The Jewish Daily Forward

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Abraham Cahan, Gründer und bis 1945 Herausgeber des Forward
Zeitungsjungen warten auf die Morgenausgabe des Forward, März 1913

The Jewish Daily Forward, jiddisch: פֿאָרווערטס, Forverts (inoffiziell auch: The Yiddish Forward), kurz auch einfach The Forward, sind zwei jüdisch-amerikanische Publikationen. Bis in die jüngere Vergangenheit handelte es sich um eine jiddische Tageszeitung. Heute bestehen zwei redaktionell voneinander unabhängige Publikationsorgane: eine wöchentlich erscheinende englischsprachige Zeitung und – seit 2016 – ein monatlich herausgegebenes Kulturjournal in jiddischer Sprache. Beide Zeitungen verfügen über eine täglich aktualisierte Homepage. Der Sitz der Zeitung ist in New York City.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tageszeitung wurde am 22. April 1897 von Abraham Cahan gegründet, der die Leitung noch bis 1950 innehatte. Sie stand damals dem Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes (Bund) im russischen Zarenreich nahe und war folglich bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges hinein dezidiert sozialistisch und antizionistisch ausgerichtet. Anfang 1917 schrieb beispielsweise Leo Trotzki eine regelmäßige Kolumne.[1] Der Name Forverts – eigentlich ein deutsches Wort; jiddisch müsste es foroys heißen – wurde von dem gleichnamigen Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, dem Vorwärts, übernommen. Das Blatt entwickelte sich schnell zur führenden Zeitung in jiddischer Sprache in den Vereinigten Staaten und war für die jüdischen Immigranten aus Europa, zu deren Integration in die amerikanische Gesellschaft es erheblich beitrug, von großer Bedeutung.

Während des Ersten Weltkrieges betrug die tägliche Auflage 200.000 Exemplare in elf lokalen und regionalen Ausgaben. Anfang der 1930er-Jahre wurden täglich über 275.000 Exemplare gedruckt. Während einiger Zeit war die Leserzahl des Forverts damit höher als die der New York Times.[2] Für die Zeitung schrieben viele bekannte Autoren, so etwa Morris Rosenfeld oder die Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer und Elie Wiesel. Darüber hinaus besaß die Zeitung einen Radiosender in jiddischer Sprache, den WEVD – bekannt als „der Sender, der Ihre Sprache spricht.“ Auf dem WEVD sendete beispielsweise Nahum Stutchkoff seine beliebten Sitcoms sowie die Serie mame-loshn (Muttersprache).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging die Leserzahl stark zurück, weshalb die Zeitung ab 1983 nur noch wöchentlich, vorerst ergänzt um eine englischsprachige Beilage, herausgegeben wurde. Die englische Ausgabe wurde 1990 autonom, die jiddische und die englische Version verfügen seither je über eine unabhängige Redaktion, die jedoch in der Forward Association nach wie vor eine gemeinsame Herausgeberschaft haben. Ab 1995 erschien überdies eine russische Ausgabe, die 2004 jedoch verkauft wurde und seit 2007 unter dem Namen Forum erscheint. Die heutige politische Ausrichtung der englischen Ausgabe ist linksliberal, diejenige der jiddischen Ausgabe schwankt je nach Artikelverfasser von sozialdemokratisch über liberal bis zu national- bzw. religiös-konservativ.

Die englische Ausgabe hatte Anfang 2013 eine Auflage von 28.000 Exemplaren (hinzuzurechnen sind monatlich etwa 400.000 unterschiedliche Besucher der Website) und kommt weiterhin Woche für Woche in gedruckter Form heraus. Die jiddische Printversion hingegen, die Anfang 2013 eine Auflage von 2.100 Exemplaren hatte und von etwa 6.000 Personen in gedruckter Form sowie noch einmal 6.000 Personen in digitaler Form gelesen wurde, wandelte die Herausgeberschaft Anfang Februar 2013 wegen wachsenden finanziellen Drucks in eine vierzehntäglich erscheinende Zeitung um; als Kompensation wird seither die Online-Version täglich aktualisiert.[3][4]

Im Frühling 2016 wurde die jiddische Zeitung in ein monatliches Kulturjournal umgestaltet. Eine zentrale Stellung soll inskünftig die digitale Version einnehmen.[5]

A Bintel Brief[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 erschien das Buch A Bintel Brief[6] („Ein Bündel Briefe“) mit Auszügen aus Briefen jüdischer Einwanderer an die Leserbrief-Rubrik des Forverts. Das Buch hatte eine große Resonanz, es entstanden eine Graphic Novel[7][8] und ein Theaterstück (im Yiddish Theatre Montreal) danach.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jewish Daily Forward, in: Encyclopaedia Judaica, 1972, Band 10, Sp. 49–51.
  • Julian Levinson: Forverts, in: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 2, Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, S. 359–361.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kenneth D. Ackerman: Trotsky in New York, 1917: A Radical on the Eve of Revolution, auf wsws.org, abgerufen am 31. Oktober 2016.
  2. The Jewish Daily Forward: Embracing an Immigrant Community – Ausstellungsinformation 2007 des Museum of the City of New York.
  3. The Yiddish Forverts Goes Biweekly in Print – Artikel des Jewish Daily Forward.
  4. Teaching an Old Tongue New Tricks – Artikel der New York Times.
  5. Sore-Rokhl Schaechter: Groyse enderungen baym „Forverts“. Online publiziert 28. April 2016, gedruckt in der Ausgabe vom 13. Mai 2016.
  6. Isaac Metzger: A Bintel Brief: Sixty Years Of. Schocken, New York 1990, ISBN 978-0-8052-0980-8
  7. Liana Finck, A Bintel Brief
  8. „A Bintel Brief“ Is Liana Finck’s Graphic Book of Letters (New York Times Book Review)