Historisches Museum Frankfurt

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2017 errichtetes Ausstellungsgebäude (2018)
Saalhof vom Eisernen Steg aus mit Rententurm, Bernusbau und Burnitzbau (von links), März 2009

Das Historische Museum von Frankfurt am Main wurde 1877/1878 auf Grund bürgerschaftlicher Initiativen[1] gegründet mit der Aufgabe, „geeignete Gegenstände aus dem gesamten Gebiet der Kultur- und Kunstaltertümer mit besonderer Berücksichtigung der Stadt Frankfurt am Main und ihrer Umgebung zu erwerben und sie durch wissenschaftliche Erforschung nutzbar zu machen“. Das Museum sollte eine Bildungseinrichtung sein und die Erinnerung an die Zeit der Freien Stadt Frankfurt wachhalten.

Das Museum befindet sich in der Frankfurter Altstadt südlich des Römerbergs, zwischen der Alten Nikolaikirche und dem Mainkai. Für den Sichtbeton-Neubau des Historischen Museums 1972 war das noch intakte Haus Freudenberg abgerissen worden, welches als eines der wenigen Altstadthäuser den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte. Der 1972 errichtete Teil wurde wiederum 2011 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Wegen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen der Altbauten (vor 1971) war das Museum bis Anfang 2012 geschlossen. Am 26. Mai 2012 wurde der sanierte Altbaubestand und am 7. Oktober 2017 der Neubau eröffnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zugang, 1972–2011 (Foto: 2007)
Baustelle im September 2012
Neubau vom Domturm aus, 2017
Neubau vom Maintower aus, 2018

Nach dem Ersten Weltkrieg beschränkte sich das Historische Museum selbst auf die Rolle eines Frankfurter Heimatmuseums. Bedeutende Exponate wurden verkauft oder an andere Museen abgegeben, darunter an das Städel und das Museum für Kunsthandwerk (heute Museum Angewandte Kunst). 1934 wurde das Museum umbenannt in Stadtgeschichtliches Museum. 1937 wurde die Archäologische Abteilung zum eigenständigen Museum für Vor- und Frühgeschichte (das heutige Archäologische Museum) ausgegliedert.

Bis zur Zerstörung der historischen Altstadt von Frankfurt durch die Luftangriffe auf Frankfurt am Main im Bombenkrieg 1944 waren die Ausstellungen in verschiedenen historischen Gebäuden untergebracht, darunter dem Leinwandhaus. Sämtliche Akten, Teile der Bibliothek und alle fest eingebauten Exponate gingen im Krieg verloren. Die meisten Ausstellungsstücke waren 1942 jedoch ausgelagert worden, was nicht in allen Fällen vor deren Vernichtung schützte. 95 Gemälde gingen verloren und gelten bis heute als vermisst, darunter die Revolutionäre Volksversammlung im Ostpark am 9. November 1918 von Erich Grube, Frankfurt vom Goetheturm aus gesehen von Mateo Cristiani und Batterie des Feldartillerie Regiments 63 von Joseph Kaspar Correggio.

Nach dem Krieg wurde das Museum wieder als Historisches Museum benannt und die Idee einer Bildungseinrichtung erneut aufgegriffen. Im November 1955 bezogen die Museumsverwaltung und die Graphische Sammlung den Burnitzbau des historischen Saalhofes am Römerberg. Ab März 1956 diente der noch mit einem Notdach versehene Bernusbau als Depot für das Museum. Die Wiedereröffnung des Museums fand am 13. Juli 1957 im notdürftig hergerichteten Saalhof statt. Die Ausstellungsräume befanden sich im Bernusbau. Im Burnitzbau befanden sich die Werkstätten und Büros. Das staufische Saalhofkapelle blieb anfangs noch Ruine und wurde erst von 1966 bis 1967 renoviert.

1971 begann der Bau eines Erweiterungstraktes an der Saalgasse, dessen erster Bauabschnitt bereits im Oktober 1972 eröffnet wurde.[2] Für dieses Vorhaben wurde das gegenüber vom Fachwerkhaus Wertheim liegende Haus Freudenberg (Am Fahrtor 6, früher auch Brabant genannt), abgerissen, ebenso wie eine gotische Toreinfahrt, ein Rest des Hauses Roter Krebs (Am Fahrtor 4). Das Haus Freudenberg war ein nach 1833 entstandener klassizistischer Bau mit drei Obergeschossen.

Der fensterlose Neubau aus Sichtbeton-Elementen im Brutalismus-Stil zog von Anfang an viel Kritik auf sich. Das visuelle Leitsystem des Gebäudes stammte von dem Grafikdesigner Herbert W. Kapitzki. Ebenso heftig kritisiert wurde die im Neubau installierte neue Dauerausstellung zur Geschichte Frankfurts. Ein Großteil der Sammlungsobjekte wurde in einem auf Anfrage zugänglichen Schaudepot ausgestellt. In den öffentlich zugänglichen Ausstellungsräumen selbst war eine antikapitalistisch inspirierte Stadtgeschichte auf durchnummerierten Texttafeln zu lesen.[3] Politisch umstritten war vor allem der Abschnitt zum 20. Jahrhundert und zur Frankfurter Rätebewegung.[4]

Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem zeitweise ein Umbau erwogen wurde, entschied sich die Stadt im Februar 2007 dafür, den Betonbau abzureißen und durch einen Neubau mit Sandsteinfassade zu ersetzen, der sich aus Sicht der Stadt besser in die historische Bebauung des Römerbergs mit dem benachbarten Haus Wertheim und der Alten Nikolaikirche einfügen soll. Im Rahmen des Neubaus wurde die Ausstellungsfläche des Historischen Museums auf etwa 5.000 Quadratmeter für die Dauerausstellung und 800 bis 1.000 Quadratmeter für Wechselausstellungen vergrößert.[5]

Aus dem Architektenwettbewerb ging das Stuttgarter Architekturbüro Lederer+Ragnarsdóttir+Oei als Sieger hervor. Das Museum wurde für die Dauer der Auslagerungs- sowie Abriss- und Bauvorbereitungsarbeiten Anfang 2011 geschlossen. Die Abrissparty fand am 7. Mai 2011 statt, danach wurde der Sichtbetonbau abgetragen.

Vor dem Eingang des Museums stand bis Mai 2011 die überlebensgroße Skulptur Karls des Großen, 1843 von dem Bildhauer Johann Nepomuk Zwerger aus Mainsandstein geschaffen. Ihr ursprünglicher Standort war bis 1914 – als diese durch den heutigen Neubau ersetzt wurde – die Alte Brücke.

Baubeginn für den Neubau war 2012. Zwischenzeitlich wurden am 26. Mai 2012 die historischen Gebäudeteile wiedereröffnet. Erstmals ist seitdem auch der Rententurm für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein wichtiger Aspekt der Neugestaltung war die Sichtbarmachung der Baugeschichte des Komplexes aus den verschiedenen Epochen seiner Geschichte.[6] Am 7. Oktober 2017 wurde der Neubau eröffnet.[7]

Direktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dauerausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum zeigte vor der Eröffnung des Neubaus (2017) folgende Dauerausstellungen:

  • „Von der Pfalz zur frühen Stadt – Frankfurt im Mittelalter“
  • „Frankfurt im Spätmittelalter. Kirche – Stifter – Frömmigkeit“
  • „16.–18. Jahrhundert – von der Reformation bis zur Aufklärung“
  • „Von Fremden zu Frankfurtern – Zuwanderung und Zusammenleben“
  • „MainMetropole: Frankfurter Stadtgeschichte 1866 bis 2001“

Im Erdgeschoss des Burnitzbaus sowie der um 1160 entstandenen Saalhofkapelle, dem ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt, befand sich die Ausstellung Historische Topographie Frankfurter Geschichte vom Mittelalter bis Heute. Im Zentrum dieser Ausstellung stand das von den Brüdern Hermann (1876–1962) und Robert Treuner (1877–1948) in den Jahren 1926 bis 1955 geschaffene Modell der historischen Altstadt.

Seit der Eröffnung des Neubaus am 7. Oktober 2017 werden folgende Dauerausstellungen gezeigt:

  • „Stauferzeit“ – Die Zeit der Staufer im 12. bis 13. Jahrhundert wird im Untergeschoss des Saalhofs in den Mittelpunkt gestellt.
  • Rententurm und Mainpanorama
  • „Frankfurter Sammler und Stifter“
  • „Die Schneekugel – 8 x Frankfurt“
  • „Frankfurt Einst?“
  • „Frankfurt Jetzt!“

Bedeutende Ausstellungsstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonder- und Wechselausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kaisermacher – Aus Anlass des 650-jährigen Jubiläums der Goldenen Bulle (30. September 2006 – 14. Januar 2007)
  • Blickwechsel. Frankfurter Frauenzimmer um 1800 (23. August – 25. November 2007)
  • Frankfurt und der Nordpol. Entdecker und Forscher im ewigen Eis: 1861–1931 (22. Dezember 2007 – 9. März 2008)
  • Die 68er – Kurzer Sommer, lange Wirkung (1. Mai – 31. August 2008)
  • Liselotte Strelow (1908–1981) – Retrospektive (22. Januar – 13. April 2009)
  • Peter Struwwel – Heinrich Hoffmann. Ein Frankfurter Leben 1809–1894 (13. Juni 2009 – 21. September 2009)
  • Frankfurts demokratische Moderne und Leopold Sonnemann. Jude – Verleger – Politiker – Mäzen (29. Oktober 2009 – 28. Februar 2010)
  • Fremde im Visier – Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg (15. April – 29. August 2010)
  • Wenn (nicht nur) Architekten träumen dürfen... Neue Projektideen für Frankfurt (9. September – 3. Oktober 2010)
  • Abisag Tüllmann (1935–1996). Bildreportagen und Theaterfotografie (24. November 2010 – 27. März 2011)
  • Frühe Kunststoffe – Die Sammlung der Kulturwissenschaftlerin Eva Stille (18. August – 31. März 2013)
  • Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg – Ein vergessenes Kapitel der Geschichte (27. September 2013 – 7. April 2014)
  • Meine Großeltern (12. September 2012 – 24. Februar 2013)
  • Dragutin Trumbetaš: Gastarbeiter in Frankfurt (2. Mai – 15. September 2013)
  • Die neue Bürgerstadt – Das Frankfurt der Architekten Burnitz (31. Oktober 2013 – 16. Februar 2014)
  • Die Holzhausen. Frankfurts älteste Familie (10. Mai – 27. Juli 2014)
  • Gefangene Bilder. Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg (14. September 2014 – 15. Februar 2015)
  • Seidenroben und Lederjacken – Das Modeatelier Erika Segel-Reinhardt (4. Juli – 11. Oktober 2015)
  • The making of HMF – Ein neues Museum für Frankfurt (7. Oktober 2017 – 15. Juli 2018)
  • Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht (26. August 2018 – 20. Januar 2019)
  • Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern (7. März – 14. Juli 2019)

Zweigstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leinwandhaus mit der Caricatura

Dem Historischen Museum angegliedert sind seit 1972 das Kindermuseum, das stadt- und kunstgeschichtliche Themen speziell für Kinder aufbereitet, und das Porzellanmuseum in Höchst. Das Caricatura-Museum war zunächst eine Zweigstelle, wurde aber 2019 in die Eigenständigkeit entlassen.

Caricatura[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum für komische Kunst im Leinwandhaus sammelt die Werke bedeutender Karikaturisten. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Neue Frankfurter Schule. Im Herbst 2005 erwarb die Stadt insgesamt rund 5.000 Bildwerke von F. W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler und F. K. Waechter. Sie sollen zukünftig den Kernbestand der Sammlung bilden und die Caricatura so dauerhaft an Frankfurt binden. Seit 1. April 2019 ist Caricatura eine selbstständige Einrichtung; vorangegangen war ein Zerwürfnis zwischen Gründungsdirektor Achim Frenz und dem vorgesetzten Direktor des Historischen Museums Jan Gerchow.[8]

Porzellanmuseum im Kronberger Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kronberger Haus in Frankfurt-Höchst mit dem Porzellan Museum Frankfurt

Im Kronberger Haus in Frankfurt-Höchst befindet sich seit 1994 eine Außenstelle des Historischen Museums. Hier werden etwa 1.000 Stücke Fayencen und Porzellane aus der Höchster Porzellanmanufaktur gezeigt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein

  • Jan Gerchow (Hrsg.): 100 x Frankfurt: Geschichten aus (mehr als) 1.000 Jahren. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3955422622.
  • Detlef Hoffmann, Almut Junker, Peter Schirmbeck (Hrsg.): Geschichte als öffentliches Ärgernis oder: Ein Museum für die demokratische Gesellschaft : das historische Museum in Frankfurt a. M. und der Streit um seine Konzeption. Anabas-Verlag, Fernwald-Steinbach 1974.

Sammlung

  • Reinhard Glasemann: Erde, Sonne, Mond & Sterne: Globen, Sonnenuhren und astronomische Instrumente im Historischen Museum Frankfurt am Main. Kramer, Frankfurt am Main 1999, ISBN 978-3782905046.

Ausstellungskataloge

  • Frank Berger (Hrsg.): Glaube, Macht, Kunst, Antwerpen – Frankfurt um 1600. (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung 2005–2006, Historisches Museum Frankfurt am Main und Hessenhuis, Antwerpen). Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-7973-0970-9.
  • Petra Bopp: Fremde im Visier – Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg. (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, Kooperation zwischen dem Stadtmuseum Oldenburg, der Sammlung Fotografie im Münchner Stadtmuseum, dem Stadtmuseum Jena und dem Historischen Museum Frankfurt). Kerber Verlag, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-86678-312-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Historisches Museum Frankfurt am Main – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel „Wir über uns“ auf historisches-museum.frankfurt.de
  2. Der Neubau des Historischen Museums (Memento vom 1. April 2012 im Internet Archive) bei aufbau-ffm.de
  3. Schulze, Mario: Wie die Dinge sprechen lernten Eine Geschichte des Museumsobjektes 1968-2000. 1. Auflage. transcript, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8376-3915-5.
  4. Kittel, Manfred, 1962-: Marsch durch die Institutionen? Politik und Kultur in Frankfurt nach 1968. Oldenbourg, München 2011, ISBN 978-3-486-71231-5, S. Kap. 3.
  5. „Zeichen des Brutalismus“ verschwindet aus der Stadt
  6. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. November 2013
  7. Tilman Spreckelsen: Der doppelte Blick in den Stadtspiegel. faz.net, 7. Oktober 2017, abgerufen am 14. Oktober 2017.
  8. Museumsstreit in Frankfurt: Das Caricatura Museum wird selbständig. In: www.faz.net. 13. März 2019, abgerufen am 8. September 2019.

Koordinaten: 50° 6′ 35″ N, 8° 40′ 57″ O