Umwandlung (Schach)

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Eine Umwandlung oder Bauernumwandlung im Schach erfolgt, wenn ein Bauer die gegnerische Grundreihe erreicht. Der Bauer ist sofort, als Bestandteil dieses Zuges, durch eine Dame, einen Turm, einen Läufer oder einen Springer gleicher Farbe zu ersetzen, wobei die umgewandelte Figur sofort wirkt. In der Regel wird in eine Dame umgewandelt, da sie die stärkste Figur ist. Wird der Bauer in eine andere Figur umgewandelt, etwa um eine Springergabel zu geben oder um ein Patt zu vermeiden, so spricht man von Unterverwandlung.

Wortlaut der FIDE-Regel 3.7.e, mit Erläuterung und Beispieldiagrammen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Weiß am Zug könnte in einem Zug Matt setzen, wäre Umwandlung in eine gegnerische Figur legal
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Weiß zieht regelkonform g7-8D, dann schlägt der schwarze König (Zugzwang!) im nächsten Zug auf g8 und das Matt dauert (nach Turm f7–f6. … f1 oder Se5) noch einige Züge.
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Weiß zieht g7-8 und wandelt regelwidrig in einen schwarzen Springer, dann ist Schwarz sofort Matt.

FIDE-Regel 3.7.e besagt:

„Sobald ein Bauer diejenige Reihe erreicht hat, die am weitesten von seinem Ursprungsfeld entfernt ist, muss er als Teil desselben Zuges gegen eine Dame, einen Turm, einen Läufer oder einen Springer derselben Farbe ausgetauscht werden. Die Auswahl des Spielers ist nicht auf bereits geschlagene Figuren beschränkt. Dieser Austausch eines Bauern für eine andere Figur wird „Umwandlung“ genannt, und die Wirkung der neuen Figur tritt sofort ein.“

Die ausdrückliche Bedingung einer Umwandlung in eine Figur derselben Farbe schließt aus, den Bauern in eine gegnerische Figur umzuwandeln, so dies in einer Situation opportun wäre. Im gezeigten Diagramm könnte Weiß etwa nach g7–g8 den Bauern in einen schwarzen Springer umwandeln und den schwarzen König dadurch im selben Zug matt setzen.

Turnierpraxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn ein Bauer die gegnerische Grundreihe erreicht, dann muss dieser sofort durch die gewünschte Figur ersetzt werden. Da die Auswahl nicht auf bereits geschlagene Figuren beschränkt ist, kann ein Spieler beispielsweise in den Besitz von zwei oder mehr Damen kommen. Der Rekord in einer praktischen Partie liegt bei sechs Damen auf dem Brett, wobei auch gefälschte Partien mit bis zu sieben Damen existieren. Ebenso gab es Partien mit fünf Türmen und fünf Springern.[1]

In der Praxis ergibt sich manchmal das Problem, dass die gewünschte Figur (etwa eine zweite Dame) nicht greifbar ist. In diesem Fall schreiben die Regeln vor, dass der Schiedsrichter oder Wettkampfleiter die Partie unterbricht, indem er die Schachuhr anhält. Ist der Schiedsrichter nicht in der Nähe, so darf der Spieler selbst die Schachuhr anhalten, um den Schiedsrichter zu Hilfe zu rufen (FIDE-Regel 6.12).

Insbesondere in freien Blitzpartien wird es manchmal toleriert, wenn als weitere Dame ein auf den Kopf gestellter Turm eingesetzt wird. Dies ist allerdings nicht regelkonform.

Es ist meist sinnlos, einen Bauern in einen Turm oder einen Läufer zu verwandeln, da eine Dame sämtliche Züge sowohl eines Turms als auch eines Läufers ausführen kann. Jedoch kann in manchen Situationen durch eine Verwandlung in eine minderwertigere Figur ein Patt des Gegners verhindert werden.

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im arabischen Schatrandsch wurde ein Bauer, der die gegnerische Grundreihe erreicht hatte, in die schwächste Figur, den Firzan, umgewandelt. Im Mittelalter war die Verwandlung in eine Dame nur dann möglich, wenn die ursprüngliche Dame bereits vom Brett genommen war. Diese Regel hielt sich bis ins 17. Jahrhundert. Ab 1560 waren auch Unterverwandlungen erlaubt, wobei die Regeln jedoch lange Zeit nicht einheitlich waren.

Noch in der Zeit um 1840 galt im deutschsprachigen Raum die Regel, dass sich ein Bauer nur in eine solche Figur umwandeln darf, welche vorher geschlagen und somit vom Brett genommen wurde. Dies konnte zu prinzipiellen Schwierigkeiten führen, wie der Schweizer Johann Conrad von Orelli (1788–1854) im Jahre 1840 in seinem Schachbüchlein darstellte.

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Weiß am Zug

Vorlage:Schachbrett/Wartung/Alt

Es wurde noch keine weiße Figur geschlagen, weshalb sich der Bauer auf a8 gemäß obiger Regel noch nicht umwandeln kann. Weiß muss daher warten, bis eine seiner Figuren geschlagen wird, bevor er eben jene Figur auf a8 gegen den Bauern eintauschen kann. Ein Problem ergibt sich nun, wenn Weiß Dd3–e4+ zieht. Nach De7xe4+, würde die geschlagene weiße Dame auf a8 wieder eingesetzt und Schwarz wäre augenblicklich matt. Andererseits stünde aber auch der weiße König im Schach der Dame. Die Frage, was nun Vorrang hat und wie dieses Problem gelöst werden könnte, blieb letztendlich unbeantwortet.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war es zudem erlaubt, den Bauern nach Erreichen der gegnerischen Grundreihe nicht umzuwandeln, sondern ggf. bis zum Ende der Partie als Bauer auf dem Verwandlungsfeld stehen zu lassen – siehe Dummy-Bauer.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rekorde im Schach auf der Internetpräsenz von Tim Krabbé (englisch)