Technische Sauberkeit

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Unter dem Begriff Technische Sauberkeit ist die hinreichend geringe Kontamination sauberkeitssensibler technischer Bauteile mit schädlichen Partikeln zu verstehen.

Sind die unvermeidlichen Partikelverunreinigungen – auch Restschmutz genannt – in einem technischen System so gering, dass es zu keinen kurzfristigen oder langfristigen Funktionseinschränkungen und Systemschädigungen kommt, so gilt das System im Sinne der Technischen Sauberkeit als hinreichend sauber.

Sauberfertigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herstellung sauberkeitssensibler Teile, Baugruppen und Systeme im Sinne der Technischen Sauberkeit erfolgt im Rahmen der sogenannten Sauberfertigung. Berücksichtigung finden dabei die Bereiche Fertigung, Montage, Personal, Reinigung, Verpackung, Lagerung, Transport, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Rohmaterial bis zur Endnutzung.

Entlang der Prozesskette müssen zur Erreichung der definierten Vorgaben zur Technischen Sauberkeit, in jedem einzelnen Prozessschritt Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Minimierung von

  • Partikeleintrag von außen
  • Partikelverschleppung über die Prozesskette
  • Partikelentstehung im Prozess

getroffen werden.

Sowohl bei der Beurteilung der potentiellen Schädigungseinflüsse auf eine Baugruppe als auch bei der Festlegung entsprechender Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen sind die unterschiedlichen Arten von Partikeln zu berücksichtigen.

  • Flusen
  • Fasern
  • Nichtmetallische Partikel
  • Metallische Partikel
  • Korund, Sand

Die Technische Sauberkeit befasst sich speziell mit Partikeln im Größenbereich 15–1.000 µm.

Sauberkeitsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umgebung, in der die Sauberfertigung stattfindet, wird gemäß VDA 19 Teil 2 als Sauberkeitsbereich bezeichnet. Sauberkeitsbereiche werden demzufolge in Sauberkeitsstufen eingeteilt.

  • nicht regulierten Bereich (SaS0)
  • Sauberzone (SaS1)
  • Sauberraum (SaS2)
  • Reinraum (SaS3) (siehe auch EN ISO 14644)

Industrieverbund Technische Sauberkeit (TecSa)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der technischen Entwicklung in der Automobilindustrie war es bereits zu Beginn der 1990er Jahre vermehrt zu Schädigungen durch Restschmutz gekommen. Beispielsweise Anti-Blockier-Systeme oder Direkteinspritz-Systeme in Dieselfahrzeugen waren hier besonders empfindlich. Zahlreiche Unternehmen aus der Automobilindustrie reklamierten infolge den Bedarf nach Standardisierung bezüglich Definition der Vorgaben für die Sauberfertigung und Methoden zum Nachweis der Einhaltung dieser Vorgaben. So kam es zur Bildung des Industrieverbundes, der im Sommer 2001 den Namen TecSa – Technische Sauberkeit bekam.

Im Zeitraum zwischen 2001 und 2004 wurde ein umfassendes Regelwerk erstellt. Darin ist festgeschrieben, wie bei Sauberkeitsprüfungen an Produkten der Automobilindustrie vorzugehen ist.

Definiert sind:

  • Extraktionsverfahren
  • Analyseverfahren
  • Dokumentation der Prüfergebnisse

Das Regelwerk erhielt den Namen „VDA Band 19 Prüfung der Technischen Sauberkeit - Partikelverunreinigung funktionsrelevanter Automobilteile / 1. Auflage 2004“. Eine wichtige Rolle bei der Erstellung des Regelwerkes spielte das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung, Stuttgart. Seit 2009 gibt es einen jährlichen Fachkongress: Technische Sauberkeit in Montage- und Produktionsprozessen. Dieser wird von Süddeutsche Verlag Veranstaltungen GmbH organisiert. Hier beraten und diskutieren vor allem Experten aus dem Automobilsektor über die Bedeutung der Technischen Sauberkeit von Klein- und Kleinstteilen und tauschen sich über Ihre Erfahrungen aus. Der Kongress findet meist im Mai eines jeden Jahres statt, dauert zwei Tage und beinhaltet immer auch eine Werksführung zum Thema Technische Sauberkeit.

Im Jahr 2007 ist die Norm ISO 16232 erschienen. Die ISO 16232 ist das internationale Gegenstück zur VDA 19. Dank der Mitarbeit des deutschen Spiegelausschusses sind die beiden Regelwerke absolut kompatibel.

Revision VDA 19 im Industrieverbund Technische Sauberkeit (TecSa 2.0)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Erarbeitung des VDA-Bands 19 zur Prüfung der Technischen Sauberkeit in einem Industrieverbund befindet sich dieses Regelwerk nun seit gut zehn Jahren im Einsatz. In diesen Jahren konnte durch die Arbeit mit dem VDA-Band 19 neue Erkenntnisse und wichtige Erfahrungen gesammelt werden. Gleichzeitig hat sich über die Jahre aber auch der Bedarf und die Anforderungen der Industrie verändert.

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2012 in einem Industrieworkshop der Bedarf zur Überarbeitung des VDA 19 abgefragt und die relevanten Themen kategorisiert und priorisiert. In der Folge wurde auf Basis dieser Ergebnisse Ende des Jahres 2012 der Industrieverbund TecSa 2.0 ins Leben gerufen, an dem über 40 Firmen aus der Industrie in Arbeitsgruppen die relevanten Themen aufbereiten.

Der überarbeitete VDA-Band 19 Teil 1 (Kurzform: VDA 19.1) ist seit Mai 2015 verfügbar.[1] Von den ca. hundert Eingaben zum Gelbdruck wurde ein Großteil übernommen.

Industrieverbund Montage Sauberkeit (MontSa)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erneut unter der „Leitung“ des Fraunhofer-Instituts IPA wurde der Industrieverbund MontSa Montage Sauberkeit gegründet. Zielsetzung war die Erstellung eines Leitfadens für die Neuplanung oder Optimierung von Prozessen und Abläufen in sauberkeitssensiblen Montagebereichen und deren Umfeld. Adressaten der Leitlinie sollten Fertigungsplaner und Qualitätsverantwortliche sein. Nach zweijähriger Arbeit wurde die Leitlinie mit Namen VDA Band 19 Teil 2, Technische Sauberkeit in der Montage – Umgebung, Logistik, Personal und Montageeinrichtungen, 1. Auflage 2010, veröffentlicht.

Qualifizierungsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sauberkeitsanalyse nach VDA-Band 19
Einflussfaktoren auf die Montagesauberkeit nach VDA 19.2

Um der Thematik der Technischen Sauberkeit in der Praxis gerecht zu werden, sollte das verantwortliche Personal für sauberkeitsrelevante Aspekte sensibilisiert werden. Die Thematik kann dabei in zwei unterschiedliche Fragestellungen gegliedert werden:

  • Sauberkeitsanalyse von Bauteilen[2]
  • Einflussfaktoren auf die Sauberkeit im Montageumfeld[3]
  • Eine Qualifizierung des ausführenden TecSa Labors wird über sogenannte Partikelnormale sichergestellt. Durch die Verwendung eines Partikelnormals kann die Verlustrate und die Qualität der TecSa Analyse sichergestellt werden (Gravimatrisch, sowie über die Optische Auswertung mittels Stereomikroskop)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webshop des VDA QMC
  2. VDA-Band 19 – Technische Sauberkeit in der Automobilindustrie: Qualifizierungsmaßnahme zum "Prüfer für Technische Sauberkeit"
  3. VDA-Band 19.2 – Technische Sauberkeit in der Automobilindustrie: Qualifizierungsmaßnahme zum "Planer für Technische Sauberkeit"