Vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V.
(vhw)
Vhw Logo blau weiß mit Namen.png
Zweck: Förderung der Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung durch wissenschaftliche Forschung, Bildungsförderung und Öffentlichkeitsarbeit
Vorsitz: Jürgen Aring, Vorstand
Gründungsdatum: 1946
Mitgliederzahl: ca. 1.500
Sitz: Berlin
Website: vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V.

Der vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. ist ein in Deutschland tätiger gemeinnütziger Verein zur Förderung der Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung.

Er ist aus dem Deutschen Volksheimstättenwerk e.V. (vhw) hervorgegangen und nennt sich seit seiner Satzungsänderung im Jahr 2008 vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V.. Der Rechtssitz ist des vhw ist Berlin, Verwaltungssitze sind Berlin und Bonn. Die Bundesgeschäftsstelle hat ihren Sitz in Berlin. Zudem gibt es bundesweit 13 regionale Geschäftsstellen (Stand März 2013).

Geschichte[Bearbeiten]

Sebastian Beck (rechts), wissenschaftlicher Referent des vhw, 2014 im Gespräch mit Almut Maldfeld vom Freiwilligenzentrum Hannover

Das Deutsche Volksheimstättenwerk e.V. (vhw) wurde 1946 von führenden Wohnungs- und Sozialpolitikern, Kirchen, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden gegründet. Der vhw schloss damit eine Lücke, die durch die politische Delegitimierung aller noch aus der Weimarer Republik stammenden wohnungswirtschaftlichen Verbände entstanden war.[1] Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u.a. der frühere Reichstagspräsident Paul Löbe, der Kölner Bürgermeister Robert Görlinger, Johannes Lubahn, der Prälat Benedikt Kreutz und der damalige Oberkonsistorialrat Eugen Gerstenmaier. Als vorrangige Aufgabe wurde eine Reform des Bodenrechts als Voraussetzung für die Förderung selbst genutzten Wohneigentums breiter Bevölkerungsschichten angesehen. Damit sollte den Menschen, vor allem den Ausgebombten und Flüchtlingen, wieder eine Lebensperspektive gegeben werden.

2004 erklärte der Verband seine ursprüngliche gesellschaftspolitische Aufgabe als gelöst.[2] Die Bodenreform hatte sich als politisch nicht durchsetzbar erwiesen und die Förderung des Wohnungseigentums wurde eingestellt. Mit der endgültigen Aufnahme der selbst genutzten Immobilie in die Riesterförderung, die der vhw gefordert hatte, war damit der Schlusspunkt dieser Epoche der Verbandspolitik erreicht.[3] Im Jahr 2004 nannte sich das Deutsche Volksheimstättenwerk e.V. (vhw) in Bundesverband für Wohneigentum und Stadtentwicklung e.V. um. Seit der Satzungsänderung von 2008 heißt der Verband vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V.. Die Bundesgeschäftsstelle wurde im Jahr 2000 von Bonn nach Berlin verlegt.

Zielsetzung[Bearbeiten]

Verbandsziel ist die Förderung einer mündigen Stadtgesellschaft, die durch die Beteiligung der Bürger an städteplanerischen Prozessen innerhalb der Stadtentwicklung erreicht werden soll. Zu diesem Zweck fördert der vhw wissenschaftliche Forschung sowie deren Verbreitung in allen die nachhaltige Stadtentwicklung betreffenden Bereichen, wie z.B. Bevölkerungs- und Umweltpolitik, Raumplanung, Architektur und Städtebau. Zielgruppen sind alle an der Stadtentwicklung beteiligten Akteure, von der Bürgerschaft über Politik und Verwaltung, Forschung und Lehre bis hin zur Wirtschaft.

Forschung[Bearbeiten]

Als Forschungsfelder sind vor allem die Milieu- oder Lebensweltforschung hervorzuheben. Die Milieuforschung wird vom vhw als Instrument der Stadtplanung eingesetzt. Angestrebt wird die Erfassung aller im urbanen Kontext lebenden Gruppen mit dem Ziel, deren Lebenswelten zu erfassen, Erwartungen und Befürchtungen in der Stadtplanung zu berücksichtigen. Bürgerbeteiligung soll ermöglicht und gefördert werden. Aufbauend auf der Milieuforschung formuliert der vhw neue Vorschläge für eine Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung, über die er in Publikationen, Veranstaltungen und Fortbildungen informiert.

Fortbildung[Bearbeiten]

Der vhw ist seit 1949 in der Fortbildung tätig. Mit jährlich 1.500 Fach- und Fortbildungsveranstaltungen und rund 40.000 Teilnehmern ist er bundesweit der größte Dienstleister für Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen im Bereich Stadtentwicklung.[4] Themenschwerpunkte sind: Raumplanung, Städtebaurecht, Umwelt-, Boden- und Vergaberecht, Stadtentwicklung und Wohnungswirtschaft.

Öffentlichkeitsarbeit und Beratung[Bearbeiten]

  • Dokumentation
  • Untersuchungen und Gutachten
  • Information der Mitglieder und der Öffentlichkeit
  • Erarbeitung von Empfehlungen für alle an der politischen Gestaltung beteiligten Organe des Bundes, der Länder, der Gemeinden und sonstiger Institutionen
  • Beratung von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung.

Der vhw fungiert als Berater im Dialogforum Integration vor Ort des Nationalen Aktionsplans Integration. Seit 2007 ist der vhw Mitglied im Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, wo er sich in den Arbeitsgruppen Migration und Integration sowie Perspektiven der lokalen Bürgergesellschaft einbringt.

Städtenetzwerk[Bearbeiten]

Im Jahr 2010 hat der vhw ein Städtenetzwerk gegründet, das als unmittelbare und praxisnahes Instrument der integrierten Stadtentwicklung fungieren soll. Das Städtenetzwerk, ein interaktives Forum auf interkommunaler Ebene, bietet eine Plattform für die Integration von Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft mit dem Ziel einer nachhaltigen, partizipativen und demokratischen Stadtentwicklung.

Organisation[Bearbeiten]

Der vhw hat ca. 1.500 Mitglieder (Stand März 2013). Die Mitglieder sind in der Mehrheit Gebietskörperschaften und Wohnungsunternehmen. Die Mitgliedschaft für Privatpersonen ist laut Satzung ausgeschlossen.

Organe
  1. Die Mitgliederversammlung
  2. Das Kuratorium - Es berät den Vorstand in Grundsatzfragen. Es setzt sich aus Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wohnungswirtschaft und Verbänden zusammen.
  3. Der Verbandsrat - Seine Aufgaben sind die Beratung und die Aufsicht des Vorstands sowie die Beschlussfassung in Grundsatzfragen zur Verbandspolitik und zu Haushaltsfragen; Vorsitzender ist Peter Kurz, Oberbürgermeister der Stadt Mannheim (Stand März 2013), stellvertretende Vorsitzende sind Hendrik Jellema, Mitglied des Vorstands der GEWOBAG Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Berlin und Werner Spec, Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg (Stand März 2013)
  4. Der Vorstand: Jürgen Aring (Stand Januar 2015)

Veranstaltungen und Preise[Bearbeiten]

Der vhw organisiert Fachtagungen und andere Fachveranstaltungen zum Thema Bürgerbeteiligung im Rahmen der urban governance. Der vhw ist seit 2000 Mitauslober und Geschäftsstelle des bundesweiten Preises Soziale Stadt.

Publikationen[Bearbeiten]

Der vhw gibt die Fachzeitschrift Forum Wohnen und Stadtentwicklung heraus, die in einer Auflage von 3.500 Exemplaren 6 mal jährlich erscheint. Er publiziert wissenschaftliche Dokumente, Fachbücher und Essays. Die Verlagstätigkeit wird über die vhw-Dienstleistung GmbH abgewickelt, alleiniger Gesellschafter der vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V.

  • vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V., vhw-Schriftenreihe 1, Migranten-Milieus, Berlin 2009.
  • vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V., vhw-Schriftenreihe 2, Engagement im Quartier und kommunale Bürgerorientierung, Berlin 2010.
  • vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V., vhw-Schriftenreihe 3, Dialog zur Stärkung lokaler Demokratie, Berlin 2011 - ISBN

978-3-87941-952-4.

  • vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V., vhw-Schriftenreihe 4,vhw-Kommunikationshandbuch: Praxisbezogene Kommunikation mit den Milieus der Stadtgesellschaft, Berlin 2013 - ISBN

978-3-87941-956-2.

Literatur[Bearbeiten]

  • vhw: 50 Jahre vhw 1946-1996, vhw Bonn 1996
  • Björn Egner u.a.: Wohnungspolitik in Deutschland - Positionen, Akteure, Instrumente, Schader Stiftung Darmstadt 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhart C. Bartholomäi, Wohnungspolitik in Deutschland - eine begriffliche und historische Annäherung, S. 22, aus: Björn Egner u.a., Wohnungspolitik in Deutschland, Darmstadt 2004
  2. Reinhart C. Bartholomäi, Wohnungspolitik in Deutschland - eine begriffliche und historische Annäherung, S. 22, aus: Björn Egner u.a., Wohnungspolitik in Deutschland, Darmstadt 2004
  3. Reinhart C. Bartholomäi, Wohnungspolitik in Deutschland - eine begriffliche und historische Annäherung, S. 22, aus: Björn Egner u.a., Wohnungspolitik in Deutschland, Darmstadt 2004
  4. vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V., Tätigkeitsbericht 2012/2013, S. 66 ff.