Blitzschach

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Moderne Turnierschachuhr nach FIDE Standard, DGT 2010

Blitzschach oder kurz Blitz ist eine Form des Schachspiels, bei welcher jedem Spieler für die gesamte Partie eine Bedenkzeit von weniger als zehn bis fünfzehn Minuten zur Verfügung steht.[1] Am häufigsten werden Blitzpartien über fünf Minuten gespielt. Überschreitet ein Spieler die Bedenkzeit, verliert er die Partie, es sei denn, der Gegner hat zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr, durch eine legale Zugfolge mattzusetzen oder selbst die Bedenkzeit überschritten. In diesem Fall endet die Partie remis. Blitzschach wird mit einer Schachuhr gespielt und liegt in der Geschwindigkeit zwischen Schnellschach (mit Bedenkzeiten zwischen 10 und 60 Minuten) und Bullet-Schach (mit weniger als 3 Minuten), welches im Internet beliebt ist.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit vor der Schachuhr wurde im 19. Jahrhundert „Ansage-Blitz“ gespielt, bei dem alle fünf oder zehn Sekunden ein Zugkommando durch einen Schiedsrichter gegeben wurde. Blitzschach wurde vom Weltschachbund FIDE lange Zeit nicht ernsthaft als Form für Wettkämpfe anerkannt und ist auch bei den meisten Großmeistern (GM) eher als unterhaltsamer Zeitvertreib beliebt, den man sich in Turnierpausen gönnt. Blitzstärke gilt allgemein nicht als Maßstab für Spielstärke im Turnierschach; einige Großmeister (beispielsweise Exweltmeister Anatoli Karpow) gehen sogar so weit, Blitzschach als schädlich für die eigene Spielstärke einzustufen. Beliebt ist Blitzschach als unterhaltsame und kurzweilige Form des Schachs, die überwiegend an Spielabenden in Schachklubs oder in Schachkneipen (häufig auch um Geld) gespielt wird. Diese negative Einstellung gegenüber dem Blitzschach hat sich seit dem Aufkommen von Internet-Schachplattformen und seit die FIDE ab etwa 2006 regelmäßig Blitzschach-Turniere veranstaltet, auch auf Grossmeisterniveau geändert.

Sonderregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mechanische (Analog-)Schachuhr

Im Gegensatz zum normalen Turnierschach müssen beim Blitzschach die Züge nicht notiert werden.[2]

Eine weitere Besonderheit ist, dass ein nicht regelkonformer Zug nur korrigiert werden darf, wenn der betreffende Spieler noch nicht seine Uhr betätigt hat. Nach dem Drücken der Uhr führt er zum sofortigen Verlust der Partie, sofern dies vom Gegner bemerkt und reklamiert wird. Die Reklamation muss erfolgen, bevor der Spieler seinerseits eine Figur berührt hat, um sie zu ziehen. Es gilt die Regel, dass ein regelwidriger Zug „legalisiert“ wird, wenn der Gegner daraufhin einen eigenen Zug macht und seine Uhr betätigt. Wird ein Schachgebot nicht beachtet, so war es früher üblich, den König zu schlagen. Inzwischen ist das Schlagen des Königs im folgenden Zug nicht mehr gestattet. Stattdessen muss der Spieler am Zug den Partiegewinn reklamieren, ohne seinen Zug auszuführen. Schlägt er dennoch den König des Gegners und reklamiert dadurch den Gewinn der Partie, soll der Spieler vom Schiedsrichter wegen Regelverstoßes (Schlagen des Königs) verwarnt, die Gewinn-Reklamation aber akzeptiert werden.[3]

Zieht man im Blitz einen Bauern auf sein Umwandlungsfeld ein und drückt die Uhr, ohne diesen Bauern durch eine andere Figur zu ersetzen, so gilt dies als illegaler Zug, der Gegner kann nun, bevor er eine Figur berührt hat, auf Gewinn bzw. Remis, sofern kein Mattmaterial mehr vorhanden ist, reklamieren. Tut er dies nicht, so muss dieser Bauer auf der achten Reihe stehen bleiben und stellt somit eigentlich einen Dummy-Bauern dar, der schon seit vielen Jahren abgeschafft wurde.

Bei der Entscheidung auf Sieg oder Remis nach einer Reklamation eines illegalen Zuges oder eines Blättchenfalles ist zu beachten, dass die Partie für den Gegner des Spielers, dessen Fallblättchen gefallen ist bzw. der einen regelwidrigen Zug ausgeführt hat, als Sieg zu werten ist, sobald es für ihn mit irgendeiner Folge von legalen Zügen möglich ist, ein Schachmatt herbeizuführen. Ein Endspiel beispielsweise von König und Leichtfigur gegen König und Leichtfigur oder Bauer ist also als Sieg zu werten, sofern es sich bei den beiden Leichtfiguren nicht um gleichfärbige Läufer handelt, da ein Hilfsmatt noch möglich ist. Tote Stellungen sind remis, egal wie viel Material noch am Brett ist.

Blitzturniere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines der berühmtesten Blitzturniere aller Zeiten fand 1970 in Belgrad statt und wurde von Robert James Fischer gewonnen. 1988 gewann Michail Tal eine mit 50.000 Dollar (für den Sieger) dotierte Weltmeisterschaft im Blitzschach. Eine besondere Herausforderung an Körper und Geist sind 12- oder gar 24-Stunden-Blitzturniere (in Deutschland regelmäßig in Kuppenheim und Dresden stattfindend), bei denen, ermöglicht durch die kurze Bedenkzeit, bis zu 120 Partien in Folge ohne größere Unterbrechungen gespielt werden. Seit 2006 veranstaltet die FIDE eine jährlich stattfindende Weltmeisterschaft im Blitzschach. Bisherige Titelträger waren Alexander Grischtschuk, Wassyl Iwantschuk, Leinier Domínguez, Magnus Carlsen, Lewon Aronjan, Lê Quang Liêm und Sergei Karjakin, amtierender Weltmeister ist Karjakin.

Blitzspezialisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland bekannte Blitzspieler sind beziehungsweise waren FM Bernd Feustel, der ein Buch über Blitzschach schrieb, die Schachlegende GM Robert Hübner, IM Podzielny („Potz-Blitz“), GM Robert Rabiega, GM Klaus Bischoff und GM Roland „Hawkeye“ Schmaltz.

Der dreifache Schweizer Meister Hans Jürg Känel schaffte März 1981 einen Weltrekord im Dauer-Blitzschach.[4]

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist die Blitz-Stärke der führenden Schachprogramme wie Fritz und Shredder, gegen die Spieler unterhalb der Großmeisterstärke keine Chance mehr haben. Bereits 1994 gewann Fritz ein stark besetztes Blitzturnier in München punktgleich mit Garri Kasparow, der sich dann im Stichkampf durchsetzen konnte.

In der Praxis werden Blitzturniere oft nach dem sogenannten Rutschsystem ausgetragen.

Blitzpartien werden bei nach dem K.-o.-System ausgetragenen Turnieren und in Wettkämpfen oft als Stichkampf gespielt, wenn die vorherigen Partien keine Entscheidung gebracht haben. Dabei wird oft eine vorher festgelegte, gerade Anzahl von Blitzpartien mit wechselnden Farben gespielt. Liefert auch dieser Tie-Break ein ausgeglichenes Ergebnis, so fällt die Entscheidung häufig durch eine sogenannte Sudden-Death- oder Armageddon-Partie: Der Spieler mit den weißen Steinen muss gewinnen, erhält aber eine längere Bedenkzeit als der Spieler mit den schwarzen Steinen, dem ein Remis fürs Weiterkommen oder den Wettkampfsieg reicht.[5]

Vom Blitz unterscheidet sich das auf Schachservern populäre Bullet-Schach, bei dem jeder Spieler weniger als drei Minuten, meist eine Minute pro Partie hat.

Eine auf Schachservern zunehmend populäre Form ist Banter Blitz (im Deutschen auch Geschwätzblitz). Dabei spielt ein starker, meist prominenter Spieler gegen schwächere Gegner und kommentiert dabei live die Partien. Da es für viele Amateure reizvoll ist, gegen Profis anzutreten und dadurch zu lernen, wird Banter Blitz von mehreren Schachservern als Anreiz genutzt, kostenpflichtige Premium-Accounts zu erwerben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bei der FIDE 10 Minuten, gemäß FIDE Schachregeln vom 1. Juli 2014, Anhang B1, S. 23, deutsche Übersetzung auf der Website des DSB, pdf (5.5 MB). Bei vielen Online Schachportalen 15 Minuten, so beispielsweise bei chess.com.
  2. FIDE Regeln, Anhang B4, A2.
  3. Regelauslegung der Schiedsrichterkommission des DSB (Februar 2006)
  4. Chess-Press: Hans Jürg Känel neuer Weltrekordhalter im Dauer-Blitzschach. Schach-Echo 1981, Heft 8, Titelseite (17.386 Züge in 2,5 Tagen).
  5. Regularien zur Schach-Weltmeisterschaft 2016, Absatz 3.7.3: pdf, abgerufen am 8. Januar 2017

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]