Universalismus (Philosophie)

Der Begriff Universalismus (von lat. universalis = allgemein) bezeichnet eine Anschauung, die den Anspruch erhebt, die Vielfalt aller Wirklichkeit des Ganzen auf ein einzelnes Prinzip, Ordnungsgesetz oder Ähnliches zurückführen zu können. Universalismus meint selbst nur die Lehre vom „zum Einen und Ganzen Gewandelten“, lateinisch wörtlich: in eins (lat. unus) gekehrt oder gewandelt (lat. versus).
Daraus folgt auch, dass Ideen, Ideale, Rechte und Pflichten grundsätzlich für alle Menschen gelten müssen. Dem entgegen stehen Partikularismus oder Pluralismus. Aus der Philosophiegeschichte lassen sich unter anderem Platon, Aristoteles oder Immanuel Kant, Friedrich Hegel und Karl Marx als Vertreter im weitesten Sinne universalistischer Standpunkte anführen, aus jüngerer Zeit beispielsweise Othmar Spann, Ernst Bloch, Alfred North Whitehead, Jürgen Habermas und Omri Boehm.
In der Moralphilosophie wird eine Auffassung als Universalismus bezeichnet, die ihren Anspruch auf Geltung nicht auf bestimmte Personen oder traditionell gewachsene Kulturen beschränkt, sondern zeitunabhängig und allgemein für alle betroffenen Personen erhebt. Sie ist somit einem Kulturrelativismus entgegengestellt. Beispiele für Ethiken mit universellem Geltungsanspruch sind etwa der Utilitarismus, die kantische Moralphilosophie oder die Diskursethik. Auch die Bezeichnung Goldene Regel der Ethik verweist auf deren Universalität.
Ein praktisches historisches Beispiel ist die in der Philosophie der Aufklärung begründete universalistische Auffassung der Menschenrechte, wie sie sich in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 finden. Diese stellen allgemeine, ethisch definierte Werte dar, das heißt sie haben Geltungsanspruch für die gesamte Menschheit. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 ist von diesen Prinzipien inspiriert.
Während Moral ein Konzept von Gruppen ist, bezeichnet eine universalistische Ethik die Auseinandersetzung mit „richtig“ und „falsch“; als Moralphilosophie beschreibt sie das philosophische Nachdenken über die Moral und hinterfragt Normen und Werte.[1]
Hans Joas betont in seiner umfangreichen zivilisatorischen Schrift „Universalismus: Weltherrschaft und Menschheitsethos“: "Aber während des größten Teils dieser Geschichte hatte diese Menschheit kein Bewußtsein von sich selbst als einer einheitlichen Spezies". Dann setzt er historisch fort mit dem Bogen: "Von der Genealogie der Moral zur Genealogie des moralischen Universalismus" .[2]
Jule Garvin setzt in seinem Werk "Universalismus von unten" bei der Gleichheit der Körper an: "Um Gleichheit und Ungleichheit ausgehend von Körpern zu denken, beginnt mein Vorgehen gewissermaßen »von unten« und setzt bei Verkörperung, Verbundenheit und Verwundbarkeit ein."[3]
Die Grundidee des Universalismus steckt auch im philosophischen Naturalismus. Das naturalistische Ganze umfasst danach auch die Ethik des Homo sapiens.
Das höchste eine Ganze selbst ist logisch unfassbar. Jedoch ist es, wie der christliche Gottesbegriff, mithilfe von Trinitäten zu umreißen. Die Triade von "Freiheit, Gleichheit und Solidarität" verdeutlicht sowohl einen Naturalismus der universellen Kräfte als auch ein dreifaltiges universelles ethisches Minimum.[4]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Garvin, Jule: Universalismus von unten. Eine Theorie radikaler Gleichheit, 499 S., Suhrkamp, 2025
- Siba N. Grovogui: Universalismus, Partikularismus und das Streben nach menschlicher Würde. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 66. Jahrgang, 10 – 11 / 2016, S. 36–39.
- Hans Joas: Universalismus. Weltherrschaft und Menschheitsethos, 975 S., Suhrkamp, 2025
- Harald Köhl: Moralischer Universalismus und der Begriff der moralischen Gemeinschaft. Eine Gespenstervertreibung, Proceedings der GAP.5, Bielefeld 22. bis 26. September 2003
- Eva Kreisky: Universalismus, Partikularismus, Eurozentrismus und Androzentrismus (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2021. Suche im Internet Archive), Thesen, Themen und Materialien zur vierten Vorlesungseinheit vom 31. Oktober 2002
- Axel Montenbruck: Ein System von zehn Büchern: Zivilreligion. Naturethik. Rechtstheorie. Fragmentarischer Universalismus? Gegründet auf Information? Open Access der Freien Universität Berlin, 2026, 196 S., ISBN Print: 978-3-96110-630-1, ISBN Online: 978-3-96110-631-8 (Online)
- Thomas Sukopp: Wider den radikalen Kulturrelativismus – Universalismus, Kontextualismus und Kompatibilismus ( vom 24. Juni 2021 im Internet Archive), Aufklärung und Kritik 2/2005
- Christian Weilmeier: Unterschied: Universalismus Pluralismus Relativismus, Video YouTube
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Moral: Definition & Unterschied zu Ethik. Abgerufen am 28. Oktober 2024.
- ↑ Hans Joas: Universalismus. Weltherrschaft und Menschheitsethos, 975 S., Suhrkamp, 2025, 17 bzw. 46 ff.
- ↑ Garvin, Jule: Universalismus von unten. Eine Theorie radikaler Gleichheit, 499 S., Suhrkamp, 2025, 10.
- ↑ Axel Montenbruck: Ein System von zehn Büchern: Zivilreligion. Naturethik. Rechtstheorie. Fragmentarischer Universalismus? Gegründet auf Information? Open Access der Freien Universität Berlin, 2026, 196 S., ISBN Print: 978-3-96110-630-1, ISBN Online: 978-3-96110-631-8 (Online), Kap. XII: "Fragmentarischer Universalismus? Gegründet auf Information?", 3., 7.