Torsburg

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Torsburg
Wall der Torsburg

Wall der Torsburg

Entstehungszeit: Eisenzeit
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Wallreste
Ort: Kräklingbo
Geographische Lage 57° 24′ 45″ N, 18° 43′ 15″ OKoordinaten: 57° 24′ 45″ N, 18° 43′ 15″ O
Höhe: 71 m ö.h.
Torsburg (Schweden)
Torsburg

Die Torsburg (schwedisch Torsburgen) bei Kräklingbo auf der schwedischen Insel Gotland ist mit ca. 1,2 km² Innenfläche eine der größten vorgeschichtlichen Wallburgen (schwedisch fornborg) in Skandinavien. Ihr größtenteils durch natürliche Steilhänge gebildeter Umfang beträgt fast fünf Kilometer. Die ergänzend errichteten Wall- bzw. Mauerstücke sind insgesamt fast zwei Kilometer lang.

Die Burganlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg ist nach dem germanischen Gott Thor benannt, dem diese nach volkstümlicher Erzählung gehören soll.

Das natürliche Kalksteinplateau, das den Burgberg bildet, entstand vor etwa 12.000 Jahren, als die Eisdecke über Skandinavien zu schmelzen begann und das Baltische Meer entstand. Durch dessen verschieden hohe Wasserstände entstand ein Strandwall, der heute noch im südlichen Teil der Torsburg besteht. Auf diesem wurde die Mauer errichtet.

Archäologen hatten zunächst angenommen, dass die Mauer während der Völkerwanderungszeit (um 500 n. Chr.) errichtet wurde. Im Jahre 1977 wurde eine Ausgrabung unter der Leitung von Johan Engström durchgeführt. Dabei wurde einen Profilschnitt durch die Mauer gelegt, um ihre Konstruktion zu studieren und mittels Holzkohlefunden ihr Alter zu bestimmen. Zunächst ging man von einer Trockenmauer aus, die unmittelbar auf dem ehemaligen Strandwall lag. Es zeigte sich aber, dass beträchtliche Mengen Kies auf den Wall verbracht worden waren und erst darauf gemauert wurde. Im Inneren traf man auf einen Kern aus gebranntem Kalkstein. Dies konnte Teil der Bautechnik oder die Folge eines Feuers sein. Durch die C14-Methode konnte man Teile der Mauer datieren. Die unteren Bereiche wurden im 1. Jh. n. Chr. errichtet und um 300 n. Chr. erneuert. Die oberen Bereiche stammen aus dem 9. Jh. Auf der Mauerkrone stand wahrscheinlich eine hölzerne Palisade.

Die Mauer wurde somit im 1. bis 4. Jh. angelegt, als sich das Römische Reich noch bis nach Britannien erstreckte. Dies war in Teilen Europas eine ruhige Zeit, wie sich auch im dänischen Gudme zeigt. In einigen Bereichen des Kontinents begannen aber die ersten Unruhen der Völkerwanderung. Da keine Bebauung im Inneren nachgewiesen ist, scheint es sich um eine Fluchtburg zu handeln. Diese war groß genug, um gegeben falls die gesamte eisenzeitliche Bevölkerung Gotlands aufnehmen.

Die Torsburg in der Gotensaga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg wird in der sogenannten Auswanderungserzählung der Gotensaga oder Getica erwähnt, die der spätantike Historiker Jordanes († vermutlich 552) nach einem älteren Bericht Cassiodors verfasste. Demnach sollte in einer Notperiode jeder dritte Gotländer gezwungen werden, die Insel zu verlassen. Die Betroffenen weigerten sich jedoch und verschanzten sich unter der Leitung von Thor aus dem nahegelegenen Hajdby auf der Torsburg. Sie wurden aber bezwungen und mussten die Burg verlassen. Sie wurden zunächst nach Östergarnsholm und danach auf die estnische Insel Dagö vertrieben, ihre Nachkommen sollen dann in der Völkerwanderung weiter nach Süden gezogen sein.

Archäologischer Kontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schweden finden sich über 1000 ähnliche eisen- (200–550 n. Chr.) und vendelzeitliche (550–800 n. Chr.) oder auch wikingerzeitlich genutzte Anlagen, die sich vor allem in Süd- und Mittelschweden befinden. Möglicherweise sind einige bereits in der Bronzezeit entstanden. Die Torsburg ist der drittgrößte Anlage ihrer Art in Skandinavien. Die größte ist Hallebergs fornborg mit etwa 20 km² in Västergötland, die zweitgrößte mit etwa 4,0 Quadratkilometern ist Lollands Østerborg auf Lolland in Dänemark. Die viertgrößte in Skandinavien und zweitgrößte auf Gotland ist Grogarnsberget.

Auf Gotland sind 82 solcher Anlagen bekannt. Dabei wird unterschieden zwischen:

  • 44 Flachlandburgen
  • 31 Höhenburgen (eine davon die Torsburg)
  • 7 Moor- oder Gewässeranlagen

Die meisten haben weniger als 800 m² Innenfläche. Dabei ist für Ostgotland bemerkenswert, dass Altertumsfunde aller Art in der unmittelbaren Umgebung der Burgen ausgesprochen rar sind. Unter den Flachlandanlagen gibt es runde und halbkreisartig an Steilabbrüche oder an die Küste (vergleichbar mit Promontory Forts) angelehnte Anlagen.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenpflanzen und Spuren des letzten Waldbrandes, Sommer 2010

Die Burgebene besitzt eine spezielle Flora. Carl von Linné war 1741 begeistert, als er sie besuchte und Pflanzen fand, die es sonst in ganz Schweden nicht gibt, weshalb hier ein Naturreservat und Natura 2000-Gebiet eingerichtet wurde.[1][2][3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johan Engström: Torsburgen. Tolkning av en gotländsk fornborg, Uppsala 1984, ISBN 91-506-0571-2
  • Marita Jonsson, Sven-Olof Lindquist: Kulturführer Gotland. Almqvist und Wiksell, Uppsala 1993, ISBN 91-88036-09-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Torsburgen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Torsburgen. In: European Enverionment Agency. Abgerufen am 15. Januar 2012 (englisch).
  2. Torsburgen. In: Länsstyrelsen Gotland. Abgerufen am 17. Januar 2012 (PDF; 279 kB, schwedisch).
  3. Torsburgen Naturreservat. In: Länsstyrelsen Gotland. Abgerufen am 31. Januar 2012 (schwedisch).