Telnet

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Telnet
Familie: Internetprotokollfamilie
Einsatzgebiet: Fernsteuerung von Computern
Port: 23/TCP
Telnet im TCP/IP‑Protokollstapel:
Anwendung Telnet
Transport TCP
Internet IP (IPv4, IPv6)
Netzzugang Ethernet Token
Bus
Token
Ring
FDDI etc.
Standards: RFC 854

RFC 855 (STD 8)

Telnet (Teletype Network[1]) ist der Name eines im Internet weit verbreiteten Netzwerkprotokolls. Dieses alte und bekannte Client/Server-Protokoll basiert auf einem zeichenorientierten Datenaustausch über eine TCP-Verbindung. Programme, die die Funktion des Endgerätes implementieren, heißen häufig auch Telnet. Telnet besteht aus den zwei Diensten Telnet-Client und Telnet-Server.

Das Telnetprotokoll besteht aus einem Satz von Kernfunktionen sowie einigen Erweiterungen. Das Kernprotokoll wird in den IETF-Dokumenten RFC 854 und RFC 855 (STD 8) beschrieben. STD 8 beschreibt einige grundsätzliche Arbeitsweisen des Protokolls und Erweiterungsmöglichkeiten.

Es gibt zahlreiche Erweiterungen des Protokolls, einige davon wurden als Internetstandards aufgenommen. Die IETF-STD-Dokumente 27–32 beschreiben diese Erweiterungen.

Telnet-Clients sind auf allen gängigen Betriebssystemen wie Linux, Unix, Mac OS und auf allen netzwerkfähigen Versionen von Windows standardmäßig unter dem Namen telnet aufrufbar. Ein bekannter freier Open-Source-Client ist PuTTY.

Unter Microsoft Windows muss seit Vista der Telnet-Client erst aktiviert werden.[2] Auf einem Windows Server 2008 muss der Dienst zunächst installiert und gestartet werden. Für den Fernzugriff muss zudem der Benutzer in die definierte Gruppe „TelnetClients“ hinzugefügt und die Firewall so eingestellt werden, dass der Standardport 23 nicht blockiert wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwickelt wurde Telnet 1969 im Rahmen des Projektes ARPANET (Advanced Research Projects Agency Network), mit dem Ziel, teure Rechenzeit, Anwendungsprogramme und Datenbanken auch entfernt nutzen zu können. Es kam aber erst 1974 zum ersten Einsatz.

Einsatzzweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Telnet wird typischerweise zur Fernsteuerung von Computern in Form von textbasierten Ein- und Ausgaben eingesetzt. Programme, die keine grafische Benutzeroberfläche verwenden, können über Telnet bedient werden.

Dabei kann die steuernde Einheit sowohl ein abgesetztes Gerät als auch ein auf einem Computer installiertes Programm sein. Die Darstellung der übertragenen Informationen kann je nach Endgerät variieren.

Sobald die Verbindung zwischen dem Telnet-Client und dem Telnet-Server hergestellt wurde, werden die Tastatureingaben vom steuernden Endgerät zum fernen Computer gesendet und von dort wiederum Texte an das Endgerät zurück übertragen. Der ferne Computer überträgt so z. B. die textbasierten Ausgaben eines Programmes, etwa eine Schnittstelle zur Eingabe von Befehlen an das Betriebssystem. Auf diese Weise lässt sich von einem Computer aus ein anderer Computer fernbedienen. Dieser Fernzugriff kann sogar über mehr als zwei Stufen erfolgen.[3]

Da der Datenaustausch über Telnet unverschlüsselt erfolgt und über einen Netzwerk-Sniffer leicht mitgelesen werden kann, wird zum Fernzugriff auf Rechner außerhalb des eigenen Einflußbereiches heute im Regelfall statt Telnet der verschlüsselte Dienst Secure Shell (SSH) verwendet, der die gleiche Funktionalität bietet.

Telnet selbst wird heute in erster Linie eingesetzt, um einen Zugriff auf netzwerkfähige Firmwares verschiedenster Geräte oder auf Kleinstcomputer zu erlangen, die aufgrund von technischen Beschränkungen Betriebssysteme mit minimalem Funktionsumfang nutzen, die den Betrieb eines SSH-Servers nicht ermöglichen.

Der Telnet-Dienst wird u. a. für folgende Einsatzgebiete verwendet:

  • Zugang zu einer entfernten Konsole (z. B. UNIX- oder DOS-Shell) mit Möglichkeit zur Nutzung sämtlicher Kommandos und Programme, die im Textmodus laufen
  • Zugang zu Textbasierten Anwendungen auf einem Applikationsserver
  • Datenbankabfragen, so zum Beispiel die Suche in Bibliothekskatalogen
  • Fernkonfiguration von Geräten und Ausgabe von Betriebsdaten

Viele dieser Anwendungen sind nur einem versierten Fachpublikum bekannt. Z. B. benutzen Internet-Schachspieler oft den Free Internet Chess Server. Dessen grafische Benutzeroberfläche (GUI) interpretiert die Textausgabe der Konsole und zeigt den Spielzug des Gegners auf dem Schachbrett an. Der eigene Spielzug wird mit der Maus durchgeführt, aber die Information darüber wird wiederum als Text übermittelt. Blindschach wird dann ohne GUI gespielt.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Client-Programm ersetzt viele Programme von Diensten, die man im Internet nutzen will.
  • Eine Verbindung zwischen zwei Rechnern wird aufgebaut, auch wenn diese unter verschiedenen Betriebssystemen laufen.
  • Zugriff auf alle Ressourcen ist möglich, wenn die Berechtigung dazu vorhanden ist.

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Keine Sicherheitsfunktionalitäten – z. B. werden Passwörter im Klartext geschickt.
  • Wegen des Vollzugriffs können Hacker leichtes Spiel haben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ursprung des Namens
  2. Aktivierung des Telnet-Clients unter Windows 7. Microsoft, abgerufen am 22. März 2015.
  3. The Telnet Song von Guy L. Steele, Jr.