Totenstraße

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Als Totenstraße bzw. häufiger als Totenweg oder auch Leichenweg wurden Wege bezeichnet bzw. auch als solche benannt, über die Tote zu Friedhöfen verbracht wurden.[1][2][3] Andere lokale Bezeichnungen waren Totensteig, Totenzeil, Bahrweg, Leichweg,[4] Totengasse[5][6] Gräberstraße und ähnliche Bezeichnungen bzw. überlieferte Dialektabwandlungen wie z. B. Dodenweg in norddeutschen Regionen[7] oder in Mittelfranken Todenweg (Aberzhausen), Todtenweg (Stirn) und Todtenleithe (Ottmarsfeld).[8]

Einige dieser Friedhöfe bestanden aus Massengräbern und entstanden während der Pest, weil die Pest so viele Menschenleben kostete.[9]

Die für die jüdischen Leichenprozessionen genutzten Wege wurden oftmals als „Judenwege“[10] bzw. „Judenpfade“, -gassen, -steige bezeichnet.[8]

Andere und ähnliche Begriffsverwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Begriffe Totenweg bzw. Totenstraße gibt es mit anderer Bedeutung auch im hethitischen Totenglauben und den hethitischen Jenseitsvorstellungen. Näheres hierzu ist im Abschnitt Die Totenwege im Artikel Hethitischer Totenglaube und Jenseitsvorstellungen beschrieben.

Die Bezeichnung Gräberstraße in Zusammenhang mit den römischen Bestattungsritualen wiederum beschreibt lange, einzeilige Grabfelder entlang der Straßen, die teilweise große Längen erreichten. Bilder der Toten auf den Grabmalen sollten für Passanten gut sichtbar sein, Inschriften ‚sprachen‘ diese an.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Totenstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Kuhn: Jüdischer Friedhof Georgensgmünd (= Die Kunstdenkmäler von Bayern. N. F., Bd. 6). Unter Mitarb. von Gabriele Schickel. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2006, ISBN 3-422-06559-8, S. 67 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Erklärungsbeispiel: Laurentiusstraße – Totenstraße. In: heimatvereinwarendorf.de. Heimatverein Warendorf, abgerufen am 11. Dezember 2017.
  3. Horst Wagner, Reiner Naumann, Mark Engelbach: Die Oberaspher Juden. Schröder, Wetter 2006, ISBN 3-9805907-8-X, S. 62 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Herbert Jandaurek: Die Totenstraßen. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 15. Jg., H. 2/3, April–September 1961, S. 143–149, hier: S. 143 u. ö. (online (PDF; 482 kB) im Forum OoeGeschichte.at).
  5. Sonja Jenning: Von Kirchhöfen und Totengassen. In: Märkische Oderzeitung. 16. November 2011.
  6. Werner T. Bauer: Wiener Friedhofsführer. Genaue Beschreibung sämtlicher Begräbnisstätten nebst einer Geschichte des Wiener Bestattungswesens. Falter, Wien 1988, ISBN 3-85439-049-1, S. 32 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Ina Kahns: Zur Volkskunde des Landes Mecklenburg am Beispiel des alten Amtes Boizenburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts (= Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund. Reihe B. Nr. 32). Überarb. von Otto Witte. Forschungsstelle Ostmitteleuropa, Dortmund 1983, ISBN 3-923293-02-X, S. 21 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. a b Barbara Rösch: Der Judenweg. Jüdische Geschichte und Kulturgeschichte aus Sicht der Flurnamenforschung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-56998-6, S. 153, urn:nbn:de:101:1-201406112822 (Zugl.: Potsdam, Univ., Diss., 2006; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Ortsheimatpflege und AK-Geschichte Hergatz: Pestfriedhöfe, Pestkapellen und Besenkapellen in der Umgebung von Hergatz. In: hergatz.net. Archiviert vom Original am 5. Juni 2012; abgerufen am 9. Dezember 2017.
  10. Peter Kuhn: Jüdischer Friedhof Georgensgmünd (= Die Kunstdenkmäler von Bayern. N. F., Bd. 6). Unter Mitarb. von Gabriele Schickel. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2006, ISBN 3-422-06559-8, S. 51, 54, 57, 62, 70 u. ö. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Norbert Fischer u. a.: Raum für Tote. Die Geschichte der Friedhöfe von den Gräberstraßen der Römerzeit bis zur anonymen Bestattung. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. und dem Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur Kassel. Thalacker-Medien, Braunschweig 2003, ISBN 3-87815-174-8, S. 14 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).