Verzögerungszeit

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Verzögerungszeit, in unterschiedlichen Zusammenhängen auch Reaktionszeit oder Latenz(zeit) genannt, ist der Zeitraum zwischen einer Aktion oder einem Ereignis und dem Eintreten einer Reaktion. Dabei kann die Aktion verborgen sein und sich erst durch die Reaktion zeigen.

Fachliche Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktienmarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Börsen­geschäft beschreibt die Latenzzeit zum einen die Dauer, die ein abgesendetes Handelsgeschäft zu seiner Durchführung mindestens braucht, zum anderen die Zeit, die für Übermittlung von entsprechenden Kursinformationen benötigt wird. Wird ein Börsenkurs ohne Verzögerungen geliefert, spricht man von einem Echtzeitkurs.

Astrometrie und Geodäsie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Astrometrie und Geodäsie wird die durchschnittliche Reaktionszeit bei Sternmessungen persönliche Gleichung genannt. Sie kann je nach Typus einige Zehntelsekunden betragen, ist aber beim selben Beobachter auf wenige Hundertstelsekunden konstant.

Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Medizin bezeichnet die Latenzzeit[1]

  • im Rahmen der Belastung des Körpers mit schädigenden Substanzen (Noxen) oder schädigenden Abweichungen im genetischen Material (Krebs) das klinisch symptomfreie Intervall zwischen dem Einwirken einer Noxe (z. B. Strahlung, Gift, mechanische Belastung, geschädigte Gen-Ausstattung von Zellen) und dem ersten Auftreten von Beschwerden. Hiervon abzugrenzen ist bei mikrobiologischen Noxen (Bakterien, Pilze, Parasiten, Viren) die Inkubationszeit.
  • In der Neurologie wird hiermit die Dauer der Leitungsgeschwindigkeit peripherer Nerven bezeichnet. Sie beschreibt den Zeitraum zwischen Reiz (z. B. Stromimpuls) und Reizantwort (z. B. Muskelkontraktion) im Rahmen der Elektroneurografie.

Psychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Psychologie wird die Reaktionszeit des Menschen gemessen. Die Reaktion wird für verschiedene Stimuli ermittelt, z. B. auf Leuchtsignal Taster drücken (muskuläre Reaktion), einen von zwei Tastern drücken (Wahlreaktion), das gebotene Wort verstehen und aussprechen (sensorielle Reaktion), nur auf bestimmte Reize reagieren (Unterschiedsreaktion). Bei einfachsten Reaktionen (z. B. Taste drücken) beträgt die Reaktionszeit im Durchschnitt 0,2 Sekunden. Die Reaktionszeit bei plötzlichen Ereignissen (z. B. im Straßenverkehr) nennt man auch Schrecksekunde. Die verzögerte psychosexuelle Entwicklung vom 6–12. Lebensjahr wird als Latenzperiode bezeichnet.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei technischen Geräten wie Reglern oder Analog-Digital-Umsetzern ist die Reaktions- oder Latenzzeit ein wichtiger Kennwert; die Reaktionszeit von Flachbildschirmen ist sogar ein Gütemerkmal. In der Telekommunikationstechnik werden verschiedene technisch bedingte Verzögerungszeiten unterschieden. In der Datenkommunikation oder der Mensch-Maschine-Kommunikation spricht man von Antwortzeit.

Bei Video-Liveübertragungen und in der Musik gibt es erwünschte Verzögerungen, genannt Delay, und unerwünschte Laufzeitverzögerungen.

Volkswirtschaftslehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verzögerungseffekt oder time lag bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre eine Verzögerung zwischen dem Beginn einer Handlung, die als Reaktion der politischen Akteure auf einen bestimmten Vorgang (z. B. in der Wirtschaft) aufgefasst werden kann, und ihrer Auswirkung auf den Bereich (z. B. Wirtschaft).

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 256. Auflage. de Gruyter, Berlin, New York 1990, ISBN 3-11-010881-X.