Giovanni Battista Bononcini

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Giovanni Bononcini)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Giovanni Battista Bononcini

Giovanni Battista Bononcini, gelegentlich auch Giovanni Battista Buononcini (* 18. Juli 1670 in Modena; † 9. Juli 1747 in Wien), war ein italienischer Cellist und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bononcini war der Sohn des Kirchenmusikers Giovanni Maria Bononcini aus Modena. Seine erste künstlerische Ausbildung erhielt er durch seinen Vater. Als dieser 1678 starb, wurde er in Bologna Schüler von Giovanni Paolo Colonna und von Giorgio Buoni, von dem er Cellounterricht erhielt. In Bologna konnte Bononcini auch seine frühen Werke veröffentlichen.

Ab 1688 bekleidete Bononcini das Amt eines Kirchenmusikers in Bologna. Dort machte er auch die Bekanntschaft mit dem berühmten Librettisten Silvio Stampiglia. In Zusammenarbeit mit Stampiglia entstanden in den Jahren 1692 bis 1696 fünf Opern.

Karikatur des Komponisten von Pier Leone Ghezzi

Von 1692 an hielt sich Bononcini in Rom auf und reiste 1696 über Venedig nach Wien. Dort wurde er Mitglied der Hofkapelle Kaiser Leopolds I., wo er auch als Komponist Erfolg hatte. Dazwischen hielt er sich auch in Berlin auf, wo er im Frühling 1702 mit großem Erfolg die Uraufführung seiner Oper Polifemo erlebte.

Spätestens 1706 hatte Bononcini seinen künstlerischen Durchbruch geschafft. Bis 1711 dauerte noch sein Engagement am österreichischen Hof. Anschließend unternahm er längere Studienreisen, unter anderem nach Venedig und Rom. Von dort aus engagierte ihn 1720 (zusammen mit Georg Friedrich Händel) das italienische Opernhaus in London.

Bononcinis Werke waren denen Händels durchaus ebenbürtig und das Komponieren der beiden Musiker geriet streckenweise zu einem Wettkampf. Die Konzerte, die Bononcini oft als Solist mit dem Violoncello bestritt, waren bei der Londoner Aristokratie hochgeschätzt; die Familie Marlborough beschäftigte ihn einige Zeit als Hausmusiker.

Zwischen 1720 und 1724 war Bononcini Mitglied der Royal Academy of Music in London. Am 6. Mai 1727 erlebte seine Oper Astianatte die Uraufführung am King's Theatre in London. Bei der letzten Aufführung, am 6. Juni 1727 kam es zu dem (heute noch bekannten) Streit zwischen den berühmten Primadonnen Faustina Bordoni und Francesca Cuzzoni.

Um die Jahreswende 1727/28 kam es zu einem Skandal in London, als Bononcini das Madrigal In una siepe ombrosa als seine eigene Schöpfung ausgab. Tatsächlich aber stammte es von Antonio Lotti, der es als Teil seiner Duetti, terzetti e madrigali veröffentlicht hatte. Von da an bekam Bononcini als „unerwünschte Person“ keine Aufträge mehr und verlor auch seine Mitgliedschaften. Durch diese Plagiatsaffaire gezwungen, ging Bononcini nach Paris und komponierte 1733 für das „Concert Spirituel“. 1735 weilte er für ein Jahr in Lissabon.

1737 verlor er bei dubiosen Spekulationen viel Geld und musste sich zeitweilig seinen Lebensunterhalt als Kopist verdienen. Später wandte er sich an den Hof nach Wien, erhielt ab 1741 von Kaiserin Maria Theresia eine Pension. Seine letzte bekannte Komposition ist das durch die Kaiserin in Auftrag gegebene Te Deum von 1741. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Bononcini in Wien, wo er 9 Tage vor Vollendung seines 77. Lebensjahres verstarb.[1]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Opern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arie aus Astianatte (ca. 1727), gesungen von Faustina Bordoni

Insgesamt 27 Opern.

  • Eraclea, Pasticcio (1692)
  • Xerse (1694)
  • Tullo Ostillio (1694)
  • Muzio Scevola (1695)
  • Il trionfo di Camilla regina dei Volsci (1696)
  • L’amore eroica fra pastori (1696)
  • La clemenza di Augusto (1697)
  • La fede pubblica (1699)
  • Gli affetti più grandi, vinti dal più giusto (1701)
  • Cefalo (1702)
  • Polifemo (1702)
  • Etearco (1707)
  • Turno Aricino (1707)
  • Mario fuggitivo (1708)
  • Abdolomino (1709)
  • Caio Gracco (1710)
  • Astarto (1720)
  • L'odio e l'amore (1721)
  • Crispo (1721)
  • Griselda (1722)
  • Erminia (1723)
  • Calphurnia (1724)
  • Astianatte (1727)
  • Alessandro in Sidone (1737)
  • Zenobia (1737)

Serenaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • La nemica d'Amore (1692)
  • La nemica d'Amore fatta amante (1693)
  • La costanza non gradita nel doppio amore d'Aminta (1694)
  • La notte festiva (1695)
  • Amore non vuol diffidenza (1695)
  • Amor per amore (1696)
  • L'Euleo festeggiante (1699)
  • La gara delle quatri stagioni, Festa in Musica (1699)
  • Il fiore delle Eroine, Trattenimento in Musica (1704)
  • Il ritorno di Guilio Cesare, Festa in Musica (1704)
  • La nuova gara di Giunione e Pallade, Festa in Musica (1705)
  • Endimione, Favola per Musica (1706)

Componimenti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Proteo sul Reno, Poemetto dramattico (1703)
  • Il natale di Giunone festeggiato in Samo (1708)
  • Li sagrifici di Romolo per la salute di Roma (1708)
  • L'arrivo della gran madre degli dei in Roma (1713)

Oratorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • San Nicola di Bari (Rom 1693)
  • La Conversione di Maddalena (Wien 1701)
  • Ezechia (Wien 1737)

Sonstige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • über 300 Kantaten
  • 4 Missae breves (1688)
  • Laudate pueri (fünfstimmig und Orchester, 1733)
  • Te Deum in c-Moll (1741)
  • Madrigale
  • 12 Triosonaten Trattimenti da camera à tre op. 1 (1685)
  • 12 Triosonaten Concerti da Camera à tre op. 2 (1685)
  • Sinfonie op. 3–6
  • 12 Duetti da Camera op. 8 (1691)
  • Divertimenti da Camera (1722)
  • 12 Sonatas for the Chamber for two Violins and a Bass doubled (Sonate da Camera) (London, 1732)
  • 24 Ayres in 3 Parts as Almands, Corrants, Preludes, Gavotts, Sarabands, and Jiggs with a thorough Bass for the Harpsichord (London)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Giovanni Bononcini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebenslauf und Werkeverzeichnis auf der Webseite haendel.it