Europäischer Forschungsrat

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Exekutivagentur des Europäischen Forschungsrates
ERCEA
Englische Bezeichnung European Research Council Executive Agency
Französische Bezeichnung Agence exécutive du Conseil européen de la recherche
Organisationsart Exekutivagentur der Europäischen Union
Status Einrichtung des europäischen öffentlichen Rechts ohne eigene Rechtspersönlichkeit
Sitz der Organe

Brüssel, Belgien

Vorsitz Jean-Pierre Bourguignon
Gründung

14. Dezember 2007

ERCEA

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council - ERC) ist eine Institution zur Finanzierung von Grundlagenforschung, die die Europäische Kommission als Teil des spezifischen Programms Ideen im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU-Kommission gegründet hat.

Als Exekutivagentur des Europäischen Forschungsrates ist er eine der sechs Exekutivagenturen der Europäischen Union. Diese nehmen unter den Agenturen der EU eine Sonderstellung ein. Sie werden von der Europäischen Kommission gegründet und sind mit der Verwaltung von bestimmten Programmen beauftragt. Dabei sind sie nicht auf Dauer, sondern nur für einen begrenzten Zeitraum eingerichtet und im Rang einer Generaldirektion der Europäischen Kommission gleichgestellt. Im Unterschied zu den anderen EU-Agenturen müssen sie in Brüssel oder Luxemburg angesiedelt sein und haben, anders als diese, auch keine eigene Rechtspersönlichkeit.

Rechtsgrundlage für diese Exekutivagentur ist zum einen die EU-Ratsverordnung 58/2003 vom 19. Dezember 2002[1] sowie der Beschluss der Kommission 2008/37/EG vom 14. Dezember 2007.[2]

Aufgabe[Bearbeiten]

Der Europäische Forschungsrat soll vergleichbare Aufgaben wahrnehmen wie die US-amerikanische National Science Foundation, die dessen Gründung auch inspirierte.

Die Fördermaßnahmen des Europäischen Forschungsrats ermöglichen zusätzlich zu den bisherigen thematischen Programmen Forschung ohne unmittelbare Anwendung: hierfür steht der Begriff Frontier Research, also Forschung an den Grenzen des Wissens. Dies soll ein neues Verständnis der Grundlagenforschung darstellen, insbesondere auch hochriskante Forschung einbeziehen (Pionierforschung). In den Programmen des EFR gibt es keine thematische Einschränkung, einziges Kriterium für die Auswahl soll Exzellenz sein.

Organisation[Bearbeiten]

Am 18. Juli 2006 wurden die 22 Gründungsmitglieder des wissenschaftlichen Rates des Europäischen Forschungsrates bekanntgegeben. Von deutscher Seite sind die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie und der Physikochemiker Hans-Joachim Freund vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft vertreten.

Am 27. Februar 2007 hat der Europäische Forschungsrat die Arbeit aufgenommen. An Vergabemitteln stehen dem Forschungsrat zunächst jährlich eine Milliarde Euro zur Verfügung. Das Programm soll u.a. dazu dienen, die EU als Forschungsstandort für Hochqualifizierte attraktiver zu machen, herausragende Wissenschaftstalente besser zu identifizieren und personelle Lücken in der Spitzenforschung aufzufüllen.

Erster Präsident des Europäischen Forschungsrats ist der griechische Molekularbiologe Fotis Kafatos, Vizepräsidentin die österreicherische Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny. Seit 1. März 2010 ist Helga Nowotny neue Präsidentin.[3]

Drei Gründungsmitglieder des wissenschaftlichen Rates des ERC, der Soziologe Manuel Castells, der Chemiker und Nobelpreisträger Paul Crutzen und der Biologe Robert May sind im April 2008 aus dem wissenschaftlichen Rat ausgeschieden.

Präsidentschaft[Bearbeiten]

Generalsekretariat[Bearbeiten]

Förderarten[Bearbeiten]

Der Europäische Forschungsrat hat zwei Forschungsförderungsschemata, nämlich den ERC Starting Independent Researcher Grant und den ERC Advanced Investigators Grant. Ersterer richtet sich an junge innovative Forscher, die eine neue Forschungsgruppe aufbauen wollen. Damit soll das Potential an talentierten Jungforschern gehoben werden. Die Förderung geht über 5 Jahre und kann bis 2 Mio. Euro betragen. Bis Ende 2009 wurden zwei Einreichtermine durchgeführt (2007: 299 Förderungen; 2009: 238 Förderungen)

Das zweite Förderschema zielt auf bereits etablierte Spitzenforscher und stellt damit auch eine Art Auszeichnung dar. Ebenfalls auf 5 Jahre ausgerichtet können bis zu 3,5 Mio Euro vergeben werden. 2008 wurde ein Einreichtermin durchgeführt und 275 Anträgen positiv beurteilt und gefördert. Die höchste Zahl an Förderungen ging an Forschungseinrichtungen im Vereinigten Königreich, gefolgt von Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Die dritte Ausschreibungsrunde erfolgte im Jahre 2011, wobei Laufzeit und Förderhöchstgrenze unverändert blieben.

Stipendien[Bearbeiten]

Im September 2011 vergab der Europäische Forschungsrat an 480 junge Spitzenforscher Stipendien in Höhe von jeweils bis zu zwei Millionen Euro. Über einen Zeitraum von fünf Jahren stehen insgesamt 670 Millionen Euro zur Verfügung. 64 Stipendien gingen an deutsche Forscher. Die Zahl der Anträge war im Vergleich zum letzten Jahr um 42 Prozent gestiegen. Die ausgewählten Projekte decken eine große Themenvielfalt ab: von Studien zu außergewöhnlichen Eigenschaften von biologischem Nanomaterial über die Auswirkung von Verkehrslärm auf die Gesundheit bis zur Rolle der Wirtschaftsmedien in der Finanzkrise.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verordnung (EG) Nr. 58/2003 des Rates vom 19. Dezember 2002 zur Festlegung des Statuts der Exekutivagenturen, die mit bestimmten Aufgaben bei der Verwaltung von Gemeinschaftsprogrammen beauftragt werden. 16. Januar 2003, abgerufen am 6. August 2013 (PDF; 139,62 kB, deutsch).
  2. Beschluss der Kommission vom 14. Dezember 2007 zur Einsetzung der „Exekutivagentur des Europäischen Forschungsrats“ für die Verwaltung des spezifischen Gemeinschaftsprogramms „Ideen“ auf dem Gebiet der Pionierforschung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 58/2003 des Rates. 15. Januar 2008, abgerufen am 6. August 2013 (PDF; 47,44 kB, deutsch).
  3. http://erc.europa.eu/pdf/Press_release_Nowotny.pdf
  4. Pressemeldung EU-Kommission: EU vergibt Millionenbetrag an deutsche Spitzenforschung