Turbinator

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Der Turbinator ist ein turbinenbestückter Rekordwagen, mit dem am 18. Oktober 2001 von Don Vesco ein Geschwindigkeitsrekord für radgetriebene Landfahrzeuge mit 739,4 km/h aufgestellt wurde.

Von der Idee zum brauchbaren Konzept[Bearbeiten]

Obwohl der Landgeschwindigkeitsrekord seit 1963 eine Domäne der Fahrzeuge mit Strahltriebwerk oder Raketenantrieb ist, begannen Anfang der 1980er Jahre die Amerikaner Don und Rick Vesco, Söhne eines ebenfalls im Rennsport engagierten Vaters, mit Überlegungen, wie der bestehende Geschwindigkeitsrekord speziell für radgetriebene Landfahrzeuge zu brechen sei. Sie wählten einen eher unwissenschaftlichen Ansatz und legten die Dinge nach dem Augenmaß fest, das sie sich durch jahrelanges Wirken in dem Metier erworben hatten: Was sich als nützlich erwies und wenig kostete, kam zum Einsatz, einen Windkanal sollte der Wagen niemals sehen. Alle Gefahren eines „Overengineering“ verschwanden damit von selbst. Rick war verantwortlich für die Gestaltung und den Zusammenbau (hauptsächlich des Fahrwerks) und Don entwarf und baute die Antriebsteile. Ursprünglich war der Rahmen für Motoren vom Typ Chevrolet „small-block engine“ vorgesehen, doch Don Vesco schickte zwei Turbo-Offenhauser Midget-Motoren, die gemeinhin als zuverlässig gelten − wenn man sie nicht „frisiert“.

Aus dem „Bananenhubschrauber“ in die „Rekordzigarre“[Bearbeiten]

Der Vorteil eines anderen Antriebs erschloss sich Don Vesco, als er einer Demonstration des Miss Budweiser genannten Rennboots von Bernie Little beiwohnte, indes war eine brauchbare Lycoming T 55-Gasturbine nicht problemlos zu beschaffen. Zwei Jahre sparsamen Wirtschaftens waren nötig, um bei einem Rekordfahrerkollegen eine derartige Maschine kaufen zu können, die leider bald kollabierte. Nummer zwei war schließlich ein zusammengeflicktes, nicht mehr luftfahrttaugliches Exemplar des Jahrgangs 1967 aus einem Chinook-Hubschrauber, wie er im Vietnamkrieg zum Einsatz gekommen war. Statt des bisherigen Namens „111“ bekamen Projekt und Fahrzeug nun die Bezeichnung „Turbinator“. Um kleinlichen Mäkeleien keinen Ansatz zu geben, wurde der Turbinenauslass so gelegt, dass der Abgasstrahl senkrecht nach oben gerichtet war − nichts als der Vierradantrieb würde den Wagen bewegen.

Erprobung und Rekordfahrt[Bearbeiten]

Die Kompliziertheit des verwendeten 5-Gang-Getriebes zögerte die Fertigstellung des Wagens hinaus, dann verlor Don Vesco 1995 durch einen Unfall ein Auge, was den Turbinator für Jahre in die Garage verbannte. 1997 versagten bei einer Fahrt drei Bremsschirme und ließen den Wagen in unwegsames Gelände rasen, 1998 zog einer der Schirme seitlich, Vesco kam bei 627 km/h vom Kurs ab und fuhr zeitweise auf zwei Rädern. Im August 1999 fuhr man 672 km/h, aber der Versuch entsprach nicht den FIA-Bedingungen. Ein besonderes Problem war man bis 2001 nicht losgeworden: Ein Getriebe, das die hohe Drehzahl der Turbine auf die Hälfte reduziert, war vor dem Lufteinlass eingebaut, der Luftstrom in den Kompressorenteil des Aggregats damit behindert − Kühlungsprobleme waren die Folge. Vesco musste bei seinen Fahrten mehrmals Maßnahmen ergreifen, die Auslasstemperatur unter 815 °C zu halten. Am 18. Oktober passte auf den Bonneville Flats dann alles zusammen: 739,4 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit aus Fahrten in zwei Richtungen bedeuteten den Weltrekord.

Weitere Planung[Bearbeiten]

Der Turbinator erreichte am Ende der Messstrecke eine Geschwindigkeit von 756 km/h und beschleunigte immer noch. Rick Vesco hat daher nach dem Tod seines Bruders beschlossen, mit einem anderen Fahrer die 500 mph-Marke (804 km/h) zu überschreiten, idealerweise auf dem fünf Meilen langen Salzstreifen, wie er während der „Speed Week“ auf den Bonneville Flats zur Verfügung steht. Allerdings würden dabei nur gut drei Meilen zum Anhalten übrig bleiben. Um den Luftdurchgang der Turbine zu erleichtern, wurde der Wagen um 70 Zentimeter verlängert und das Untersetzungsgetriebe versetzt. Angestrebt sind 4400 Wellen-PS bei 16500 Umdrehungen pro Minute.

Technische Daten[Bearbeiten]

Länge 9,50 m
Breite 0,91 m
Höhe (Heckfinne) 0,81 m
Radstand 5,70 m
Gewicht 1536 kg
Räder zweiteilig, aus einer Speziallegierung
Reifen 622 x 190 mm, schlauchlos
Antrieb Lycoming T55-L-11A SA Hubschrauber-Turbine mit achtstufigem Kompressor, 3750 WPS bei 16000 min−1

Quellen[Bearbeiten]