Tolldreiste Geschichten

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Covergestaltung von Gustave Doré

Tolldreiste Geschichten (auch Ergötzliche Geschichten, Tolldrastische Geschichten; französisch: Les cent contes drôlatiques, Les contes drôlatiques) ist eine Sammlung von Erzählungen von Honoré de Balzac. Die Erzählungen wurden 1832, 1833 und 1837 veröffentlicht. 1855 erschien eine von Gustave Doré illustrierte Ausgabe.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Vorhaben, ein neues Decamerone zu verfassen, entstanden drei mal zehn kurzweilige Geschichten über die hohe französische Gesellschaft des späten Mittelalters. Balzac stellt den Hochadel in seiner ganzen, diesseitsbejahenden Lebenslust dar und enthüllt in brillanter Sprache skandalöse Details über vermeintliche Verbindungen, die laut Standesgesetzen nicht hätten sein dürfen.

Besonders bekannt ist die Erzählung Der Sukkubus (frz. Le Succube), in der die Stadt Tours durch die exotische Schönheit der Moriskin Zulma in Aufruhr gebracht wird. Die oberflächlich leichte Geschichte untermauert Balzac mit Prozesskarten aus dem 13. Jahrhundert. So steht hinter der leichten Lektüre und den verdorbenen Geschichten eine Anklage an die Scheinmoral und den Machthunger der frivolen Obrigkeit.

Die Erzählung Die schöne Imperia (frz. La belle Impéria) spielt zur Zeit des Konstanzer Konzils und wurde 1927 von Franco Alfano als Oper Madonna Imperia vertont. Lovis Corinth, der bereits 1925 eine aus elf Lithographien bestehende Sammlung zum Werk Les contes drôlatiques schuf, widmete ihr 1925 zudem ein Gemälde, das er Die schöne Frau Imperia nannte.

Deutsche Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die dreissig sehr drolligen und sehr kuriosen Geschichten genannt Contes Drolatiques, des weiland Honoratius Sieur de Balzac zum erstenmal treu und trutzig verdeutscht und unsern ehrwürdigen Rat- und cant-ianern hochrespektvoll zugeeignet von dem Doctor Benno Rüttenauer, mit schönen Bildern des Meister Gustav Doré geschmückt und ausstaffiert. 2 Bände. Verlag R. Piper & Co, München 1908
  • Ergötzliche Geschichten in den Abteien des guten Lebens gesammelt und zur Freude pantagruelischer Kumpane, nicht auch der Neidbolde, an den Tag gebracht durch Herrn von Balzac. Verdeutscht durch Paul Wiegler. Piper, München 1912 (zahlreiche spätere Ausgaben)
  • Die drolligen Geschichten welchselbige der wohledle Herr von Balzac als Festtagsschmaus für alle Pantargruelskindlein in den Abteien der Touraine sammelte und ans Licht zog. Übersetzt von Carl Theodor Ritter von Riba und Otto Julius Bierbaum. Leipzig, Borngräber, o. J. [ca. 1916]. (Volltext bei zeno.org)
  • Trollatische Geschichten. Übersetzt von Walter Mehring. Hamburg, Rowohlt 1924, erneut 1954
  • Die derbdrolligen Geschichten in den Abteien der Tourraine gesammelt und ans Licht gebracht durch den Edlen Herrn von Balzac zur besonderen Erbauung aller Pantagruelsfreunde und nicht für andere. Ins Deutsche übertragen von Oskar Weitzmann. Leipzig, F. W. Hendel 1927 (nach Vorlage der Originalausg.v.1855)
  • Tolldreiste Geschichten. Illustrationen von Fritz Fischer. Frei übertragen von Nino Erné. München, Droemer 1955 (zahlreiche spätere Ausgaben)
  • Tolldreiste Geschichten. Illustrationen von Gustave Doré. Übersetzt von Walter Widmer. München, Winkler 1981 ISBN 3-538-05013-9 (Lizenzausgabe: München, dtv 2001 ISBN 3-423-02001-6)
  • Tolldreiste Geschichten. Illustrationen von Gustave Doré. Übersetzt von Benno Rüttenauer. Leipzig, Insel 1987 ISBN 3-458-32611-1
  • Tolldreiste Geschichten. Illustrationen von Gustave Doré. Übersetzt von Herbert Kühn. Zürich, Diogenes 1989 ISBN 3-257-21751-X
  • Tolldreiste Geschichten. Hörbuch (1 CD). Berlin, Argon 2004 ISBN 3-87024-740-1

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Les cent contes drôlatiques …. In: Kindlers Literatur Lexikon dtv. Band 5. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1974, ISBN 3-423-03145-X, S. 1863–1864.
  • Eberhard Rizakowitz: Balzacs Contes drôlatiques. Der junge Balzac vor der Entstehen der Comédie humaine. Unterhaltung als Wirkungsabsicht durch Literatur. Lang, Frankfurt/Bern/New York 1985, ISBN 3-8204-8477-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]