Tancrède

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Daten
Titel: Tancrède
Gattung: Tragödie
Originalsprache: Französisch
Autor: Voltaire
Uraufführung: 13. September 1760
Ort der Uraufführung: Paris
Personen
  • Argire, Ritter
  • Tancrède, Ritter
  • Orbassan, Ritter
  • Loredan, Ritter
  • Catane, Ritter
  • Aldamon, Soldat
  • Aménaïde
  • Fanie, Vertraute Aménaïdes
  • Ritter, Räte, Hofleute, Soldaten, Volk
Tancrède, erste Ausgabe bei Prault, Paris 1760
Frontispiz der Cramer-Ausgabe mit einer Karikatur Élie Catherine Frérons
Jean-Michel Moreau: Illustration zum Tancrède 1784

Tancrède ist eine Tragödie in fünf Aufzügen von Voltaire. Das Stück wurde 1760 nach Umarbeitungen fertiggestellt und am 13. September desselben Jahres in Paris uraufgeführt, seine Ausarbeitung begann jedoch schon im Jahre 1759 und soll Voltaire vier Wochen in Anspruch genommen haben. Eine erste private Aufführung erfolgte im Oktober 1759 in Ferney.[1]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung spielt im Jahr 1005 im normannisch regierten Syrakus zur Zeit der Befreiung Siziliens von den Sarazenen. Aménaïde, die Tochter des Ritters Argire, ist dem intriganten Ritter Orbassan versprochen. Sie liebt aber den auf Veranlassung Orbassans in Acht stehenden Ritter Tancrède, der sich heimlich in der Stadt aufhält. Ein abgefangener Brief Aménaïdes an Tancrède, der fälschlich als an den Feind Solamir gerichtet interpretiert wird, führt zu ihrer Verhaftung wegen Hochverrates. Tancrède fordert seinen Widersacher Orbassan zum Duell. Tancrède, der sich von Aménaïde getäuscht fühlt, sucht den Tod bei einem Angriff auf den Sarazenen Solamir, den er tötet. Aménaïde erklärt dem Sterbenden ihre Unschuld und ihre Liebe. Sie entzieht sich ihrem Vater und stirbt mit gebrochenem Herzen neben der Leiche Tancrèdes.[2]

Die Namen Tancrèdes und Aménaïdes sind Torquato Tassos Befreitem Jerusalem entlehnt. Die Handlung entwickelt sich jedoch völlig eigenständig.

Zeitgenössische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pariser Uraufführung in der Comédie-Française mit Lekain in der Titelrolle und Claire Clairon in der Rolle der Aménaïde verlief erfolgreich und initiierte die Aufführung von zwei Parodien Antonio Francesco Riccobonis im Théâtre-Italien: La nouvelle joute und Quand parlera-t-elle? Denis Diderot lobte die neue Tragödie begeistert in einem Brief an den Autor. Das gut besuchte Stück wurde aber aufgrund von Intrigen bereits nach dreizehn Aufführungen vom Spielplan abgesetzt. Man unterstellte eine Herabsetzung der Gräfin Pompadour durch die Widmung Voltaires.[3] Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichte 1802 seine Übersetzung in das Deutsche. Gioacchino Rossini erlebte mit der Vertonung des Stückes zur Oper Tancredi 1813 seinen internationalen Durchbruch.

Aufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste private Aufführung der Urfassung fand nach ersten Proben in Tournay im Oktober 1759 in Voltaires privatem Theater in Ferney statt.

Drucklegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voltaire, der dem Stück eine Widmung an Madame Pompadour, einer Verehrerin Tassos, voranstellte, ließ das Stück 1760 bei Prault drucken. Der Druck wurde vom ersten Minister Étienne-François de Choiseul auf Verwendung der Madame Pompadour freigegeben. Zahlreiche Nachdrucke und Raubdrucke folgten unmittelbar.

Erste Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tancrede, tragédie, en vers et en cinq actes; représentée par les Comédiens franc̜ais ordinaires du Roi, le 3 septembre 1760 Prault, petit fils, Paris 1760, S. 80, mit zwei Kupferstichen von Pierre François Tardieu nach F. R.
  • Tancrede, tragédie, en vers croisés, et en cinq actes; représentée par les Comédiens franc̜ais ordinaires du Roi, le 3 septembre 1760 Prault, petit fils, Paris 1761, 8°, (12), 80 S. [1]
  • Tancred, übersetzt und bearbeitet von Johann Wolfgang von Goethe. Cotta, Tübingen 1802.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodore Besterman: Voltaire. Winkler, München 1971, S. 343 ff.
  • R. S. Ridgway: Voltarian bel canto. Operatic adaptions of Voltaire’s tragedies. SV, 189, 1980, S. 115–151.
  • Manuel Couvreur: Tancrède. In: Dictionnaire Voltaire, Hachette Livre, 1994, S. 227.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manuel Couvreur: Tancrède. In: Dictionnaire Voltaire, Hachette Livre, 1994, S. 227.
  2. Siegfried Detemple: Voltaire: Die Werke. Katalog zum 300. Geburtstag. Berlin 1994, S. 134.
  3. Theodore Besterman: Voltaire. Winkler, München 1971, S. 345.