Tiptoi

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tiptoi
Tiptoi hier mit Spielbrett Die Englisch-Detektive und einigem Spielmaterial
Tiptoi hier mit Spielbrett Die Englisch-Detektive und einigem Spielmaterial
Daten zum Spiel
Verlag Ravensburger
Erscheinungsjahr seit 2010 jährlich mehrere Medien
Art Audiodigitales Lernsystem
Mitspieler 1 bis mehrere
Dauer unterschiedlich
Alter 4 bis 10 Jahre (je nach Medium)
Auszeichnungen

Deutscher Lernspielpreis 2011

Tiptoi ist ein interaktives Lernspiel bestehend aus einem elektronischen Digitalstift und einem Spielbrett, Buch oder Puzzle mit digitalem Papier. Der Stift wird auf verschiedene Stellen (Piktogramme, grafische Elemente usw.) der bedruckten Oberfläche gehalten und erkennt am Punktraster den OID, welche Stelle angetippt wurde. Der Infrarot-Scanner im Stift liest diesen Code aus und spielt im einfachsten Fall Audiodateien ab, die das Spiel oder auch die Bilder eines Buches erklären, Wissen vermitteln oder Personen eine Stimme verleihen. Es kann aber auch mit einer einfachen Programmiersprache ein ganzes Spiel auf Basis eines endlichen Automaten erstellt werden.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Spielprinzip handelt es sich im Grunde um eine Weiterentwicklung des Electric Questioner: Eine mit Grafiken und Text bedruckte Oberfläche stellt den Spielplan dar. Durch Antippen der Grafiken wird im Stift das Abspielen einer Audiodatei gestartet. Die Audiodatei kann dann den Spielablauf beeinflussen (zum Beispiel Anweisung, um wie viele Felder die Spielfigur vorgerückt werden soll), Handlungsanweisungen geben, Informationen zu dem gezeigten Bild wiedergeben oder das angetippte Wort in einer Fremdsprache aussprechen. Die Lösungen für gestellte Aufgaben werden dem Stift signalisiert, in dem das zur Lösung gehörende Symbol angetippt wird. Durch den integrierten Mikrocontroller ist es möglich, den Spielablauf nicht linear ablaufen zu lassen, sondern auf die bereits getätigten Aktionen zu reagieren und in deren Abhängigkeit andere Varianten abzuspielen oder per Zufall Entscheidungen zu treffen und so für eine größere Variationsbreite zu sorgen – ähnlich wie beim Spiel Wer war’s.

Der digitale Speicher im Stift kann die Audiodateien für mehrere Produkte aufnehmen. Zur Verwaltung der Dateien gibt es den Tiptoi Manager, dessen Programminstallationsdateien sich im Speicher des Stiftes befinden. Der Stift kann über die integrierte Mini-USB Buchse Typ B und das mitgelieferte USB-Kabel an einen PC angeschlossen werden. Am PC wird er als USB-Massenspeicher erkannt und auf die gespeicherten Audiodateien und Installationsdateien für den Manager kann zugegriffen werden. Die Audiodateien sind über die Webseite des Herstellers kostenlos downloadbar. Eigene Dateien kann man mit Hilfe des kostenlosen Tools tttool erstellen. Dieses Tool erstellt auch die entsprechenden OIDs, dessen PNG Punktraster auf eigene Graphiken eingebunden werden kann.[1]

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tiptoi ist ein Kunstwort aus den Worten Tippen und Toy (engl. für Spielzeug).[2]

Funktionsprinzip Digitalstift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geöffneter Tiptoi Stift

Technische Neuheit bei diesem Spiel ist der Lernstift und das digitale Papier. Im Stift befindet sich ein optischer Infrarot-Sensor, der vom Hersteller als OID-Technologie (optical identification, engl.: optische Identifizierung) bezeichnet wird.[3] Wird der Sensor dicht über das digitale Papier gehalten (ein wirkliches Antippen ist nicht notwendig und wird vom Stift auch nicht ausgewertet), erkennt der Sensor den im Druck enthaltenen Code, der vom Mikrocontroller im Stift ausgewertet wird und zur Wiedergabe der passenden Audiodatei über den integrierten Lautsprecher führt.

Der Stift stellt je nach Geräteversion 464 MB, 1,71 GB bzw. 3,34 GB Speicher als USB-Massenspeicher zur Verfügung, was nach Herstellerangaben[4] für Audiodateien von ca. 15-20 Produkten genügt. Er muss mit zwei Batterien vom Typ AAA bestückt werden. Er verfügt über einen Ein-/Austaster, sowie eine Tastenwippe zur Einstellung der Lautstärke. Der Lautsprecher befindet sich am oberen Ende. Unter einer flexiblen Abdeckung befindet sich eine Buchse für Kopfhörer (3,5 mm Klinkenstecker) sowie die USB-Buchse.

Digitales Papier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Digitales Papier
Codierung im digitalen Papier (Detail einer Spielkarte)

Die Grafikelemente, die beim Antippen mit dem Stift eine Aktion auslösen, sind mit einem Raster aus kleinen Punkten bedruckt (rote Markierung in der nebenstehenden Grafik), das sich deutlich vom Druckraster (blauer Kreis) abhebt. Der Hersteller spricht zwar von einem unsichtbaren Code,[5] die Punkte sind aber mit normaler Beleuchtung sichtbar. Durch die Verwendung von Infrarotlicht und einem entsprechenden Filter vor dem optischen Sensor wird die Erkennungsrate infrarotsensitiver Drucktinte auch in dunklen Farbflächen erhöht. Aufgrund der geringen Fläche, die für einen Code benötigt wird, ist es möglich, auch relativ kleine Grafikelemente von ca. 5 × 5 mm durch den Stift erkennbar zu gestalten.

Systemanforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den tiptoi Manager, mit dem neue Audiodateien auf den Stift übertragen werden können, werden folgende Mindestanforderungen genannt:[6]

Wessen Rechner die Mindestanforderungen nicht erfüllt (z. B. bei Linuxsystemen) oder wer keine Software installieren möchte, kann sich die benötigten Dateien auch von Hand von der tiptoi-Webseite laden und mittels des Dateiexplorers auf den tiptoi-Stift kopieren.[7]

tttool[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das freie tool tttool erstellt aus einer YAML Datei die nötigen PNG Dateien für den Druck mit einem normalen (600+ dpi) Drucker, optional Ogg Audiodateien (Mono, 22050 Samples pro Sekunde) aus einem Sprachsynthesizer, sowie die GME Datei, die auf den Stift kopiert werden muss. Dabei wird jedes Spiel mit einem Produktcode (0..980) identifiziert, sodass OID codes auch in anderen Spielen verwendet werden können. [8][9]

Eine siebenseitige Anleitung zum Erstellen von Spielen wurde im Make: Magazin 6/2015 (Heise Verlag) veröffentlicht. [10]

Alternativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TING Hörstift
Globus Was ist was TING-Starterset mit Hörstift "Abenteuer Erde"
  • Unter dem Namen TING (chinesisch für „Hören“) wird ein ähnlich aufgebauter Stift mit vergleichbarer Technik angeboten, der allerdings verlagsübergreifend genutzt werden kann und so nicht nur auf Produkte eines Verlages beschränkt ist. Der Stift wurde von der Ting Co. Ltd., Hong Kong, einer Beteiligungsgesellschaft der Himmer AG in Kooperation mit Random House und der Vereinigte Verlagsauslieferung im Frühjahr 2011 auf den Markt gebracht.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Make 6/2015 Heise Verlag
  2. Allgemeine Fragen zu tiptoi. Website des Ravensburger Verlages. Abgerufen am 25. Februar 2013.
  3. Presseinformation. Website des Ravensburger Verlages. Abgerufen am 25. Februar 2013.
  4. Bedienungsanleitung zum Stift
  5. Tiptoi Konzept. Website des Ravensburger Verlages. Abgerufen am 25. Februar 2013.
  6. Fragen zum tiptoi Manager. Website des Ravensburger Verlages. Abgerufen am 25. Februar 2013.
  7. Manueller Download der tiptoi-Dateien. Website des Ravensburger Verlages. Abgerufen am 9. Juni 2013.
  8. Ergebnisse der Codeanalyse. Website abgerufen am 19. Januar 2014.
  9. Diskussion zur Codeanalyse. Website abgerufen am 11. Januar 2014.
  10. [1]
  11. Pressemeldung vom 23. Februar 2011 (PDF; 172 kB). Website Ting Co. Ltd. Abgerufen am 22. Mai 2013.
  12. Britannica Interactive Science Library am 28. Dezember 2013 abgerufen.
  13. What is SDX? am 28. Dezember 2013 abgerufen.