Gao

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Dieser Artikel behandelt die Stadt in Mali. Zu anderen Bedeutungen siehe Gao (Begriffsklärung).
Gao
Gao (Mali)
Red pog.svg
Koordinaten 16° 16′ N, 0° 3′ WKoordinaten: 16° 16′ N, 0° 3′ W
Basisdaten
Staat Mali

Region

Gao
Höhe 226 m
Einwohner 86.633 (2009)
Politik
Bürgermeister Sadou Harouna Diallo[1]
Gebäude der Regionalversammlung in Gao
Gebäude der Regionalversammlung in Gao

Gao (arab.: Kaukau) ist eine Stadt in Mali. Sie war von 2012 bis zum 26. Januar 2013 Hauptstadt des nicht anerkannten Staates Azawad. An diesem Tag befreiten französische und malische Truppen die seit Juni 2012 von Islamisten besetzte Stadt im Rahmen der Opération Serval.[2]

Gao liegt im Nordosten des Landes 226 m über dem Meeresspiegel am linken Ufer des Niger. Gao hat 86.633 Einwohner[3] (Zensus 2009) und ist Hauptort der Region Gao.

Berühmt ist Gao für die rote Düne von Koyma, die direkt in Gao auf dem anderen Nigerufer liegt. Sie ist von der hinteren Seite eher flach und fällt auf der vorderen Seite steil und direkt in den Fluss Niger. Man kann auf ihr spazieren. Sie ist eines der natürlichen Wahrzeichen der Stadt Gao.

Als Knotenpunkt wichtiger Handelsstraßen entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum des Handels, insbesondere des Transsaharahandels.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabmal von Askia

Gao war die Hauptstadt des seit dem 9. Jahrhundert bezeugten Gao-Reichs, im 15. und 16. Jahrhundert die des Songhaireichs. Hier befindet sich das in das Weltkulturerbe aufgenommene Grabmal von Askia.

Im November 2007 schlug eine Serie von Attentaten auf den Gouverneur der Region und mehrere andere Funktionäre fehl.[4] Seither galt die Stadt als durch Rebellenangriffe gefährdet.

Am 31. März 2012 nahmen Kämpfer der Tuareg Gao ein, so wie tags zuvor Kidal.[5] Gao wurde nach der Unabhängigkeitserklärung der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) zur Hauptstadt des neuen Staates Azawad ernannt.[6] Am 28. Juni 2012 wurde die MNLA von der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine aus Gao vertrieben.[7] Ansar Dine und die Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO) versuchten seitdem, in Gao die Scharia durchzusetzen.[8] Malische Soldaten haben mit Unterstützung von Franzosen sowie Militärs aus Niger und Tschad die Stadt Gao am 26. Januar 2013 von den Islamisten zurückerobert.[9]

Am 18. Januar 2017 wurden durch einen von fünf Selbstmordattentätern ausgeführten Anschlag auf einen Militärstützpunkt mindestens 55 Menschen getötet und 115 weitere verletzt. Die Terrororganisation al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQMI) bekannte sich zu dem Anschlag. Der Anschlag sei von Kämpfern der örtlichen Al-Qaida-Gruppe Al Mourabitoun ausgeführt worden. UN-Generalsekretär António Guterres nannte den Anschlag eine „abscheuliche Tat“. Die Entschlossenheit der Vereinten Nationen, Mali im Kampf gegen den Terrorismus und bei der Suche nach Frieden zu unterstützen, sei dadurch weiter gestärkt worden. Die deutsche Bundesregierung verurteilte den Anschlag als Versuch, den Friedensprozess in Mali zu sabotieren.[10]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gao liegt am östlichen Ende der Nationalstraße 15 sowie am Beginn der Nationalstraße 17, die die Verbindung in Richtung Niamey in Niger herstellt. Die Stadt ist außerdem Startpunkt der Tanezrouftpiste, einer Transsahara-Route Richtung Norden zur algerischen Grenze und weiter nach Reggane. Östlich von Gao befindet sich ein kleiner Flughafen mit dem IATA-Code GAQ.[11]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Durchschnittstemperatur in Gao liegt bei 27 °C. Am kältesten ist es dabei im Januar mit ca. 22 °C und am wärmsten im Mai (etwa 35 °C).

Die Jahresniederschlagsmenge beträgt 260 mm, ist allerdings sehr ungleichmäßig verteilt: Das Maximum von über 100 mm wird im August erreicht, über zehn Monate hinweg ist die Niederschlagsmenge jedoch geringer als die Verdunstung (arides Klima). In fünf Monaten fällt durchschnittlich gar kein Regen.

Gao
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
0
 
30
15
 
 
0
 
33
17
 
 
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37
21
 
 
1
 
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28
 
 
73
 
38
26
 
 
107
 
35
24
 
 
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38
25
 
 
7
 
39
24
 
 
0
 
36
20
 
 
0
 
32
16
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Gao
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 30,1 33,0 37,1 40,4 42,5 41,3 38,1 35,2 37,7 39,1 36,2 31,5 Ø 36,9
Min. Temperatur (°C) 14,5 16,6 20,6 23,6 26,3 27,6 25,9 24,2 25,1 24,3 20,2 15,8 Ø 22,1
Niederschlag (mm) 0 0 0 1 5 27 73 107 38 7 0 0 Σ 258
Sonnenstunden (h/d) 9,0 9,7 9,6 9,7 9,6 9,0 9,1 8,5 9,2 9,4 9,8 8,9 Ø 9,3
Regentage (d) 0 0 0 0 1 3 6 7 5 1 0 0 Σ 23
Luftfeuchtigkeit (%) 22 18 17 16 23 33 46 52 44 26 22 21 Ø 28,4
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
30,1
14,5
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16,6
37,1
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40,4
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42,5
26,3
41,3
27,6
38,1
25,9
35,2
24,2
37,7
25,1
39,1
24,3
36,2
20,2
31,5
15,8
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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7
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0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordmali mit Gao und Kidal bildet heute ein Drehkreuz des Drogenschmuggels von Südamerika Richtung Europa.[12] Augenfällig wurde das im November 2009. Am 5. November 2009 landete eine Boeing 727-230 (Kennzeichen J5-GCU) auf einem illegalen Wüstenflugplatz bei Sinkrebaka in Mali. Dieser soll entweder 200 km nördlich von Gao liegen oder aber nahe Bourem, etwa 90 km nord-nordwestlich Gao; eine dritte Quelle gibt hierfür den Ort Tarkint an, etwa 135 km nördlich Gao.[13] Die bis 1992 als D-ABKP von Lufthansa betriebene und dann an Istanbul Airlines verkaufte Maschine war im Besitz von Africa Air Assistance aus Dakar, Senegal, einer Tochtergesellschaft der im spanischen Malaga ansässigen West African Aviation. Sie war in Guinea-Bissau registriert, wurde allerdings von Venezuela aus mit nigerianischer Besatzung geflogen. Nach der Landung sollen viele Tonnen von Kokain entladen worden sein. Einer Variante zufolge wurde das Flugzeug nach Abtransport der Drogen angezündet.[14] Einer anderen nach stürzte die Maschine beim Wiederstart ab. Das Auffinden des ausgebrannten Wracks wurde vom United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) gemeldet.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gao – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sadou Harouna Diallo, maire de Gao. FRANCE 24. Abgerufen am 12. April 2013.
  2. Malisch-französische Truppen erobern Gao. www.oe24.at, 27. Januar 2013, abgerufen am 27. Januar 2013.
  3. INSTAT: Ergebnisse des Zensus 2009 (PDF; 772 kB)
  4. Gao: Histoire d’une série d’attentats manqués. afribone.com, 19. November 2007, abgerufen am 12. Januar 2014 (französisch).
  5. Is Mali’s coup doomed? In: BBC News. 1. April 2012, abgerufen am 2. April 2012 (englisch).
  6. mnlamov.net offizielle Seite der MNLA
  7. 20minütige Powerpoint-Präsentation: Momentaufnahmen aus Mali. Aug./Sept. 2012 (englisch)
  8. Ansar Dine Islamists oust Tuareg rebels from Timbuktu. In: France 24. 29. Juni 2012, abgerufen am 19. Juli 2012 (englisch).
  9. Mali: Französische und malische Truppen nehmen Gao ein, Die Welt, 27. Januar 2013
  10. Mindestens 60 Tote bei Al-Qaida-Anschlag Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Januar 2017.
  11. world-airport-codes.com
  12. Drogenschleuse Westafrika in: Le Monde diplomatique vom 8. Februar 2013
  13. The Guardian (englisch), abgerufen am 24. Juni 2017.
  14. Unfallbericht B-727-230 J5-GCU, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 24. Juni 2017.