Tempel Ezechiels

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Ezechiel-Tempel, gezeichnet von Charles Chipiez im 19.Jahrhundert

Der Tempel Ezechiels oder der dritte Tempel Jerusalems ist im Buch Ezechiel des Alten Testaments die Vision des Jerusalemer Tempels nach der Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar II. Der Prophet Ezechiel beschreibt in Ez 40-47 vierzehn Jahre nach der Katastrophe die Wiederherstellung des Tempels.

Beschreibung des Tempels mit seinen Gebäuden[Bearbeiten]

Ezechiel wird von einem Mann durch den Tempel geführt. Nach der Besichtigung der Tempelmauer geht Ezechiel durch das Osttor Ez 40,6-16 SLT in den Tempel hinein. Das Torgebäude ist in sieben Räume aufgeteilt (zweimal drei Wächterzellen und eine Torhalle). Als Zweites wird Ezechiel der äußere Vorhof mit den 30 Zellen an seiner Außenseite gezeigt Ez 40,17-19 SLT. Als Drittes und Viertes werden das äußere Süd- und Nordtor beschrieben Ez 40,20-27 SLT, die gleich wie das äußere Osttor aufgebaut sind.

Nun geht er durch das innere Südtor Ez 40,28-31 SLT in den inneren Vorhof des Tempels. Auch diese Tore sind so aufgebaut wie das äußere Osttor. Nur ist die Torhalle im Gegensatz zu den äußeren Toren am Anfang des Tores und statt wie beim äußeren Tor sieben, führten hier acht Stufen zum Tor. Das innere Ost- und Nordtor sind gleich aufgebaut Ez 40,32-16 SLT. Jetzt beschreibt er den inneren Vorhof, wo auch der Altar steht Ez 40,47 SLT. In Ez 40,48-49 SLT und Ez 41 SLT beschreibt Ezechiel ausführlich das eigentliche Tempelhaus. In den Versen Ez 41,12 SLT und Ez 41,15 SLTa desselben Kapitels wird das sogenannte Westgebäude beschrieben.

Im Anschluss werden Ezechiel die Priesterwohnungen im Norden und Süden gezeigt Ez 42,1-14 SLT. Der ganze Tempel ist ein Quadrat von 500 Ruten Ez 42,15-20 SLT.

Die Herrlichkeit Gottes erfüllt den Tempel[Bearbeiten]

In den Versen Ez 43,1-12 SLT beschreibt Ezechiel der Einzug der Herrlichkeit Gottes durch das Osttor. Das ist dasselbe Tor, wo Gott den alten Tempel verlassen hatte (vgl. Ez 10,1-19 SLT+Ez 11,23 SLT). In Ez 46,1 SLT steht, dass das innere Tor gegen Osten an den Werktagen geschlossen sein soll. Das äußere Osttor soll sogar für immer verschlossen bleiben. Das deutet darauf hin, dass Gott diesen Tempel nie wieder verlassen wird. vgl. Ez 44,1-2 SLT

Beschreibung des Brandopferaltars[Bearbeiten]

In diesem Textteil beschreibt Ezechiel den Brandopferaltar und wie der Altar in rechter Weise eingeweiht werden soll, am Tag da er errichtet werden soll Ez 43,18 SLT.

Die Ordnungen des neuen Heiligtums[Bearbeiten]

Hier wird beschrieben was für Richtlinien im neuen Tempel gelten. In Ez 44,16 SLT werden die Söhne Zadoks zum ewigen Priesterdienst bestimmt, weil sie dem Herrn durch alle Zeiten Treue bewiesen haben. Die andern Leviten würden andere Dienste übernehmen. vgl. Ez 44,10-11 SLT.

Anordnungen für den Tempeldienst[Bearbeiten]

Hier gibt Gott Anordnungen für den Tempeldienst. In Ez 46,19-24 SLT beschreibt Ezechiel noch zwei (bzw. sechs) weitere Gebäude. Das sind die zwei Küchen der Priester, die hinter ihren Wohnungen liegen, und die Küchen der Diener, deren Küchen in den vier Ecken des Vorhofes stehen.

Ein Wasserstrom aus dem Tempel[Bearbeiten]

Ezechiel wird zurück zum Tor des (Tempel-) Hauses geführt, wo ein Fluss entspringt. Dieser Fluss verlässt den Tempelbezirk rechts von dem äußeren Osttor (Ez 47,2 SLT) und fließt weiter bis ins Tote Meer (Ez 47,8 SLT). Rechts und links des Flusses wachsen Bäume, deren Früchte gegessen und deren Blätter als Heilmittel benutzt werden (Ez 47,12 SLT). Dieser Wasserstrom wird auch in Offb 22,1-2 SLT beschrieben.

Auslegung[Bearbeiten]

Umberto Eco weist darauf hin, dass die Angaben so ungenau und widersprüchlich seien, dass eine kohärente architektonische Deutung unmöglich sei. Dem Rabbiner Raschi etwa fiel im 12. Jahrhundert auf, dass alle Angaben über die Lage der nördlichen Räume fehlen. Daher wurde Ezechiels Vision sowohl in der rabbinischen Tradition als auch von den Kirchenvätern stets allegorisch gedeutet.[1] Nach evangelikalen Bibelauslegern ist dieser Tempel dagegen nicht nur eine Vision, sondern der Tempel, der im messianischen Friedensreich nach der Wiederkunft Jesu Christi stehen wird.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Umberto Eco: Die Geschichte der legendären Länder und Städte. Hanser, München 2013, S. 48 f.
  2. Stanley A. Ellissen: Von Adam bis Maleachi. DasAlte Testament verstehen. Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2005, S. 266-267