Talsperre Les Království

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Luftaufnahme

Die Talsperre Les Království (deutsch: Talsperre Königreichwald), auch als Talsperre Těšnovská bzw. Talsperre Bílá Třemešná bezeichnet, ist eine dem Hochwasserschutz und der Energiegewinnung dienende Stauanlage in neogotischer Architektur am Oberlauf der Elbe in Tschechien. Die Talsperre und ihre Nebenbauten wurden von 1910 bis 1920 erbaut und 1964 zum Technischen und 2010 zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt.

Die Talsperre befindet sich vier Kilometer flussaufwärts von Dvůr Králové nad Labem im Durchbruchstal der Elbe durch den Kocléřovský hřbet zwischen den Dörfern Nemojov und Bílá Třemešná im Königreichwald.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gesamte Anlage ist in neogotischem Stil errichtet und besteht aus der Staumauer mit einer befahrbaren Straße und zwei Torbauten, die sich über den Wassereinläufen befinden, dem Talsperrenwärterhaus mit einem als Bergfried gestalteten Turm am rechten Elbufer sowie einem weiteren kleineren Turm am linken Elbufer und einem Generatorenhaus am Fuß der Staumauer. Die beiden Torbauten weisen jeweils zwei Ziertürmchen auf, ein kleines mit spitzem Kegeldach über dem Wassereinlauf und ein großes mit spitzem Walmdach. Die Türme am rechten und linken Ufer sind mit Zinnen gekrönt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge des Elbhochwassers vom Juli 1897 entstanden Pläne zur Errichtung von Hochwasserschutzanlagen zwischen dem Riesengebirge und Pardubice. Als Standorte für zwei Talsperren wurde neben Krausebauden im Riesengebirge noch Weiß Tremeschna im Königreichwald vorgesehen, wo sich bei dem Jahrhunderthochwasser eine Wassermenge von 550 m³ pro Sekunde durch das enge Elbtal gewälzt hatte und schwere Überschwemmungen in der ostböhmischen Ebene verursachte.

Damm der Talsperre vom linken Elbufer aus

Neben dem Hochwasserschutz sollte die Anlage gleichzeitig der Erzeugung von Elektroenergie und als Wasserreservoir für Trockenzeiten dienen. 1903 begann der Ingenieur Josef Plicka mit seinen Planungen für eine Talsperre Weiß Tremeschna / Přehrada Bílá Třemešná. 1910 war der Baubeginn durch die Prager Firma Volflík und ein Jahr später begann das Unternehmen Reidlich & Berger mit der Errichtung der Krausebauden-Talsperre / Labská přehrada. Mit der Talsperre wurde die zur Papierfabriks- und Verlagsgesellschaft Elbemühl gehörige Holzschleiferei Teschnen /Těšnov überflutet.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach 1914 die Arbeiten an dem 4,7 Millionen Österreichische Kronen teuren Projekt. Nach dem Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie ließ die neu gegründete Tschechoslowakei 1919 die Arbeiten wieder aufnehmen, und 1920 war der Bau der seinerzeit größten Talsperre der Tschechoslowakei vollendet. Die Maschinenanlagen des 1920 begonnenen und 1923 ans Netz gegangenen Wasserkraftwerkes mit einer Leistung von 2 × 600 Kilowatt stammen vom Prager Unternehmen Fanta & Jireš.

Der 218 m lange und 41,1 m hohe Damm ist eine Gewichtsstaumauer aus Königinhofer Sandstein, die am Dammfuß eine Breite von 37 m und auf der Dammkrone von 7,2 m aufweist. über die Dammkrone führt die örtliche Verbindungsstraße von Bílá Třemešná nach Podháj. Die Wassertiefe am Damm beträgt 28 m. Die Talsperre staut die Elbe auf einer Länge von 5,1 Kilometern und hat eine maximale Wasserfläche von 85 ha. Bei normalem Wasserstand hat der Stausee eine Ausdehnung von 58,6 ha. Das übliche Stauvolumen beträgt 996.500 m³, maximal fasst die Anlage 9.158.600 m³ Wasser.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Talsperre Les Království – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 27′ 30″ N, 15° 45′ 50″ O