Unfehlbarkeit

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Unfehlbarkeit bedeutet Irrtumslosigkeit, Fehlerlosigkeit, Perfektion im Handeln. Im Glauben einzelner Religionen, Konfessionen und Ideologien spielen Vorstellungen von Unfehlbarkeit eine Rolle.

In einem spezielleren Sinn meint Unfehlbarkeit (Infallibilität, lat.: Infallibilitas) eine Eigenschaft, die – nach römisch-katholischer Lehre (1. Vatikanisches Konzil 1870) – dem römischen Bischof (Papst) zukommt, wenn er in seinem Amt als "Lehrer aller Christen" (= ex cathedra) eine Glaubens- oder Sittenfrage als endgültig entschieden verkündet.[1]

Römisch-katholische Kirche (Päpstliche Unfehlbarkeit)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Päpstliche Unfehlbarkeit

Nach römisch-katholischer Lehre ist der Papst der Stellvertreter Christi auf Erden und Nachfolger des Petrus. Die Unfehlbarkeit des Papstes bezieht sich nur auf dessen Definitionen in Glaubens- und Sittenfragen. Sie wurde unter Papst Pius IX. vom Ersten Vatikanischen Konzil 1870 verkündet.

Definition: Zur Ehre Gottes unseres Heilands zur Erhöhung der katholischen Religion zum Heil der christlichen Völker lehren und erklären wir endgültig als von Gott offenbarten Glaubenssatz in treuem Anschluss an die vom Anfang des christlichen Glaubens her erhaltene Überlieferung unter Zustimmung des heiligen Konzils: Wenn der Römische Papst in höchster Lehrgewalt (= ex cathedra) spricht, das heißt: wenn er seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen waltend in höchster apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben oder Sitten sei von der ganzen Kirche festzuhalten, so besitzt er auf Grund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren ausgerüstet haben wollte. Diese endgültigen Entscheidungen des Römischen Papstes sind daher aus sich und nicht aufgrund der Zustimmung der Kirche unabänderlich.

Orthodoxe Kirche[Bearbeiten]

Die Orthodoxe Kirche kennt nur die Unfehlbarkeit der Kirche. Dieser Glaube besagt, der Heilige Geist werde nicht zulassen, dass die gesamte Kirche sich in Irrlehren verliert, sondern werde einen Weg schaffen, dies zu verhindern. Jedoch ist keine einzelne Person oder Institution automatisch unfehlbar – ein Ökumenisches Konzil gilt zwar als unfehlbar, aber nicht jedes Konzil, das sich selbst als Ökumenisches Konzil bezeichnet, muss deswegen auch eines sein. Diesen Status erhält ein Konzil erst durch die nachträgliche Rezeption durch die Kirche. Dies ist nicht nur ein theoretisches Konstrukt, es existieren auch konkrete Beispiele; am bekanntesten ist die sogenannte Räubersynode von Ephesus im Jahre 449, die ökumenischen Status beanspruchte, aber hiermit keine Anerkennung fand.

Altkatholische Kirche[Bearbeiten]

Die altkatholische Kirche entstand aus einer innerkatholischen Widerstandsbewegung, die das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes nicht akzeptierte. Sie kennt daher keine unfehlbare Instanz in der Kirche, steht aber dem oben genannten Glauben der orthodoxen Kirche über die Unfehlbarkeit der Kirche nahe.

Evangelische Kirchen[Bearbeiten]

Die evangelischen Kirchen lehnen die Lehre von der wie auch immer gearteten Unfehlbarkeit vergangener oder heute lebender Personen oder Amtsinhaber - außer Jesus Christus selber - ab. Auch die Reformatoren gelten nicht als unfehlbar, aber als in ihrer Zeit berechtigt, das Evangelium gegen eine Art von Verdunklungsgefahr zu schützen.

Manche evangelische Kirchen, insbesondere in der pietistischen und evangelikalen Tradition wie auch in der Pfingstbewegung, betrachten jedoch die Bibel als unfehlbar, wobei diese Unfehlbarkeit unterschiedlich definiert bzw. verstanden wird. Der Begriff Irrtumslosigkeit wird von den einen befürwortet, andere wittern ein der Bibel aufgezwungenes, rationalistisches Postulat dahinter. Verbreitet ist die Vorstellung, dass so wie Jesus Christus zwar in einem menschlichen Körper gelebt hat, aber trotzdem unfehlbar war (Inkarnation), so wird auch die Bibel verstanden als von schwachen Menschen geschrieben, aber aufgrund der göttlichen Inspiration trotzdem als absolut vertrauenswürdig geltendes Wort Gottes (Inverbation).[2] Dies gründet auf dem Glauben, dass Jesus Christus selber das Wort ist. (Joh 1,1-5 ELB)[3]

Islam[Bearbeiten]

Bei den Zwölfer-Schiiten gibt es die „Vierzehn Unfehlbaren“. Zu ihnen zählen der Prophet Mohammed, die zwölf Imame und Mohammeds Tochter Fatima. Die Sunniten glauben dagegen nicht an menschliche Unfehlbarkeit, auch wenn sie annehmen, dass Mohammed nur sehr wenig Falsches geäußert hat und vor allem nichts davon unkorrigiert blieb. Der Koran gilt den Muslimen als Werk Allahs, nicht Mohammeds, und wird daher von der großen Mehrheit als unfehlbar angesehen; das menschliche Verständnis des Korans dagegen gilt wiederum als fehlbar und stets korrekturbedürftig.

Kunst[Bearbeiten]

Film: Dogma[Bearbeiten]

Der Film Dogma geht davon aus, dass ein Verstoß gegen die Unfehlbarkeit Gottes zugleich den Zusammenbruch des Universums bedeuten würde. Zwei Engel, die von Gott auf die Erde verbannt wurden, bekommen einen Brief zugespielt, in dem ihnen ein Schlupfloch gewiesen wird. Wenn sie durch das Portal einer gewissen Kirche gehen, werden ihnen alle Sünden vergeben und sie können zurück in den Himmel. Da das aber gegen Gottes ursprüngliches Gebot verstieß, ist die Weltordnung in Gefahr.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Allgemeine Kirchenversammlung im Vatikan, 4. Sitzung (1870): Lehrentscheid über die Kirche Christi, 4. Kapitel. Das unfehlbare Lehramt des römischen Papstes
  2. Gerhard Maier: Biblische Hermeneutik. R. Brockhaus, Wuppertal/Zürich 1990, ISBN 3-417-29355-3, S. 97.
  3. James I. Packer: Wie Gott vorzeiten geredet hat. Inspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift. Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell 1988, ISBN 3-88002-326-3, S. 28-31.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Küng: Unfehlbar? Eine unerledigte Anfrage. Erweiterte Neuausgabe. Piper, München u. a. 1989, ISBN 3-492-11016-9 (Serie Piper 1016), (erw. Neuausgabe von Unfehlbar? Eine Anfrage).
  • August Bernhard Hasler: Wie der Papst unfehlbar wurde. Macht und Ohnmacht eines Dogmas. Mit einem Geleitwort von Hans Küng. 2. Auflage. Piper, München u. a. 1980, ISBN 3-492-02450-5.

Weblinks[Bearbeiten]