Venhaus

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Venhaus
Gemeinde Spelle
Koordinaten: 52° 21′ 27″ N, 7° 26′ 52″ O
Höhe: 33 m ü. NHN
Fläche: 10 km²
Einwohner: 518 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 52 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1971
Postleitzahl: 48480
Vorwahl: 05977
Venhaus (Niedersachsen)
Venhaus

Lage von Venhaus in Niedersachsen

Katholische Kirche St. Vitus
Katholische Kirche St. Vitus

Venhaus ist ein Ortsteil der Gemeinde Spelle im Süden des Landkreises Emsland in Niedersachsen. Angrenzend an das Bundesland Nordrhein-Westfalen im Süden, erstreckt sich Venhaus über eine Fläche von etwa 10 km². Venhaus wird von der Speller Aa durchflossen. Im Westen durchläuft die Bundesstraße 70 in Richtung Norden die Gemeinde. Quer zur Bundesstraße verläuft der Dortmund-Ems-Kanal mit seinem Hafen und der Schleuse Venhaus. Im Nordosten grenzt der Ort an die Gemeinde Spelle.

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Erscheinungsbild des Ortes Venhaus, dessen eigentlicher Ortskern an der Speller Aa liegt, wird vor allem durch die in den Jahren 2001/2002 aufwendig neu gestaltete Burgparkanlage geprägt. Mit Zugbrücke, den Gräften, der Kirche und der Sakristei bildet die Anlage das Zentrum der Venhauser Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören auch die mehr als zweihundert Jahre alte Kornbrennerei Sandtel, die alte Sägemühle am „Bermudadreieck“ sowie das „Gut Venhaus“. Insgesamt ist Venhaus eher bäuerlicher Natur, auch wenn im Ort seit einigen Jahren mehrere reine Wohngebiete erschlossen wurden.

Es ist ein von der Welt abgeschiedener Ort, der eine bewegte und nicht unromantische Geschichte hinter sich hat. Der Name bedeutet Moorhaus. Die Ödländereien von einst sind längst kultuviert, und an das Moor erinnert nur noch die Nachbarschaft von Moorlage bei Listrup.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Venhaus (alt: Venehus = Siedlung im Moor) kann auf mehr als 830 Jahre Dorfgeschichte zurückblicken, wobei der Ort an sich wohl älter ist als es die ersten Urkunden (1177 als „Hof Venehus“) verbürgen. Lange Zeit im Besitz des Klosters St. Mauritz (als domus Hemelrici geführt) in Münster wurde der Hof noch im fünfzehnten Jahrhundert von den neuen Besitzern, der Familie von Langen, zu einer Burg mit umgebender Gräftenanlage (Wasserburg) ausgebaut.

Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg Venhaus zweimal (1623 von Truppen Tillys, 1648 von der schwedischen Armee) zerstört und kurze Zeit später von den neuen Besitzern, die Freiherren von Ripperda, wieder aufgebaut. Nachdem das Anwesen ein weiteres Mal den Besitzer wechselte, wurde im Jahr 1674 zum ersten Mal eine Kapelle auf der Burg gebaut, welche dem Zweck diente, verfolgten Katholiken eine sichere Gebetsmöglichkeit zu bieten. Bis zum 19. Jahrhundert verfiel die Burg Venhaus immer mehr, was dazu führte, dass alle Gebäude bis auf die heutige Kirche und die Sakristei abgerissen wurden.

Am 1. Januar 1971 wurde Venhaus in die Gemeinde Spelle eingegliedert.[3]

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahl 1880 1900 1925 1933 1939 1950 1961[3] 1970[3] 2013
Venhaus 205 257 296 311 339 464 492 770 518

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Venhaus ist vornehmlich landwirtschaftlich geprägt, ist aber auch Standort des Industriegebiets Portlandstraße, sowie mehrerer mittelständischer und kleinerer Betriebe. Die Infrastruktur wird durch die Bundesstraße 70, sowie den Dortmund-Ems-Kanal, welche im Südwesten des Ortes verlaufen, beeinflusst. Die A 30 verläuft zwischen Rheine und Venhaus längs des Binnenkanals.

Hoeke und Königreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn der Ort Venhaus klein anmutet, ist er doch seit Jahrzehnten in mehrere Hoeke unterteilt:

  • „Hook un Strate“: der Venhauser Ortskern um die Kirche herum
  • „Burenhook“: die Siedlungsgebiete südlich und südöstlich des Ortskerns
  • „Achter der Aa“: alle direkt an Spelle grenzenden Siedlungen nördlich der Venhauser Aa

Die Ursprünge der Bezeichnung „Königreich Venhaus“ lassen sich nicht mehr genau belegen, sind jedoch auf die örtliche KLJB zurückzuführen. Die Bezeichnung des kleinen Ortes als Königreich kann darauf verweisen, dass der Ort eine eigene Burg besaß, die nach Meinung des Volkes natürlich einen König brauchte.

Die anfängliche Ironie in der Bewegung ist mittlerweile beinahe vollständig verflogen, die Bevölkerung bezeichnet ihren Ort weiterhin liebevoll als „Königreich“ und pflegt diesen Brauch seit mehreren Generationen (unter anderem indem sie T-Shirts druckte, offizielle Ortsschilder „umgestaltete“ und jede Gelegenheit wahrnahm, diesen „royalen Anspruch“ zu untermauern), was dazu führte, dass der Ort auch über die Ortsgrenzen hinweg als „Königreich Venhaus“ bekannt ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Sandtel (1911–1992), römisch-katholischer Geistlicher und von 1961 bis 1981 Propst in Bremen
  • Wolfgang Schütte (* 1974), ehemaliger Fußballspieler

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut H. Boyer: Venhaus: Geschichte und Leben eines kleinen Ortes. Eine Chronik zur 800-Jahrfeier. 1977

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geodatenzentrum – Venhaus
  2. Bojer, Reinhard: Emsländische Heimatkunde im Nationalsozialismus: Heimatkundliches aus emsländischen Tageszeitungen 1933–1945, Bd. 1, Books on Demand GmbH, Februar 2005, ISBN 3-8334-2453-2, S. 232.
  3. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 255.