Taschengeld für Kinder und Jugendliche

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Das Taschengeld für Kinder und Jugendliche ist ein regelmäßiger Geldbetrag zur persönlichen Verfügung eines Kindes, Jugendlichen oder Heranwachsenden. Es dient der Erfüllung individueller Wünsche und hat den allgemeinpädagogischen Zweck, junge Menschen mit dem selbstständigen Umgang mit Geld vertraut zu machen.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlung und Höhe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhe des durch Eltern gezahlten Taschengelds ist nicht gesetzlich festgelegt; Kinder und Jugendliche haben keinen Rechtsanspruch auf Taschengeld. Die Höhe ist eine Entscheidung der Eltern und gegebenenfalls Verhandlungssache innerhalb der Familie. Schulpsychologen empfehlen Eltern, sich auf Schulelternabenden zu einigen, wie viel Taschengeld sie ihren Kindern zahlen.[1]

Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik und eine andre von anderen privaten oder gemeinnützigen Initiativen legen inzwischen Vorschläge für die Art und die Höhe des Taschengeldbezugs vor. [2][3] Dabei ist zu berücksichtigen, dass für jüngere Kinder die Kosten für Kleidung, Schulbedarf und Schulfahrten, sowie Geburtstagsgeschenke für Freunde und Klassenkameraden in angemessener Höhe, zusätzlich von den Eltern getragen werden und dass dabei gegebenenfalls die Durchführung außergewöhnlicher Aufgaben, nicht aber die Durchführung alltäglicher Aufgaben wie etwa die Mithilfe im Haushalt, zusätzlich belohnt werden können.

Taschengeld bei getrennt lebenden Eltern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taschengeld ist ein Teil der Kosten der Erziehung nach § 1610 BGB: die Einträge der Düsseldorfer Tabelle „berücksichtigen die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten eines minderjährigen Kindes, das bei einem Elternteil lebt. Enthalten sind also die Kosten für Wohnung, Nahrung, Krankenvorsorge, Ferien und Freizeit, Pflege musischer und sportlicher Interessen sowie das Taschengeld“.[4]

Taschengeld für Minderjährige im Betreuten Wohnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jungen Menschen, die in Jugendhilfe fremduntergebracht sind, wird nach § 39 SGB VIII „ein angemessener Barbetrag zur persönlichen Verfügung“ gewährt. Landes-Verwaltungsschriften enthalten Tabellen, die für diesen Fall die Höhe des Taschengelds regeln.[5][6]

Geschichte von deutschen Taschengeldtabellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den frühesten Vorstoß, Sätze den Eltern zu empfehlen kam von der Sparkasse in einer einschlägigen Broschüre von 1988. Die Sätze erfassten grob Altersgruppen und Geldspannen. Für Schüler nach Klassen gelistet kam die erste Liste 1996 auf, inzwischen in 8. Auflage, verteilt über die Rechtsberatung der Berliner Jugendberatung JOKER, die Teil des Jugendamts war. Es folgte eine Liste des Jugendamts Nürnberg. Seit wenigen Jahren entwickelt sich ein „Markt“ und etwa zwölf seriöse deutschsprachige Beitrage finden sich im Internet. Es werden Erhebungen durchgeführt, die zum Einen erfassen, wie viele junge Menschen in Deutschland heute schon regelmäßig Taschengeld beziehen und zum Anderen wofür sie es ausgeben. Damit zeigen sich Interessen der Spielzeug-, Bekleidungs- und Süßigkeitenindustrie zur Geltung, sie haben auch unter 15-Jährige als „neue“ eigenständige Käuferzielgruppe für sich entdeckt.[7]

Vertragswirksamkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist durch den Taschengeldparagraphen (§ 110 BGB) festgelegt, dass Verträge, die Kinder und Jugendliche im Umfang des ihnen zur freien Verfügung gestellten Geldes abschließen, rechtswirksam sind. Der Taschengeldparagraph beruht auf § 106 BGB, demzufolge Kinder und Jugendliche von 7 bis unter 18 Jahren nur eingeschränkt geschäftsfähig sind.

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 bekamen polnische Kinder im Durchschnitt 56 Złoty Taschengeld, was einer Steigerung von 18 Złoty in sechs Jahren entspricht. Unter Berücksichtigung der Inflation war dies eine Steigerung von knapp 30 %. Zwei Drittel der polnischen Kinder erhalten Taschengeld, ein Drittel erhält es regelmäßig. Der größte Teil, 56 %, erhält es in Form von Geschenken und nur ein kleiner Teil, 13 %, bekommt es als Belohnung etwa für gute Schulleistungen. Ausgegeben wurde das Taschengeld mit 61 % hauptsächlich für Süßigkeiten, es folgten Getränke (37 %), Zeitungen und Zeitschriften (27 %), Telefon (21 %) und Spielzeuge (18 %).[8]

Verteilung der Taschengeldhöhe im Jahr 2010:[8]

  • 04–06 Jahre: 21,64 Złoty
  • 07–10 Jahre: 42,03 Złoty
  • 11–14 Jahre: 43,32 Złoty
  • 15–18 Jahre: 82,25 Złoty

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Familienhandbuch [1]
  • Berliner Akzente, Sparkasse [2]
  • Väterzeit [3]
  • T-Online und EFB Hamburg [4]
  • Eltern Family.de [5]
  • Arbeitsgemeinschaft Finanzen [6]
  • Stadt Regensburg [7]
  • Stadt Aachen, Amt für Familie [8]
  • Stadt Halle, Abt. Jug/Fam. PDF
  • Familienratgeber NRW [9]
  • Clear Web (Winkler) [10]
  • JOKERs Taschengeldtabelle (2016, PDF)
  • Jugendamt Nürnberg (2008, PDF)
  • Stadt Springe (2007, PDF)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 'Morgenpost-Ratgeber' - ein Interview
  2. Taschengeld ist Verhandlungssache, www.familienhandbuch.de, 6. Oktober 2011, aufgerufen am 18. Mai 2012
  3. Herrmann Liebenow: Dreizügige Geld-Erziehung – Mit Taschengeld, Jobs und Erfahrungen gegen Schuldenfalle und Spekulationsverlust, www.familienhandbuch.de, 14. Februar 2012, aufgerufen am 18. Mai 2012
  4. Viefhues in: jurisPK-BGB, 5. Aufl. 2010, § 1610 BGB
  5. Siehe z. B. den Verweis auf den Hessischen Pflegesatztarif in Grundsätze für die Gewährung von Taschengeld an junge Menschen (Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene) in Heimen und gleichartigen Einrichtungen Erlass vom 13. Januar 1978 (StAnz. S. 302)
  6. In "Fast alles was Jugendlichen Recht ist" (Günther 2003) werden die Berliner Sätze gezeigt und in Anlehnung daran Empfehlungen für Familienkinder, gestaffelt nach Schulklassen von 1 bis 13 gegeben.
  7. Märkische Allgemeine/dpa vom 7. August 2012: "Soviel Taschengeld war nie - Markenbewusstsein der Kinder wächst"
  8. a b edulandia.pl (gazeta.pl), Kieszonkowe polskich dzieci - ile i na co, 2. März 2010
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