Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte

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Die Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte (TAK), englisch Social History of the Artist Research Center (SHARC),[1] wurde 2011 von Andreas Tacke an der Universität Trier gegründet und ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Forschungsprojekten, die den Bildenden Künstler bzw. Baumeister oder Architekten der Vormoderne mehr aus der Perspektive seiner Lebensumstände, als von seinem Werk her betrachtet:[2] Der Habitus des Künstlers oder das sozialgeschichtliche Umfeld von Maler, Bildhauer und Architekt wurden in der kunsthistorischen wie historischen Forschung bislang nur partiell behandelt. Während die Frage, inwiefern politische und religiöse Umbrüche, wirtschaftliche Krisen, Prosperität oder geschichtliche Zäsuren wie beispielsweise die Aufklärung das Bildsujet beeinflussten, in vielen Beiträgen bereits analysiert wurde, widmet sich die von Andreas Tacke geleitete Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte einem anderen Thema: Im Mittelpunkt steht nicht primär das Kunstwerk und seine Rollenzuweisung innerhalb der Gesellschaft, sondern das Künstlerindividuum mit seinen Handlungsspielräumen und Möglichkeiten der Autorepräsentation in der Vormoderne. Hierbei wird eine Neujustierung vorgenommen, da – noch immer geleitet vom Geniediskurs des 19. Jahrhunderts – die Lebenswirklichkeit des mittelalterlichen wie frühneuzeitlichen Künstlers oft ignoriert wird. Dem schillernden Bild des Hofkünstlers wird jenes des zunftgebundenen Handwerkers zur Seite gestellt, dessen Agitationsbereich eingeschränkt und von den Reglements der Zunft- oder Handwerksordnung bestimmt wurde – vom Eintritt in die Lehre über die Gesellenwanderung bis hin zur Teilnahme der Zunftbrüder bei seiner Bestattung.

Aus unterschiedlicher Perspektive beleuchten alle Projekte die Künstlersozialgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, wobei manche Fragestellungen bis in die Gegenwart verfolgt werden. Wo es sich anbietet, veranstaltet TAK-/SHARC-Kongresse und -tagungen,[3] -workshops[4] oder Vorträge.[5]

Peter Sloterdijk schrieb 2011 zum Projekt: „Liegen eines Tages die Resultate aus Tackes Werkstatt vor, wird man en détail wissen, was im ästhetischen Sektor des Trainingslagers Europa zwischen dem Spätmittelalter und 1800 vor sich ging.“[6]

Forschungsschwerpunkte und -projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laufende Forschungsprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Künstlerfeste von der Antike bis zur Gegenwart[7]
  • Kommentierte digitale Edition der Reise- und Sammlungsbeschreibungen Philipp Hainhofers (1578–1647), Kooperationsprojekt mit der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel[8] (das Projekt ist von 2017 bis 2029 an der HAB Wolfenbüttel und mit einer Arbeitsstelle an der Universität Tier installiert[9])
  • Meisterstücke: Die Anwartschaft zur Meisterwürde in den Malerzünften im Europa der Vormoderne (für 2019/20 ist eine Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt in Vorbereitung)[10]

Beendete Forschungsprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 06/2017 Kommentierte kritische Edition deutschsprachiger Zunftordnungen für Glasmaler bis um 1800: Quellen zur Künstlersozialgeschichte aus Archiven Zentraleuropas[11]
  • 06/2016 Edition der Zunftordnungen für Maler bis um 1800: Quellen zur Künstlersozialgeschichte aus den Archiven der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs und der Schweiz[12]
  • 05/2016 artifex: Redefining Boundaries: Artistic training by the guilds in Central Europe up to the dissolution of the Holy Roman Empire[13]
  • 10/2015 Schnittmengen – Edition der deutsch- und polnischsprachigen Zunftordnungen für Bildende Künstler bis um 1800 aus den Archiven der Republik Polen[14]
  • 10/2015 Edition der archivalischen Quellen der am kurtrierischen Hof von 1629 bis 1794 tätigen Hofkünstler bzw. Hofhandwerker einschließlich der Untersuchung ihrer Kompetenzen und sozialen Stellung[15]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeitsstelle nimmt neben der Baisfinanzierung auch projektgebundene Mittel ein. Beispielsweise unterstützte der Europäische Forschungsrat 2011–2016 das Projekt Artifex mit 1,7 Mio. EUR[16] oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Langfristvorhaben (2017–2029) des Hainhofer-Projektes mit ca. 2,9 Mio. EUR[17].

Selbständige Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in den unterschiedlichen Projekten erarbeiteten Ergebnisse erscheinen u. a. in der Reihe: artifex – Quellen und Studien zur Künstlersozialgeschichte/Sources and Studies on the Social History of the Artist (Hrsg. bzw. bearbeitet von Andreas Tacke).

  • MATERIAL CULTURE. Präsenz und Sichtbarkeit von Künstlern, Zünften und Bruderschaften in der Vormoderne / Presence and Visibility of Artists, Guilds and Brotherhoods in the Pre-modern Era (= artifex-Reihe). Hgg. / Eds. von / by Andreas Tacke, Birgit Ulrike Münch, Wolfgang Augustyn. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2018.
  • Statuta pictorum: Kommentierte Edition der Maler(zunft)ordnungen im deutschsprachigen Raum des Alten Reiches. Von Andreas Tacke, Ursula Timann, Marina Beck, Elsa Oßwald, Sarah Wilhelm, Luise Schaefer, Zbigniew Michalczyk, Sandra Knieb, Radka Heisslerova, Hana Pátková, Karina Wiench, Susan Tipton, Monika Borowska, Benno Jakobus Walde, u. a. (= artifex-Reihe). 5. Bde., Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2018.
  • Hofkünstler und Hofhandwerker am kurtrierischen Hof in Koblenz / Ehrenbreitstein 1629-1794. Studie, Handbuch, Quellen. Bearb. von Jens Fachbach (= artifex-Reihe). 2 Bde., Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2017.
  • Künstlerinnen. Neue Perspektiven auf ein Forschungsfeld der Vormoderne. Hrsg. von Birgit Ulrike Münch, Andreas Tacke, Markwart Herzog, Sylvia Heudecker (Kunsthistorisches Forum Irsee; 4). Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2017.
  • The Artist between Court and City (1300–1600) / L’artiste entre la Cour et la Ville / Der Künstler zwischen Hof und Stadt (= artifex-Reihe). Ed. by Dagmar Eichberger, Philippe Lorentz, Andreas Tacke. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2017.
  • Hofkünstler und Hofhandwerker in deutschsprachigen Residenzstädten der Vormoderne (= artifex-Reihe). Hrsg. von Andreas Tacke, Jens Fachbach, Matthias Müller. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2017.
  • Kunstmärkte zwischen Stadt und Hof. Prozesse der Preisbildung in der europäischen Vormoderne (= artifex-Reihe). Hrsg. von Andreas Tacke in Verbindung mit Markwart Herzog, Christof Jeggle, Birgit Ulrike Münch, Michael Wenzel. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2017.
  • Von kurzer Dauer? Fallbeispiele zu temporären Kunstzentren der Vormoderne (= Kunsthistorisches Forum Irsee; 3). Hrsg. von Birgit Ulrike Münch, Andreas Tacke, Markwart Herzog, Sylvia Heudecker. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2016.
  • Die Klage des Künstlers. Krise und Umbruch von der Reformation bis um 1800 (= Kunsthistorisches Forum Irsee; 2). Hrsg. von Birgit Ulrike Münch, Andreas Tacke, Markwart Herzog, Sylvia Heudecker. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2015.
  • Luxusgegenstände und Kunstwerke vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Produktion – Handel – Formen der Aneignung (= artifex-Reihe und Irseer Schriften N.F. Studien zur Kultur-, Mentalitäts- und Wirtschaftsgeschichte; 8). Hrsg. von Christof Jeggle, Andreas Tacke, Markwart Herzog, Mark Häberlein, Martin Przybilski. Konstanz und Stuttgart: UVK, 2015.
  • Fälschung – Plagiat – Kopie. Künstlerische Praktiken der Vormoderne (= Kunsthistorisches Forum Irsee; 1). Hrsg. von Birgit Ulrike Münch, Andreas Tacke, Markwart Herzog, Sylvia Heudecker. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2014.
  • Der Künstler in der Gesellschaft. Einführungen in die Künstlersozialgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Hrsg. von Andreas Tacke und Franz Irsigler in Zusammenarbeit mit Marina Beck und Stefanie Herberg. Darmstadt: WBG, 2011.
  • Künstlergrabmäler. Genese – Typologie – Intention – Metamorphosen. Hrsg. von Birgit Ulrike Münch, Markwart Herzog, Andreas Tacke. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kunsttexte.de – Journal für Kunst- und Bildgeschichte. Abgerufen am 13. Februar 2017.
  2. arthistoricum.net: Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 13. Februar 2017.
  3. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 12. Februar 2017.
  4. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 12. Februar 2017.
  5. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 12. Februar 2017.
  6. Peter Sloterdijk: Zeilen und Tage, Notizen 2008 – 2011. Berlin 2012, S. 560 (Heft 109, Eintrag zum 18. Januar 2011).
  7. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 11. Februar 2017.
  8. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 31. Januar 2017.
  9. Das von Andreas Tacke (Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Trier) zusammen mit Peter Burschel (Universität Göttingen, Direktor der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel) geleitete Projekt wird intern verantwortet von dem Braunschweiger Hainhofer-Spezialist Michael Wenzel, siehe zu ihm http://www.hab.de/de/home/wissenschaft/forschungsprofil-und-projekte/philipp-hainhofer---kunstunternehmer-und-politischer-akteur-der-fruehen-neuzeit-.html
  10. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 9. Februar 2017.
  11. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 31. Januar 2017.
  12. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 10. Februar 2017.
  13. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 31. Januar 2017.
  14. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 10. Februar 2017.
  15. Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte. Abgerufen am 10. Februar 2017.
  16. Heinz Kreil: 1,7 Millionen Euro für Geschichtsprojekt. Volksfreund, 13. März 2011
  17. Erfolg für Trierer Kunsthistoriker. Abgerufen am 14. Februar 2017.