V1 (Geschwindigkeit)

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Flugzeugstart, ohne Schaden (trockene Piste) und Schaden vor (trocken) bzw. nach (nass) V1

Die Entscheidungsgeschwindigkeit (englisch Decision Speed) bezeichnet die Geschwindigkeit eines startenden Flugzeuges, bis zu der ein Startabbruch erfolgen darf. Sie wird international mit abgekürzt.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß den Zertifizierungsspezifikationen (CS) der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) unterliegen zwei- und mehrmotorige Zubringerflugzeuge[1] sowie große Strahltriebwerk-Flugzeuge[2] den Regelungen hinsichtlich der Entscheidungsgeschwindigkeit.

Die Entscheidungsgeschwindigkeit ist so zu wählen, dass das jeweilige Flugzeug bis zum Erreichen dieser Geschwindigkeit nach einem Startabbruch auf der noch verbleibenden Startbahnstrecke zum vollständigen Stillstand gebracht werden kann, ohne dabei die Schubumkehr zu verwenden. Da die Entscheidungsgeschwindigkeit von verschiedenen – das Flugzeug, die Startbahn und das Wetter betreffenden – Parametern abhängig ist, ist sie für jedes Flugzeug und vor jedem Start individuell zu berechnen.[3]

Bestimmende Parameter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entscheidungsgeschwindigkeit ist von verschiedenen Parametern abhängig. Neben der Gesamtmasse des Flugzeuges beim Start sind auch die Leistungsfähigkeit der Störklappen und der Fahrwerksbremsen zu berücksichtigen. Hinsichtlich der Startbahn sind die verfügbare Startlaufstrecke (take-off run available TORA) sowie deren Reibungskoeffizient (Gummi der Flugzeugreifen zum Beton bzw. Asphalt der Startbahn), der u. a. von der Rauhigkeit der Startbahn und herrschenden Witterungsbedingungen wie Regen und Schnee beeinflusst wird, zu beachten. Zudem spielt auch die Luftdichte eine Rolle, da diese sowohl den an der Tragfläche erzeugten Auftrieb als auch den Schub der Triebwerke beeinflusst.[3]

Maßnahmen nach Überschreiten der Entscheidungsgeschwindigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn die Entscheidungsgeschwindigkeit überschritten ist und danach ein technischer Defekt am Flugzeug auftritt, darf der Start grundsätzlich nicht mehr abgebrochen werden. Alle Verkehrsflugzeuge müssen so konstruiert werden, dass sie auch nach Ausfall eines Triebwerkes den Startvorgang erfolgreich abschließen können, wenn die Entscheidungsgeschwindigkeit unter Nutzung aller Triebwerke überschritten wurde. Die sichere Abhebegeschwindigkeit (englisch Take-Off Safety Speed), die in einer Höhe von 35 Fuß (10,67 Meter) gemessen wird,[4] muss also auch bei Ausfall eines Triebwerkes erreicht werden können. Bei nasser Startbahn darf im Falle einer technischen Störung auch eine geringere Steigleistung in Kauf genommen werden, so dass z. B. bei nur 15 Fuß (4,57 Meter) erreicht werden muss.[5] Ein Startabbruch wäre riskanter, als den Start mit einem nach Überschreiten der ausgefallenen Triebwerk fortzusetzen.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. EASA Certification Specifications for Normal, Utility, Aerobatic and Commuter Category Aeroplanes (CS-23), 3. Änderung vom 20. Juli 2012, Nr. 23.51
  2. EASA Certification Specifications and Acceptable Means of Compliance for Large Aeroplanes (CS-25), 12. Änderung vom 13. Juli 2012, Nr. 25.107
  3. a b c Niels Klußmann und Arnim Malik, „Lexikon der Luftfahrt“, Springer Verlag, Berlin und Heidelberg, 3. Auflage 2012, Seite 71, ISBN 978-3642224997
  4. Heinrich Mensen, „Handbuch der Luftfahrt“, Springer Verlag, Berlin und Heidelberg, 2003, Seite 847, Abbildung 5-3, ISBN 978-3540585701
  5. Claus Cordes, „Startabbruch jenseits der Theorie“, Seite 4 (PDF; 652 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]