Teatro San Angelo

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Teatro San Angelo

Das Teatro San Angelo, im Italienischen auch Teatro Sant’Angelo, war ein Theater- und Opernhaus in Venedig, das 1677 eröffnet wurde (Architekt Francesco Santurini) und bis 1803 bestand. Hier wurden viele der Opern von Antonio Vivaldi uraufgeführt,[1] der es auch ab 1726 musikalisch leitete. Es befand sich am Canal Grande nahe der Rialto-Brücke. Es wurde von den Familien Marcello und Capello betrieben, von denen dort zuvor Stadthäuser standen.

Es war das letzte der eigenständigen großen öffentlichen Opernhäuser des 17. Jahrhunderts, die in der Gründerzeit der Oper in Venedig errichtet wurde und bis in die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts überdauerten. Es begann mit dem Teatro San Cassiano (das aber noch in einem Privathaus war) 1637, dem Teatro Santi Giovanni e Paolo 1639, dem Teatro San Salvador 1661, und dem Teatro San Giovanni Crisostomo 1667.[2] Das Teatro San Samuele wurde 1655 gegründet, spielte aber zunächst Theaterstücke. Benannt wurden sie meist nach dem Kirchenbezirk. Das San Angelo gehörte zu den kleineren Opernhäusern. Es hatte 136 Logen.

Die Eintrittsgelder der venezianischen Opernhäuser betrugen in der Regel 2 Lire (was bis etwa 1770 gleich blieb), von denen die Theater nicht existieren konnten – Vermietung von Logen an wohlhabende Familien und Personen kam als wesentliche Einnahmequelle hinzu. Gespielt wurde im Karneval (26. Dezember bis 30. März), später kam die Himmelfahrtszeit (zweiter Ostertag bis 15. Juni) und eine Herbstsaison dazu (1. September bis 30. November). Die Opern waren schwach beleuchtet. Dafür hatten die meisten Zuschauer Kerzen, um etwa im Text nachzulesen.

Die erste hier aufgeführte Oper war Helena rapita da Paride von Domenico Freschi (1677), gefolgt von Opern von Francesco Gasparini, Tomaso Albinoni und Giovanni Bononcini, Antonio Lotti, Baldassare Galuppi und Vivaldi, der hier 1714 seine zweite Oper Orlando finto pazzo uraufführte.[3] Allein bis 1700 wurden 43 Opern herausgebracht.[4] Es wurden auch viele erfolgreiche Stücke von Carlo Goldoni gespielt, dank dessen enger Verbindung zu dem Komödianten (Capocomico) Girolamo Medebach (1706–1790).

1803 wurde es wie andere Theater in Venedig unter Napoleonischer Besatzung geschlossen, war Warenlager und nach Umbau der Palazzo Barocchi (heute ein Viersternehotel).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Opern von Vivaldi mit Uraufführungsorten, Operone
  2. Kretzschmar, Geschichte der Oper, Leipzig 1919, S. 82, Archive, zählt noch auf das Teatro San Moisè 1639 bis 1679, das San Apollinare 1651 bis 1660, das Teatro di Salvoni 1670 bis 1689 (mit Unterbrechungen), und das Teatro Novissimo von 1641 bis 1647
  3. Il Alberto Camerini, Teatro S.Angelo ed Antonio Vivaldi.
  4. Hermann Kretzschmar, Geschichte der Oper, S. 82

Koordinaten: 45° 26′ 8″ N, 12° 19′ 49″ O