Tractus solitarius

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Querschnitt durch die Medulla oblongata in Höhe der Olive
15: Tractus solitarius

Der Tractus solitarius (von lateinisch tractus „Zug“, solitarius „alleinstehend“), auch Fasciculus solitarius oder Fasciculus rotundus genannt, ist eine Leitungsbahn im Zentralnervensystems (ZNS).

Der Tractus solitarius durchzieht die dorsale Medulla oblongata jederseits längs als abgrenzbares Bündel stark myelinisierter Nervenfasern innerhalb des als Nucleus tractus solitarii bezeichneten Kerngebietes und reicht etwa von Höhe des Fazialiskerns im kaudalen Pons bis zur Pyramidenkreuzung am Übergang des Markhirns in die Zervikalsegmente des Rückenmarks.[1] Die Bahn führt überwiegend primär-afferente Axone der Hirnnerven VII Nervus facialis, IX Nervus glossopharyngeus und X Nervus vagus und verteilt diese in absteigender Richtung an Unterabteilungen des nach ihr benannten Kernkomplexes, wo sie somatotopisch und funktionell gliederbar in unterschiedlichen Subkernen enden. Über die im Bereich des Nucleus commissuralis kaudal die Mittellinie kreuzenden Fasern aus dem Tractus sind dabei oft aufsteigend auch bilaterale Projektionen gegeben.

Die vornehmlich viszerosensorischen Fasern des Tracus solitarius vermitteln Signale von Chemorezeptoren sowie Dehnungs- und Druckrezeptoren aus Kopf-, Brust- und Baucheingeweiden und sind als afferenter Schenkel in verschiedene respiratorische, kardiovaskuläre und intestinale Reflexe eingebunden. Im rostralen Anteil verlaufen als speziell-viszerosensorische Fasern die primären Afferenzen des Geschmackssinnes, Geschmacksfasern genannt.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Benninghoff: Makroskopische und mikroskopische Anatomie des Menschen, Bd. 3. Nervensystem, Haut und Sinnesorgane. Urban und Schwarzenberg, München 1985, ISBN 3-541-00264-6, S. 276.