Klaustrophobie

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Klassifikation nach ICD-10
F40.2 Spezifische (isolierte) Phobien
F40.2 Klaustrophobie
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Klaustrophobie (lat. claustrum „Verschluss, Riegel, Schloss“, gr. φόβος phóbosFurcht“, „Phobie“), in der Fachsprache auch Raumangst genannt, ist eine spezifische („isolierte“) Angststörung. Sie äußert sich bei Betroffenen als Angst vor dem tatsächlichen oder gefühlten Eingesperrtsein oder vor der bloßen Präsenz enger oder abgeschlossener Räume. In Extremfällen kann bereits eine geschlossene Tür zur Panikattacke führen. Sinnvoll ist es, die Klaustrophobie in zwei verwandte Ängste zu unterteilen: die Angst vor dem Ersticken und die Angst vor Einengung. In entsprechenden Situationen kann es bei Betroffenen zu Hyperventilation und Schweißausbrüchen kommen.

Umgangssprachlich wird Klaustrophobie als Platzangst bezeichnet, während die Psychologie Platzangst auf die Agoraphobie, die Angst vor öffentlichen Plätzen oder weiten Räumen anwendet (Agoraphobie F40.0 gemäß Norm ICD-10).

Vorkommen[Bearbeiten]

Offener Magnetresonanztomograph

Klaustrophobe Ängste sind im Alltag weit verbreitet. Sie treten in Aufzügen, Bussen und Bahnen, aber auch in Kaufhäusern, Kinos und generell bei Menschenansammlungen auf. Auch ist das Symptom in Büros bekannt, die mehrere Arbeitsplätze anbieten. Praktische Bedeutung erlangt die Klaustrophobie vor allem bei MRT-Untersuchungen, da der Patient dabei bis zu 30 Minuten in einer Röhre liegen und sich ruhig verhalten muss, damit eine ausreichende Bildqualität gewährleistet wird. Mit „offenen MRT-Systemen“ wird dieser Tatsache inzwischen an einzelnen Untersuchungszentren entgegengewirkt.

In einer Studie von Murphy und Brunberg benötigten während einer willkürlich gewählten siebenwöchigen Untersuchungsperiode von 939 Patienten, die 18 Jahre oder älter waren, 134 Personen (14,3 %) aufgrund ausgesprochener Angstreaktionen irgendeine Form der medikamentösen Sedierung (bis hin zur Allgemeinanästhesie), damit die MRT-Untersuchung durchgeführt werden konnte.

Psychodynamischer Hintergrund[Bearbeiten]

Der psychodynamische Hintergrund klaustrophober Ängste liegt oft in der Hemmung expansiver und defensiver Verhaltensmuster bei den Betroffenen. So grenzen sie sich in zwischenmenschlichen Beziehungen zu wenig ab, und die resultierende Angst vor Vereinnahmung, Beengtwerden und Ersticken wird auf symbolische Situationen verschoben.

Behandlung[Bearbeiten]

Zur Behandlung klaustrophober Ängste, die sich bis zu Panikattacken steigern können, werden Antidepressiva wie SSRI oder Trizyklika eingesetzt und/oder psychotherapeutische Ansätze wie Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse. Dabei spielen in der Verhaltenstherapie Konfrontation sowie die Aufdeckung interpersoneller Verhaltensmuster eine große Rolle, in tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapien und Psychoanalysen die Aufdeckung verborgener noch nicht verstandener, d. h. unbewusster Motive, das Symptom wird hier als kompromissbildender Lösungsversuch verstanden. Von den in Rahmen der Verhaltenstherapie möglichen Konfrontationsverfahren wird zumeist eine so genannte graduierte Exposition durchgeführt.[1] Darüber hinaus wird in jüngster Zeit auch mit Virtual-Reality-Techniken experimentiert. Dabei handelt es sich um eine Expositionstherapie, bei der computerbasierte Programme zum Einsatz kommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Margraf, Silvia Schneider, Gunther Meinlschmidt (Hrsg.): Lehrbuch der Verhaltenstherapie (Bd. 1). Springer Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-540-66439-4.
  • C. Botella, R.M. Baños, C. Perpiña, H. Villa, M. Alcaniz, A. Rey: Virtual reality treatment of Claustrophobia: a case report. Behaviour Research and Therapy 1998, 36, S. 239–246.
  • Donald Meltzer: Das Claustrum. Eine Untersuchung klaustrophober Erscheinungen. Edition diskord, Tübingen 2005, ISBN 978-3-86099-567-9 (Brandes).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elze M (2014) Klaustrophobie

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Klaustrophobie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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