Totenkrone

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Totenkrone in der Dorfkirche Herzberg (Ortsteil von Rietz-Neuendorf Landkreis Oder-Spree, Brandenburg)
Ensemble von Totenkronen, Dorfkirche Herzberg (Rietz-Neuendorf)
Totenkranz, Dorfkirche Herzberg (Rietz-Neuendorf)

Die Totenkrone war ein Schmuckgegenstand bei der Bestattung von Säuglingen und Kindern oder jung verstorbenen Ledigen. Belege dafür gibt es aus dem gesamten europäischen Raum und für die Zeit vom Ende des 16. bis zum 19. Jahrhundert, vereinzelt noch bis ins 20. Jahrhundert.

Gebrauch der Totenkrone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich waren die Totenkronen Grabbeigaben, die den Verstorbenen in die Hand oder den Arm gedrückt wurden oder neben den Kopf gelegt wurden. Später wurde es üblich, die Krone als Leihgabe der Kirche zu verwenden, die nach dem Begräbnis wieder zurückgegeben wurde. Diese Möglichkeit war vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Totenkronen mit der Zeit immer aufwändiger gestaltet und dementsprechend teuer wurden.

Eine der ersten Untersuchungen zum Gebrauch von Totenkronen wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Otto Lauffer unternommen.[1]

Im Forschungsprojekt Atlas der deutschen Volkskunde wurde in den frühen 1930er Jahren auch eine Frage zur Verwendung der Totenkrone gestellt. Es wurden dabei 100.000 Einzelangaben aus 20.000 deutschsprachigen Gemeinden ausgewertet. Trotz Unzulänglichkeiten bezüglich der Fragestellungen – wie etwa die Vorgabe des Begriffs „Totenkrone“, die in verschiedenen Landstrichen unterschiedlich bezeichnet wird – lieferte die Studie eine Grundlage für die Analyse des mit der Totenkrone verbundenen Brauchtums.[2]

Dabei lassen aber die bisher (Stand 2009) vorliegenden Forschungsergebnisse noch nicht zu, eine feste Chronologie des Rituals aufzustellen.[3]

Totenkronen im Landkreis Fürth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Totenkronen wurden im heutigen Landkreis Fürth im 17. Jahrhundert verstorbenen unverheirateten Frauen, Junggesellen und Kindern entweder auf den Sarg gelegt oder als Totenschmuck als Grabbeigabe beigelegt. Bei Ausgrabungen im Jahre 2009 auf dem Gelände eines ehemaligen Friedhofs in Fürth wurden dabei vollständige Totenkronen geborgen. Diese Kronen bestanden aus Silberdraht, in die Glas oder Edelsteine eingearbeitet waren.[4]

Totenkronen im Altenburger Land[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei neueren Restaurierungsarbeiten der Dorfkirche in Dobraschütz, bis in das Jahr 2016 hinein, wurden 13 Totenkronen aufgefunden und deren Restaurierung eingeleitet. Bei einer der Totenkronen gelang die Zuordnung zu einem, an Krankheit verstorbenen, 13-jährigen Jungen.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerald Bamberger: Totenkronen von ca. 1750 bis 1850 im Großherzogtum Hessen. In: Walter Stolle: Der Tod. Zur Geschichte des Umgangs mit Sterben und Trauer. „De Dod gehört halt zum Lewe“. Ausstellung Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Volkskundliche Abteilung, Außenstelle Lorsch, 1. November 2001 bis 30. Juni 2002. Hessisches Landesmuseum, Darmstadt 2001, ISBN 3-926527-60-9, S. 99–111.
  • O. Lauffer: Der volkstümliche Gebrauch von Totenkronen in Deutschland. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. 26, 1916, ISSN 0179-0064, S. 225–246.
  • Sylvia Müller: Denkmäler der Liebe. Zeugnisse des Totenkronenbrauchs in der Mark Brandenburg. Berlin-Story-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-929829-63-1.
  • Wolfgang Neumann (Hrsg.): Totenhochzeit mit Kranz und Krone. Zur Symbolik im Brauchtum des Ledigenbegräbnisses. Eine Ausstellung des Museums für Sepulkralkultur, Kassel, 30. September 2007 bis 2. März 2008. Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, Kassel 2007, ISBN 978-3-924447-37-3.
  • Ernst Helmut Segschneider: Totenkranz und Totenkrone im Ledigenbegräbnis. Nach einer Dokumentation des Atlas der deutschen Volkskunde. Rheinland-Verlag, Köln 1976, ISBN 3-7927-0200-2 (Werken und Wohnen 10).
  • Gerhard Seib: Kranz und Krone im Ledigenbegräbnis. Beispiel aus Hessen und dem Harz. In: Hans Kurt Boehlke (Hrsg.): Wie die Alten den Tod gebildet. Wandlungen der Sepulkralkultur. 1750–1850. Eine Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., Kassel, veranstaltet vom Arbeitskreis Selbständiger Kultureller Institutionen e.V. im Wissenschaftszentrum Bonn-Bad Godesberg, 2. August bis 2. September 1979. v. Hase & Koehler, Mainz 1979, ISBN 3-7758-0982-1 (= Kasseler Studien zur Sepulkralkultur 1), S. 113–119.
  • Yvonne Schmuhl: Totenkranz, Totenkrone. In: RDK Labor (2015).
  • Juliane Lippok: Corona Funerbis - Neuzeitliche Totenkronen als Gegenstand archäologischer Forschungen. Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 54, Langenweißbach 2009, ISBN 978-3-941171-09-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Totenkronen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Totenkrone – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. O. Lauffer: „Der volkstümliche Gebrauch von Totenkronen in Deutschland“ In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Band 26, Berlin 1916, S. 225ff.
  2. Segschneider 1974, S. 10–12
  3. Sylvia Müller, Denkmäler der Liebe, S. 8f.
  4. Volker Dittmar: Barocker Totenkult. Neue Entdeckungen auf dem Fürther Kirchenplatz. Fürther Nachrichten vom 22. August 2009
  5. [1]OTZ 01.06.2017 Rubrik:Thüringen Seite 4 "Seltene Totenkronen zieren die Kirche in Dobraschütz" Autor C.Kneisel