Ullemmeden

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Tuareg aus Timbuktu, ca. 1890

Die Ullemmeden (sprachliche Varianten: Iwllemmedan, Aulliminden, Ioullemmeden, Ouelleminden) sind die bedeutendste, weil mit 200.000 Menschen größte, Gruppe der Sahel-Tuareg. Ihre Herkunft liegt im Adrar des Ifoghas. Die Ullemmeden sind Nomaden und leben im Sahelgebiet. Das Gebiet erstreckt sich vom Westen Malis (Timbuktu) bis nach Niamey im östlich gelegenen Niger. Damit leben sie südlich des 16. Breitengrades in einem Gebiet mit kurzen Vegetationsperioden. Insbesondere trifft man sie im nach ihnen benannten Ullemmeden-Becken.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Franzosen erreichten Mali und Niger 1894. Sie drangen fortan zunehmend in die Stammesgebiete der Ullemmeden vor. Sie eroberten Timbuktu und erreichten die Unterwerfung der Tengérégif, welche versucht hatten die Stadt zu verteidigen. Eine friedliche Mission führte die Franzosen nach Gao ebenfalls in Mali, wo sie auf Madidou, den Amenokal (König) der Iwllemmedan trafen, mit welchem sie einen Vertrag aushandelten. Dieser sah vor, dass die Franzosen unter Schutz stünden, so das Herrschaftsgebiet der Ullemeden unangetastet bliebe. Da die Franzosen sich in der Folge immer mehr in der Region etablierten und das Abkommen kaum ernst genommen wurde, wurden die Ullemmeden 1903 unterworfen.[1] Eine Gemengelage aus Guerillakrieg und Scheinverhandlungen setzte die Ullemmeden unter massiven Druck. Es folgte die Eroberung Gaos. Anführer Madidou starb und die Franzosen bewegten den neuen Amenokal (Lowey) dazu, den Widerstand aufzugeben. Viele Ullemmeden-Tuareg ergriffen die Flucht nach Nigeria und ließen sich bei Kano und Katsena nieder.[2]

Wirtschaftliche Rivalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rivalen um Weidegründe und Brunnenwasser sind Fulbe und Mauren. Zahlreiche Ethnien sesshafter Hirsebauern konkurrieren ebenfalls mit ihnen.

Stämme und Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschieden werden die Kel Ataram („people of the west“), deren Zentrum im malischen Ménaka liegt, und die Kel Dennek („people of the east“). Deren Zentren sind Tchintabaraden und Tahoua im Niger. Zum Ende der Regenzeit ziehen die Kel Dennek ins nördliche Ingall.[2]

Die bekanntesten Stämme der Kel Dennek sind die Irreulen, Tiggirmat, Kel Nan, Tellemidez und Ikhekheren. Sie sprechen Tawallammat tan Dannag (Tawallammat Tamascheq), eine Spielart des Süddialekts des Tamascheq.

Die bekanntesten Stämme der Kel Ataram sind die Tahabanaten und die Ighatafan. Sie sprechen Tawallammat tan Ataram (Tawallammat Tamascheq), ebenfalls dem Süddialekt des Tamascheq zugehörig.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edgar Sommer: Kel Tamashek - Die Tuareg, Cargo Verlag, Schwülper 2006, ISBN 3-938693-05-3
  • Thomas Krings: Sahelländer. Mauretanien, Senegal, Gambia, Mali, Burkina Faso, Niger. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-11860-X.
  • Pierre Boilley: Les Touaregs Kel Adagh. Dépendances et révoltes. Du Soudan français au Mali contemporain. Karthala, Paris 1999, ISBN 2-86537-872-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Boilley: Les Touaregs Kel Adagh. 1999, S. 61 f.
  2. a b Edgar Sommer, Kel Tamashek, S. 14 (s. Lit.)