Urkundenübersetzer

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Ein Urkundenübersetzer ist ein Sprachmittler, der fremdsprachige Urkunden, die zu Beweiszwecken in das Gerichtsverfahren eingeführt oder bei anderen Behörden verwendet werden, übersetzt. Er muss vom Gerichtsdolmetscher unterschieden werden, der nur fremdsprachige innerprozessuale Erklärungen mündlich überträgt. Der Urkundenübersetzer wird nach den Vorschriften eines Gerichtssachverständigen und nicht nach den Regeln eines Dolmetschers behandelt.

Mit der Übersetzer- und Dolmetscherdatenbank haben die Landesjustizverwaltungen eine Plattform zur Information über die in den einzelnen Ländern der Bundesrepublik Deutschland ermächtigten Übersetzer und allgemein beeidigten bzw. öffentlich bestellten Dolmetscher geschaffen[1]. Nach ihrer Ermächtigung werden die Übersetzer von den zuständigen Landesbehörden in die Datenbank eingetragen. Man kann dort u. a. nach Übersetzern für bestimmte Sprachen suchen und nähere Angaben durch Verlinkung auf deren Websites erhalten. Die Datenbank dient der Schaffung von Transparenz. Dieses Verzeichnis wird im Justizportal des Bundes und der Länder veröffentlicht. Nach einer Allgemeinen Verfügung des Justizministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen müssen die dortigen Gerichte und Staatsanwaltschaften bei der Auswahl von Dolmetschern und Übersetzern grundsätzlich auf dieses Verzeichnis Zugriff nehmen[2].

Ein öffentlich bestellter Urkundenübersetzer kann nach § 142 Abs. 3 S. 2 ZPO durch einen Vermerk bescheinigen, dass die deutsche Übersetzung einer fremdsprachigen Urschrift vollständig und richtig sei. Voraussetzung dafür ist, dass der Übersetzer nach Landesrecht ermächtigt oder öffentlich bestellt wurde. Im nichtförmlichen Sprachgebrauch wird der Vollständigkeits- und Richtigkeitsvermerk auch Beglaubigung genannt. Anders als ein Gerichtsdolmetscher hat ein Urkundenübersetzer keinen zwingenden Voreid zu leisten. Er kann lediglich nach den Regeln für den Gerichtssachverständigen beeidigt werden. Der Übersetzer soll die Bescheinigung der Richtigkeit und Vollständigkeit auf die Übersetzung vermerken, Ort und Tag der Übersetzung sowie seine Stellung angeben und die Übersetzung unterschreiben. Die Unterschrift kann neuerdings auch durch eine qualifizierte elektronische Signatur ersetzt werden, so sieht etwa das bayrische Dolmetschergesetz dies explizit als Alternative zur traditionellen Unterschrift vor.[3] Der Gegenbeweis gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit ist zulässig. Diese Bestimmung geht auf §2 der Verordnung der Reichsministers der Justiz zur Vereinfachung des Verfahrens auf dem Gebiet des Beurkundungsrechts vom 21. Oktober 1942 (RGBl. 609) zurück.

Neben dem durch die Landesjustizverwaltung ermächtigten Übersetzer darf einen Vollständigkeits- und Richtigkeitsvermerk nur noch der Notar nach § 50 BeurkG oder der Konsul erteilen, sofern er die Urkunde selbst in fremder Sprache errichtet hat oder eine fremdsprachige Urkunde verwahrt und er der fremden Sprache hinreichend kundig ist. Sowohl der Notar als auch der Konsul sind befugt die Vollständigkeit und Richtigkeit einer Übersetzung eines nicht ermächtigten Übersetzers zu bescheinigen.

Im Zivilprozess hat die Partei, die einen Urkundsbeweis mit fremdsprachigen, nicht bereits von einem Urkundenübersetzer übersetzten Urkunden antritt, einen Vorschuss zu leisten (§ 379, § 402 ZPO), aus dem das Gericht die Übersetzungskosten bestreitet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerichte/Behörden laut Behördenliste: Gerichtliche Dolmetscher/innen und Übersetzer/innen suchen. In: www.justiz-uebersetzer.de. Abgerufen am 15. Januar 2017.
  2. Justizministerialblatt für das Land Nordrhein-Westfalen. Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, 15. Oktober 2016, abgerufen am 15. Januar 2017.
  3. Clanget, Oliver: Papierlos beglaubigen (3). Die qualifizierte elektronische Signatur. (PDF; 1,6 MB) In: MDÜ - Fachzeitschrift für Dolmetscher und Übersetzer, 06/2011. Abgerufen am 26. März 2013.