Vermarkung

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Moderne Grenzabmarkung bei Windischleuba, thüringisch-sächsische Landesgrenze
Bolzen (in den Niederlanden)

Unter Vermarkung wird im Vermessungswesen bzw. der Geodäsie das dauerhafte Sichtbarmachen und Stabilisieren eines Vermessungsunktes im Gelände verstanden. Die Vermarkung kann auch aufwendig sein, wenn beispielsweise unterirdische Festpunkte des staatlichen Triangulierungsnetzes (die es in erster und zweiter Ordnung gibt), fixiert und dauerhaft gemacht werden müssen, damit sie sichtbar bleiben. Der Abstand dieser Festpunkte beträgt zwischen 30 und 40 km, sie müssen mindestens 5 bis 20 Jahre lang aufzufinden sein. [1]

Grenzpunkte hingegen, die der Abgrenzung von Flur- und Grundstücken dienen, werden in der Sprachregelung Norddeutschlands abgemarkt. In mehreren deutschen Ländern, in Österreich und in der Schweiz wird aber das technische Einbringen dieser Grenzmarken ebenfalls mit dem Begriff Vermarkung bezeichnet.

Vermarkungsarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermarkungsarten sind in Deutschland in der DIN 18709 festgelegt.

Vermessung über Tage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfeiler für trigonometrische Punkte
  • steinerne Pfeiler für Höhenfestpunkte, die mit einem Metallbolzen, dem sogenannten Turmbolzen versehen sind, und darüber ein weit sichtbares dreiseitiges pyramidenförmiges Gestell mit einem an der Spitze angebrachten Sichtzeichen (schwarze rechtwinklige Brettstücke)
  • Turmbolzen werden auch an dauerhaften Gebäudewänden, wie beispielsweise in Kirchtürme, Bahnhofsgebäuden und Rathäusern eingesetzt
  • in den Boden getriebenes 20-50 cm langes Rohr, unten mit konischer Metallspitze, oben mit beschrifteter Kappe, auch Nägel und Bolzen, deren Köpfe entsprechend beschriftet sind (auf Wegen, Straßen und Flächen mit harten Untergrund)
  • Gabelpunkte, zwei in bestimmtem Abstand in Mauersockel einbetonierte Ösen, in die waagerecht ausgerichtete Stangen eingehakt werden können[2]
  • Meißelkreuz, Felskreuz.
  • für weiche Böden ist eine Kunststoffmarke, auch Schlagmarke genannt (ein aus Kunststein hergestellter Kopf, in den ein Metallanker (oft mit Widerhaken) eingegossen ist)
  • Rohr mit Innengewinde, bündig eingeklebt (in eine Gebäudewand, Stützwand) und darin auf Anschlag eingeschraubtes weißes Kunststoffformteil mit an einem 5 cm langen Stängel vorstehenden Kugel (⌀ 1…1,5 cm)

zeitweilige Vermarkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Exzenter – Messpunkt außerhalb des direkten Polygonzugs, bei Sichtbehinderung durch Bäume oder Gebäude
  • Holzpflock mit Nagel – zum Beispiel für Absteckungen oder zum besseren Auffinden eines Messpunktes.
  • Die sogenannte Karotte oder Möhre, ein Tonkegel oder Kunststoffkeil in Form einer Karotte, der in weichen Boden geschlagen und später wieder entfernt wird, wird auch als dauerhafte unterirdische Versicherung eines Grenzsteins verwendet.

Abbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Vielfalt der Materialien und Formen sei hier auf die eindrucksvolle Ergebnisseite der Google-Suche verwiesen.

Signalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

dauerhafte Signalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weithin sichtbare klar definierte bauliche Elemente (sogenannte Hochpunkte) können Vermessungspunkte signalisieren; diese müssen folglich nicht vermarkt werden. Als Beispiele hierfür seien genannt:

vorübergehende Signalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • rot-weißer Fluchtstab – bei fast jeder Vermessung, auch in einem Lattenstativ (vorübergehend auf Messpunkten)
  • Mire (eine meist beleuchtbare Bezugsrichtung mit genauer Ausrichtung auf einen Messpunkt)

Markscheidewesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Markscheidewesen unter Tage können aufgrund der besonderen bergbaulichen Situation die meisten der über Tage üblichen Vermarkungsarten nicht verwendet werden, da diese in den Boden eingebracht werden. Dies wäre im Bergbau unpraktisch bzw. nicht durchführbar, da die Sohle durch Einrichtungen wie Gleise oder Förderbänder blockiert wird oder aufgrund von Konvergenzen häufig nachgearbeitet werden muss. Daher werden Polygon- und andere Vermessungspunkte im Bergbau meist in der Firste vermarkt.

unter Tage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

über Tage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Markscheidewesen über Tage werden dieselben Vermarkungsarten wie in der allgemeinen Geodäsie verwendet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bettina Schütze, Andreas Engler, Harald Weber: Lehrbuch Vermessung. Grundwissen. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Schulze Engler Weber, Dresden 2007, ISBN 978-3-936203-07-3.
  2. Gabelpunkte zur Mehrzweckkarte, Stadtvermessung Wien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Asbeck, Stefan Drüppel, Klaus Skindelies, Markus Stein: Vermessung und Geoinformation. Fachbuch für Vermessungstechniker und Geomatiker. Hrsg.: Michael Gärtner. Gärtner, Solingen 2012, ISBN 978-3-00-038273-4, S. 111–123.
  • Ludger Mintrop: Markscheidekunde. Einführung in die, mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaues. 2. verbesserte Auflage. Springer-Verlag, Berlin 1916, S. 215.
  • Heinz Meixner, Viktor A. Bukrinskij: Markscheidewesen für Bergbaufachrichtungen. 1. Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1977, S. 411.