Ukrainisch-Orthodoxe Kirche – Ökumenisches Patriarchat

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Wladimirkathedrale in Kiew

Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche ist eine orthodoxe Kirche in der Ukraine, die seit 2018 dem ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel /Istanbul untersteht. Vorher war sie nicht als kanonisch anerkannt und unterstand einem Patriarchen in Kiew. Zu ihr zählen sich 45,7 % aller Ukrainer (2016).[1][2] Die Kirche ist stärker in der westlichen Ukraine vertreten. Ihr Oberhaupt ist Metropolit Philaret, sein Sitz ist die Wladimirkathedrale in Kiew.

Neben ihr gab es noch die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat) und die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orthodoxe Kirche in der Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der orthodoxen Kirchen in der Ukraine ist vielschichtig. Um 988 war eine einheitliche russisch-orthodoxe Kirche in der Kiewer Rus gebildet worden. Diese gehörte zum Patriarchat Konstantinopel. 1586 entstand ein Patriarchat Moskau.

1596 löste sich in den Gebieten, die zu Polen-Litauen gehörten, eine ukrainische griechisch-katholische Kirche, die sich dem Papst in Rom unterstellte. 1795 kamen die nördlichen Gebiete der Ukraine zum Kaiserreich Russland und die dortigen Kirchen wurden wieder dem Patriarchat Moskau unterstellt. 1921 spaltete sich die Ukrainische Autonome Orthodoxe Kirche, die so genannten Autonomisten, vom Moskauer Patriarchat ab.

Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1990 forderten ukrainische Bischöfe eine größere Selbständigkeit ihrer Kirche, die im Exarchat Ukraine der Russisch-Orthodoxen Kirche organisiert war. Im April 1992 gab Metropolit Philaret von Kiew sein Ausscheiden aus der Russisch-Orthodoxen Kirche bekannt. Die ukrainische Kirche im Patriarchat von Moskau wählte daraufhin eine neue Leitung und gründete sich im Mai als Ukrainische Orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat).

Am 25. und 26. Juni 1992 gründete sich in Kiew die Ukrainische Orthodoxe Kirche - Kiewer Patriarchat als Vereinigung von Klerikern und Gemeinden um Metropolit Philaret und der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche. Oberhaupt wurde Patriarch Mstislaw (Skripnik) der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche, der in den USA lebte, sein Stellvertreter Metropolit Philaret. Beide Kirche behielten eigene Organisationsstrukturen bei.

1993 trennten sich nach dem Tod von Patriarch Mstislaw beide Kirchen wieder, neues Oberhaupt des Kiewer Patriarchats wurde Metropolit Wladimir (Romanjuk). 1994 wurde die unabhängige Metropolie von Aquileia und Westeuropa als autonome Teilkirche aufgenommen. 1995 wurde Metropolit Philaret neuer Leiter der Kirche nach dem plötzlichen Tod von Metropolit Wladimir. 1997 wurde er von der Russisch-Orthodoxen Kirche offiziell mit dem Kirchenbann belegt.

Die Ukrainische Orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat) bemühte sich seit 2000 verstärkt um ein Zusammengehen mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) und mit der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche, lange ohne Erfolg. Auf der Krim blockierte die Polizei im August 2017 den Zutritt zur Kathedrale der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (Kiewer Patriarchat) in Simferopol.[3] Im Oktober 2018 wurden die drei bisher konkurrierenden ukrainisch-orthodoxen Kirchen gemeinsam und gegen den Widerstand der russischen Kirche als kanonisch anerkannt [4] und dem ökumenischen Patriarchat unterstellt.

Strukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diözesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist in 34 Eparchien mit 4661 Gemeinden organisiert (2014).[5] Dazu gibt es Diözesen in Russland, Moldawien, Griechenland, den USA, Kanada, Australien, Europa und weiteren Ländern. Zum Dekanat Deutschland gehören Gemeinden in Bielefeld, Braunschweig, Hamburg, Hannover,[6], Köln[7], Frankfurt/Main.[8] und anderen Städten. In Deutschland zählen sich etwa 110.000 Gläubige zur Kirche.

Klöster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche besitzt 60 Klöster mit 188 Mönchen und Nonnen (2014).

Kirchenrechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche - Kiewer Patriarchat wurde von den meisten anderen orthodoxen Kirchen nicht als kanonisch anerkannt. Das bedeutete, dass die Taufe, Priesterweihe und andere Sakramente von den meisten orthodoxen Kirchen nicht anerkannt wurden. Mitglieder der Kirche waren so auch von der Eucharistie in anderen Kirchen ausgeschlossen. Die Kirche war in keinem übergeordneten orthodoxen Gremium vertreten, auch nicht in der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland oder dem Ökumenischen Rat der Kirchen.

Die Kirche unter Metropolit Philaret bemühte sich sehr intensiv um eine kanonische Anerkennung durch das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, bereits vier Tage nach der Gründung reiste Metropolit Philaret 1992 erstmals nach Istanbul. 2016 forderte das ukrainische Parlament den Ökumenischen Patriarchen auf, die Kirche anzuerkennen. Auch 2017 fanden Gespräche beider Kirchen in Istanbul darüber statt.[9]

Eine kirchenrechtliche Anerkennung war nur möglich, nachdem es einen Zusammenschluss mit der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) gab, da es in einem Land nur eine kanonische orthodoxe Kirche geben kann. Diese kann dann autokephal (unabhängig) werden. Im Sommer 2018 deuteten alle Anzeichen auf eine Anerkennung der Autokephalie der ukrainischen Kirche durch Konstantinopel im Oktober 2018 hin.[10] Dass der Druck aus dem Kreml nicht ausgereicht hatte, diesen Schritt zu verhindern, führte zu scharfen Reaktionen der Russisch-Orthodoxen Kirche, welche sich in einer Verliererrolle sah. Alexander Soldatow schrieb, die Russische Orthodoxie entspräche der Ideologie Wladimir Putins und seines Antiamerikanismus.[11]

Am 10. Oktober 2018 beschloss Bartholomeos I. anlässlich einer Bischofskonferenz in Istanbul, dass sich die Ukrainischen Kirchen selbständig organisieren können.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Repräsentative Befragung des Instituts für Soziologie der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, 2016, (ukrainisch)
  2. Religious Self-Identification and Prayer in Ukraine, Olena Bogdan, Kiev International Institute of Sociology, 2016, pdf (englische Fassung)
  3. Katholische Nachrichtenagentur, 1. September 2017.
  4. [1]
  5. Angaben der Staatlichen Abteilung für Religions- und Nationalitätenangelegenheiten vom 1. Januar 2014 (ukrainisch)
  6. Ukrainisch-orthodoxe Gemeinde St. Wolodymir in Hannover-Misburg, Erzpriester betreut Gemeinden in Bielefeld-Senne, Braunschweig und Hamburg mit
  7. Ukrainische orthodoxe Kirchengemeinde der Verklärung des Herrn in Köln, Website
  8. Ukrainisch-Orthodoxe Kirchengemeinde zu Ehren der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus in Frankfurt, Website
  9. Gespräche in Istanbul Radio Vaticana nach Informationen des Religiosen Informationsdienstes der Ukraine vom 17. Januar 2017
  10. "Die Entscheidung ist gefallen: Die ukrainische Kirche wird autokephal sein!", Nowaja Gaseta, 31. August 2018
  11. Die Patriarchate beginnen einen großen Krieg, Nowaja Gaseta, 10. September 2018
  12. Nachrichten 06:00h Radio SRF 1, 11. Oktober 2018