Trachycarpus nanus

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Trachycarpus nanus
Exemplar im Botanischen Garten in Düsseldorf

Exemplar im Botanischen Garten in Düsseldorf

Systematik
Familie: Palmengewächse (Arecaceae)
Unterfamilie: Coryphoideae
Tribus: Livistoneae
Untertribus: Rhapidinae
Gattung: Hanfpalmen (Trachycarpus)
Art: Trachycarpus nanus
Wissenschaftlicher Name
Trachycarpus nanus
Becc.

Trachycarpus nanus gehört zur Unterfamilie Coryphoideae in der Familie der Palmengewächse (Arecaceae).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trachycarpus nanus wurde 1887 durch Pater Delavay in der chinesischen Provinz Yunnan entdeckt, wo sie in den Wäldern oberhalb von Tapintze in Höhenlagen von etwa 1800 Metern wächst.

Die Exemplare im Herbarium von Paris zeigen verschiedene Entwicklungsphasen dieser Palmenart. So gibt es welche mit männlichen, noch nicht geöffneten Blüten, welche Anfang April 1887 gesammelt wurden, sowie welche mit weiblichen Blüten im Stadium der Hochblüte, vom 27. April 1887, einige mit sich entwickelnden Ovaren, bedeckt mit silbrigen Härchen, vom 2. Juni 1887, und schließlich welche mit halbreifen Früchten aus Juli 1888.

Die Erstbeschreibung erfolgte 1910 durch den italienischen Botaniker Odoardo Beccari noch als Trachycarpus nana.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trachycarpus nanus ist eine mit der Trachycarpus fortunei und der Trachycarpus takil verwandte Art, die sich aber stark von beiden unterscheidet, vor allem durch ihre Unfähigkeit, einen größeren oberirdischen Stamm auszubilden. Weiterhin unterscheidet sie sich durch ihre sehr tief eingeschnittenen Blattsegmente und durch ihre Blütenstände, welche direkt zwischen den Blättern aus dem Boden heraustreten, und welche eine länglich traubenförmige Rispe bilden, sowie durch die weibliche Blüte, deren Krone (Corolla) etwas größer als der Kelch ist.

Blätter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blätter ähneln denen der Trachycarpus fortunei, sind aber kleiner und die Blattsegmente teilen die Blattspreite tiefer als bei jeder anderen Trachycarpus-Art. Die Blattsegmente sind steif, auf der Unterseite bläulich bereift. Die Blattsegmente teilen das Blatt bis zu einer Entfernung von 5 bis 10 cm zur Hastula. An ihren Spitzen sind die Blattsegmente kurz zweigeteilt, wobei die Spitzen stumpf sind.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütenstände sind steif und aufrecht, mit nur wenigen Verzweigungen, die zusammen eine länglich-traubenförmige Rispe formen, zweifach verzweigt, mit sehr kurzen, mit Blüten besetzten Seitenästen, die unbehaart sind. Männliche und weibliche Blütenstände sind einander sehr ähnlich, jedoch sind die Verzweigungen der männlichen Blütenstände weniger steif und graziler als bei den weiblichen und vollständig mit Blüten bedeckt, welche in Dolden zu dreien vereint, sehr nahe zusammenstehen. Sie sind mit winzigen, spitzen, braunen, zarten und membranartigen Brakteolen ausgestattet.

Die männlichen Blüten mehr oder weniger kugelförmig, etwa 2,5 mm im Durchmesser und haarlos. Die Sepalen sind fein und membranartig, völlig frei und nicht verwachsen, ein wenig ungleich groß, weitestgehend eiförmig, oben stumpf oder aber abgerundet, durchscheinend und glatt an den Rändern. Die Petalen sind unregelmäßig gerundet, mit glatten, leicht überlappenden Rändern, doppelt so lang wie die Sepalen. Sechs Staubblätter mit kurzen Staubfäden (Filamenten), welche auch während der Vollblüte (Anthese) die Petalen nicht überragen. Die Antheren sind länglich. Die drei kleinen Fruchtblätter sind konisch gestreckt, in etwas so breit wie die Filamente, haarlos, halb so lang wie die Kronblätter (Petalen).

Die weiblichen Blüten sind kugelförmig und in Dreiergruppen angeordnet. Sie stehen sehr eng zusammen, ohne sich aber gegenseitig zu bedrängen. Die Brakteolen sind unscheinbar. Während der Blütezeit sind die Blüten kugelförmig bis eiförmig, 2,5 mm breit und 3 mm lang. Die Sepalen sind sehr breit und eiförmig, und nur wenig kürzer als die Petalen, abgestumpft, und sehr eng am Blütenboden zusammenstehend, wo sich auch etwas dicker und grober sind als am oberen Ende. Sie sind glatt, abgerundet oder leicht rundlich gezahnt auf der Rückseite, mit dünnen, scharfen Rändern. Die Petalen sind um ¼ bis 1/5 länger als die Sepalen, ansonsten diesen sehr ähnlich, sehr breit eiförmig, oben abgestumpft oder fast rund mit glatten, haarlosen Rändern. Die sechs Staminodien (= sterile Staubblätter) sind etwas kleiner als die Petalen, mit gestauchten Filamenten und pfeilförmigen Antheren. drei Fruchtblätter, vollständig freistehend, eiförmig, und im unteren Teil mit silbrigen Härchen bedeckt. Im oberen Teil sind sie glatt und unbehaart, und dort gehen sie allmählich in einen konisch-spitzen, nicht oder nur wenig nach außen geneigten Griffel über, welcher innenseitig eine feine Furche hat, und an dessen Ende sich eine punktförmige Narbe befindet. Die Samenanlage (Ovar) ist grundständig und anatrop.

Früchte und Samen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fruchtstand

Die Früchte der Tr. nanus ähneln mehr denen der Trachycarpus takil, als den Samen der Tr. fortunei, und sind ausgeprägt nierenförmig. Auf einer Seite gefurcht und nabelartig eingeschnürt an der Stelle, wo sich die Narbe befand. Die Samen sind 10 mm breit und 7 mm dick. Das Epikarp ist hauchdünn und glatt. Das Mesokarp ist auch nur spärlich vorhanden. Die Samen haben dieselbe äußere Form wie die Früchte. Der Embryo befindet sich nicht im Zentrum der konvexen Seite, wie bei der Tr. fortunei, sondern er ist etwas seitlich verschoben, wie bei der Tr. takil. Wenn man also den Samen der Länge nach in zwei gleiche große Teile spalten würde, dann bliebe der Embryo immer auf der einen Seite, ohne die Schnittkante jemals zu berühren.

Pflege in Mitteleuropa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tr. nanus sollte grundsätzlich ähnliche Ansprüche wie Tr. fortunei haben. Echte langjährige Erfahrungswerte in der Freilandkultur liegen aber nicht vor. Aufgrund der Herkunft ist eine Frosttoleranz nur leicht unterhalb der der Tr. fortunei zu vermuten.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Odoardo Beccari: 1910, Discrizione di una nuova spezie di Trachycarpus, Webbia III und V, 1920, Seite 70
  • Odoardo Beccari: 1931, Asiatic Palms, Corypheae, Annals of the Royal Bot. Gard. 13 – Calcutta
  • Giorgio Roster, Le Palme coltivate …, in Bull. Soc. Tosc. di Ortic.,(1915)
  • Stührk, Chris: Molekularsystematische Studien in der Subtribus Thrinacinae, mit besonderer Berücksichtigung der Gattung Trachycarpus H. Wendl. (Arecaceae), 2006.
  • Bild von und freigegeben durch James Verhaegen, Europalms.Be