Ulrich Morhart

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Holzschnitt des Wappens von Herzog Ulrich von Württemberg in einem Buch von Ulrich Morhart

Ulrich Morhart (* um 1490 in Augsburg; † 1554 in Tübingen) war ein deutscher Buchdrucker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Morhart stammte aus Augsburg und druckte von 1519 bis 1522 in Straßburg. Er zog am 20. Mai 1523 nach Tübingen. Er druckte dort etwa 150–160 Werke von Lambert von Hersfeld, Alexander Hug,[1] Desiderius Erasmus, Martin Luther, Johannes Müller, Nicolaus aus Hannapes; Michael Zinser, Matija Grbić, Philipp Melanchthon, Georg Ostermaier, Sa.Is.B. und Johannes Seckerwitz dem Jüngeren.[2]

Er betrieb die einzige Druckerpresse im Herzogthum Württemberg, die deshalb viele Aufträge von der württembergischen Regierung bekam, und darüber hinaus die einzige in Süddeutschland, die katholischen Interessen zugänglich war. Er druckte die die Schriften von Johannes Eck, Johannes Augustanus Faber, Johannes Cochläus und Konrad Köllin, Johannes Dietenberger, Melchior Vattlin, Kaspar Schatzger, das heißt von den bekanntesten Gegnern Martin Luthers und Ulrich Zwinglis.[1]

Ab 1534 wurde die Morhartsche Druckerpresse ein wichtiges Werkzeug der slawischen Reformatoren: Sie diente der Verbreitung evangelischer Bücher in slawischer Sprache für die Slowenen, Kroaten, Dalmatiner und Serben, deren Publikation von Primus Truber ausgegangen war und von Peter Paul Berger und dem Freiherrn Hans Ungnad von Sonnegk unterstützt und getragen wurden. 1550 wurden durch Morhart ein von Truber in das Windische (Slowenische) übersetzter Katechismus und ein windisches ABCdarium gedruckt. Das eigentliche Werk des slawischen Bücherdrucks begann erst nach seinem Tod, nämlich 1555, als bereits seine Wittwe (die dritte Frau) unter Leitung ihrer Söhne aus erster Ehe, Oswald Gruppenbach und Georg Gruppenbach das Geschäft fortführte. Zu dieser Zeit wurden teils in Tübingen, teils in der dafür errichteten Presse in Urach, die aber auch von der Familie Gruppenbach geleitet wurde, 39 selbständige Drucke in slowenischer und kroatischer Sprache hergestellt: Neue Testamente, Katechismen, Bekenntnisschriften, Predigten, Gesangbücher und ähnliche Schriften, die als die ersten Anfänge einer slawischen Literatur noch heute Bedeutung haben.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Karl Steiff: Morhart, Ulrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 22, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 234–236.
  2. Eintrag Morhart, Ulrich <der Ältere> im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek