Ingall

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Landgemeinde Ingall
Landgemeinde Ingall (Niger)
Landgemeinde Ingall
Landgemeinde Ingall
Koordinaten 16° 47′ N, 6° 56′ OKoordinaten: 16° 47′ N, 6° 56′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Agadez
Departement Ingall
Einwohner 51.903 (2012)
Politik
Bürgermeister Mohamed Ghabdouane (2012)

Ingall (andere Schreibweisen: In-Gall, In Gall, I-n-Gall, Ingal) ist eine Landgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Ingall in Niger.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet ist in 45 administrative Dörfer, drei Weiler, 16 Lager und 90 Wasserstellen gegliedert.[1] Der Hauptort der Landgemeinde ist das administrative Dorf Ingall,[2] eine Oase in der Ténéré-Wüste, die in einer Höhe von rund 490 m.ü.M. liegt. Im Gemeindegebiet von Ingall befinden sich die Ruinenstadt Takedda und der Grenzort Assamaka. Das Gemeindegebiet grenzt im Norden an den Nachbarstaat Algerien und im Nordwesten an den Nachbarstaat Mali. Die Nachbargemeinden in Niger sind Aderbissinat, Dabaga, Dannet und Tchirozérine im Osten, Bermo, Gadabédji und Tarka im Süden sowie Abalak, Tamaya, Tassara und Tillia im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ingal in Stielers Handatlas (1891)

Ingall wurde 1370 von Truppen des sich Richtung Osten ausdehnenden Malireichs erobert.[3] Bis ins Mittelalter wurde in der Gegend um Ingall Kupfer abgebaut.[4]

Die damalige französische Verwaltung richtete 1947 in Ingall eine Schule speziell für die nomadische Bevölkerung ein.[5] 1964 gliederte eine Verwaltungsreform Niger in sieben Departements, die Vorgänger der späteren Regionen, und 32 Arrondissements, die Vorgänger der späteren Departements. Ingall wurde dem neu geschaffenen Arrondissement Agadez zugeschlagen, erhielt jedoch – wie Iférouane – den Status eines Verwaltungspostens (poste administratif) im Gebiet des Arrondissements. Verwaltungsposten waren besondere Gebietseinheiten eine Ebene unterhalb von Arrondissements, die als eine Art Vorstufe zu einer späteren Umwandlung in ein eigenes Arrondissement galten.[6] Das Gebiet des Arrondissements Agadez wurde 1969 auf die Arrondissements Arlit und Tchirozérine aufgeteilt.[7] Ingall wurde dem Arrondissement Tchirozérine zugeschlagen. 1998 wurden die bisherigen Arrondissements Nigers in Departements umgewandelt.[8] 2009 verursachten Überschwemmungen in verschiedenen Orten im Gemeindegebiet materielle Schäden, von denen insgesamt über 1000 Einwohner unmittelbar betroffen waren.[9] Seit 2011 gehört die Landgemeinde nicht mehr zum Departement Tchirozérine, sondern zum neugeschaffenen Departement Ingall. Der bisherige Verwaltungsposten wurde zum Hauptort des Departements erhoben.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2001 hatte Ingall 30.060 Einwohner, davon 5601 im administrativen Dorf Ingall.[11] Bei der Volkszählung 2012 betrug die Einwohnerzahl 51.903.[12] Zur sesshaften Bevölkerung zählen Songhai und Tuareg, zur transhumant lebenden Tuareg und Fulbe.[13] In den Oasen Ingall und Tegguida-n-Tessoum wird von etwa 8000 Personen (Stand: 1998) die nördliche Songhaisprache Tasawaq gesprochen, die nur hier heimisch ist. Tasawaq-Erstsprecher verwenden auch Hausa oder die Tamascheq-Varietät Tawallammat.[14] In den zum Gemeindegebiet von Ingall gehörenden Dörfern Mazababou und Tiguirwit wird die Songhai-Berber-Mischsprache Tagdal gesprochen.[15]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geerewol in der Gegend von Ingall (Video, 58 sek)

Bekannt ist Ingall für die während der sommerlichen Regenzeit gefeierten traditionellen Feste. Dies sind das Tendé-Fest der Tuareg und die Guérewol-Zeremonien der Wodaabe, die in der Nähe der Ortschaft gefeiert werden.[13]

Unweit des Marktes liegt in der Ortsmitte die Freitagsmoschee, eine Hof-Moschee, aus dem Jahr 1970. Ihr Erhaltungszustand wird als sehr gut beschrieben. Das Areal umfasst eine geschätzte Gesamtfläche von 900 Quadratmetern. Die Hofmauer ist übermannhoch. Im umschlossenen Hof befindet sich ein mittelhohes, mehrstufiges Adhān-Podest. Das Betraumgebäude ist als Queranlage konzipiert und beherbergt eine Mihrāb-Abside mit giebelartiger Spitze an der Ostseite. Tief in der Mauerkrone und der Mihrāb-Abside sind zahlreiche Wasserspeier eingelassen.[16] Östlich der Freitagsmoschee, aber ebenfalls in der Ortsmitte, liegt die älteste Moschee Ingalls. Die knapp 250 Quadratmeter große Anlage stammt aus dem 16. Jahrhundert und weist erhebliche Erosionsspuren auf. Auch die Hofmauern sind recht verwittert.[16][17] In einem Nebengebäude ist eine Madrasa untergebracht. Ein niedriges weiteres Adhān-Podest findet sich an der südöstlichen Ecke des Hofes, und nochmals eines, dreistufig, an der nordöstlichen Hofecke. Vor der Hoffassade steht eine prächtige Akazie. Das Betraumgebäude ist auch hier als Queranlage erstellt und hat eine Mihrāb-Apsis.[16]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Uranbergwerk Azelik in Ingall nahm 2010 seinen Betrieb auf.[18] Der Süden des Gemeindegebiets kann noch für die Weidewirtschaft genutzt werden.[19] Im Hauptort gibt es seit September 2000 einen lokalen Bürgerhörfunk (radio communautaire).[20] Ingall liegt an der Nationalstraße 11, die von hier aus Richtung Süden über die Regionalhauptstädte Agadez und Zinder bis zur Staatsgrenze mit Nigeria führt.

Es findet Wochenmarkt statt.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ingall unterhält eine Gemeindepartnerschaft mit der Communauté de communes d’Arguenon et Hunaudaye,[21] einem Verbund der französischen Gemeinden Dolo, Jugon-les-Lacs, Plédéliac, Plénée-Jugon, Plestan und Tramain.[22]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mouma Bob (* 1963), Gitarrist und Singer-Songwriter
  • Akoli Daouel (* 1937), Politiker, Journalist und Unternehmer

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ingall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorothee Gruner: Die Lehmmoschee am Niger. Dokumentation eines traditionellen Bautyps. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-515-05357-3.
  • Aboubacar Adamou: Agadez et sa région. Contribution à l’étude du Sahel et du Sahara nigériens (= Études Nigériennes. Nr. 44). IFAN, Paris 1979.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  2. Republik Niger: Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux (Online-Version; PDF-Datei; 106 kB).
  3. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 68.
  4. Zbigniew A. Konczacki, Janina M. Konczacki (Hrsg.): An Economic History of Tropical Africa. The Pre-Colonial Period. Routledge, London 1977, S. 94 (Google Books).
  5. Conférence Régionale sur la Problématique de l’éducation en milieu nomade dans l’espace sahélo-saharien. SE SDS Sahel Niger, 2013, S. 2, abgerufen am 7. Januar 2015 (PDF-Datei, französisch).
  6. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 275.
  7. Aboubacar Adamou: Agadez et sa Région (= Études Nigériennes. Nr. 44). Pr. de Copédith, Paris 1979, S. 2.
  8. Historique de la décentralisation. ANIYA. Réseau des collectivités nigériennes et françaises, archiviert vom Original am 6. April 2012, abgerufen am 28. Januar 2014 (französisch).
  9. Situation des besoins des populations victimes d’inondations (2009). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 22. September 2009, abgerufen am 31. März 2012.
  10. Une nouvelle loi sur le redécoupage administratif. In: L’Arbre à Palabres. Nr. 13, 11. August 2011, S. 2 (PDF-Datei [abgerufen am 28. Januar 2014]).
  11. Institut Nationale de la Statistique du Niger (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendance du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF-Datei; 2,99 MB), S. 53.
  12. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 18. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  13. a b Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8, S. 158.
  14. Tasawaq. In: Ethnologue: Languages of the World. Seventeenth edition. SIL International, 2013, abgerufen am 6. Juli 2013 (englisch).
  15. Michael J. Rueck, Niels Christiansen: Northern Songhay Languages in Mali and Niger. A Sociolinguistic Survey. SIL International, 1999, abgerufen am 6. Juli 2013 (englisch).
  16. a b c Dorothee Gruner, Die Lehmmoschee am Niger, S. 376 (s. Lit.)
  17. Aboubacar Adamou: Agadez et sa région, S. 60 ff.
  18. First uranium from Niger mine. World Nuclear News, 4. Januar 2011, abgerufen am 26. Juni 2013 (englisch).
  19. Comprendre l’économie des ménages ruraux au Niger. Save the Children UK, London 2009 (Online-Version; PDF; 2,6 MB), S. 8.
  20. La situation de la communication pour le développement au Niger (Etat des lieux). Tome 1. Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, 2003, S. 23, abgerufen am 2013-04-35 (PDF-Datei; 461 KB, französisch).
  21. Jean-Claude Peyronnet: La solidarité internationale à l’échelle des territoires: état des lieux et perspectives. Annexe 5: Document de travail de l’ambassade de France au Niger sur les coopérations décentralisées dans ce pays. Senat der Französischen Republik, 13. November 2012, abgerufen am 6. Juli 2013 (französisch).
  22. Notre collectivité. Communauté de communes d’Arguenon et Hunaudaye, abgerufen am 6. Juli 2013 (französisch).