausbildung. Band I: Allgemeine Musiklehre. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden, 1967, ISBN 3-7651-0044-7, S. 66.