Tiefenrausch

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Eine Beschreibung der Ska-Punk-Band Tiefenrausch findet sich unter Tiefenrausch (Band)
Klassifikation nach ICD-10
T70.8 Sonstige Schäden durch Luft- und Wasserdruck
T70.9 Schaden durch Luft- und Wasserdruck, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Tiefenrausch, auch Stickstoff- oder Inertgas-Narkose genannt, ist ein rauschartiger Zustand, der beim Tauchen ab ca. 30 m Tiefe auftreten kann.

Er wird durch sofortiges, konzentriertes Auftauchen in geringere Tiefe therapiert.[1] Bei zu schnellem Auftauchen kann, unabhängig von einem Tiefenrausch, die Dekompressionskrankheit (Caissonkrankheit) eintreten.[2]

Beschreibung[Bearbeiten]

Obwohl mit Druckluft bereits Tiefen von über 100 Meter (bei Rekordversuchen sogar 133 bzw. 214 Meter in Apnoe) erreicht wurden, sind erste Symptome bereits ab einem Stickstoffpartialdruck von 3,2 bar zu erwarten, was einer Tauchtiefe von ungefähr 30 Metern entspricht.[3] Das Auftreten eines Tiefenrausches hängt jedoch von der individuellen körperlichen Verfassung und aktuellem Zustand (Anstrengung, Stress, Gesundheit, Medikamenten- und Drogeneinfluss etc.) ab,[4] weswegen grundsätzlich bereits ab einer Tiefe von 20 Metern erste Symptome auftreten können.[5][6] Typische Erscheinungen einer Stickstoffnarkose sind ein eingeschränktes Urteilsvermögen und logisches Denken, auch was Gefahrensituationen angeht, sowie Euphorie oder Angst (z. B. Klaustrophobie), verändertes akustisches Empfinden, metallischer Geschmack, akustische Sinnestäuschungen und nach dem Tauchgang eine anhaltende Müdigkeit.[7]

Ab Mitte der 1990er Jahre versuchte man im Sporttauchbereich den Anteil des Stickstoffs, der als wesentlicher Auslöser des Tiefenrauschs gilt, durch Erhöhung des Sauerstoffanteils im Atemgemisch zu verringern.[8] Es zeigte sich allerdings keine wesentliche Verbesserung gegenüber Pressluft, zumal eine drastische Erhöhung des Sauerstoffanteils ungewünscht ist, da auch Sauerstoff bei entsprechendem Partialdruck toxisch wirkt (Paul-Bert-Effekt). Im Allgemeinen ist zur Ermittlung der narkotisierenden Wirkung eines Atemgases das Gascocktail-Prinzip anzuwenden; es wirken alle Gase im Atemgasgemisch, mehr oder minder. Dass etwa Nitrox als Safe Air vermarktet wird, ist im Hinblick auf die geringere Stickstoffsättigung und damit kürzeren Dekompressionszeiten zu verstehen und sollte nicht in Zusammenhang mit der Tiefenrauschproblematik gebracht werden.

Bessere Ergebnisse erzielt man durch das Ersetzen des Stickstoffs durch Gase mit geringerem narkotischen Potenzial, wie Helium (Heliox), Helium-Wasserstoff-Gemisch (Hydreliox) oder auch reinem Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch (Hydrox). Im sogenannten Technischen Tauchen wird für Tiefen ab etwa 40 Meter Trimix (Helium/Stickstoff/Sauerstoff) eingesetzt,[9] beim kommerziellen Tauchen oft Heliox (Helium/Sauerstoff). Dabei wird eine niedrigere Narkotizität durch eine längere Dekompressionszeit erkauft, die dann durch Dekompression mit Reinsauerstoff, im kommerziellen Bereich in einer Druckkammer, kompensiert wird.

Die Bundeslehr- und Forschungsstätte der DLRG betreibt in Berlin eine Tieftauchsimulationsanlage, wo Sporttaucher unter sicheren Bedingungen Tiefenrauscherfahrungen sammeln können.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tiefenrausch: Therapie. Onmeda, abgerufen am 11. August 2013
  2. Risiken beim Tauchen. Planet Wissen, 9. August 2013, abgerufen am 11. August 2013.
  3. Wenn im Todessee der Tiefenrausch einsetzt. Die Welt, abgerufen am 11. August 2013.
  4. Tiefenrausch: Auftreten. Abgerufen am 11. August 2013.
  5. Quarks & Co: Tiefenrausch. WDR, 12. September 2006, abgerufen am 11. August 2013.
  6. Tiefenrausch. Tauchzeiten.de, abgerufen am 11. August 2013.
  7. Tiefenrausch: Symptome. Onmeda, abgerufen am 11. August 2013.
  8. Archäologie im Tiefenrausch. Das Erste, 20. Mai 2012, abgerufen am 11. August 2013.
  9. Tauchen mit Mischgas. Tauchschule Eifel-Taucher, abgerufen am 11. August 2013.