Vielfalt tut gut

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Logo des Bundesprogramms
Dasselbe Logo auf der Tafel Ort der Vielfalt für die Landeshauptstadt Schwerin

Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie war ein Programm der deutschen Bundesregierung gegen Rechtsextremismus.[1] Es ist der Nachfolger des Programms "Jugend für Toleranz und Demokratie", mit seinen Teilen CIVITAS, Entimon und Xenos und ein Instrument, das präventiv-pädagogisch gegen Rechtsextremismus eingesetzt wird. Es wurde am 1. Januar 2007 zusammen mit dem Programm "kompetent. für Demokratie - Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus" gestartet. Das Programm endete am 31. Dezember 2010 und wurde am 1. Januar 2011 vom Programm Toleranz fördern – Kompetenz stärken abgelöst.[2]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm bestand aus lokalen Aktionsplänen, Modellprojekten und wissenschaftlicher Begleitung.

Lokale Aktionspläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokale Aktionspläne in Deutschland

Es gab 90 Lokale Aktionspläne (LAP) in Deutschland,[1] davon 60 in den neuen Bundesländern. Jedes Fördergebiet erhielt pro Jahr 100.000 €, welche an die Projekte ausgezahlt wurden. Dabei konnte ein Projekt maximal über zwölf Monate laufen und maximal 20.000 € erhalten. Diese lokalen Aktionspläne sollten der Stärkung der Demokratieentwicklung vor Ort dienen. Insgesamt standen pro Jahr 19 Mio. Euro an Fördermitteln zur Verfügung.[3]

Modellprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den lokalen Aktionsplänen gab es in Deutschland 86 Modellprojekte, die innovative Ansätze zur Bekämpfung von Rechtsextremismus verfolgen sollten. Diese waren in vier Themenbereiche gegliedert:[1]

  1. Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus
  2. Arbeit mit rechtsextremistisch gefährdeten Jugendlichen
  3. Präventions- und Bildungsangebote für die Einwanderungsgesellschaft
  4. Früh ansetzende Prävention

Wissenschaftliche Begleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes wurde 2007 ausgeschrieben und schließlich an das Deutsche Jugendinstitut vergeben. Dieses wurde wiederum von fünf weiteren Forschungsinstituten unterstützt. Es gab eine wissenschaftliche Begleitung für die Evaluation der lokalen Aktionspläne und je eine für die vier Themenbereiche der Modellprojekte.[4]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Bundesprogramm standen im Bundeshaushalt 2007 24 Mio. Euro[5] zur Verfügung, die aus dem Budget des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert wurden.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Kritikpunkt war, dass die Förderung sich nur auf einzelne Kommunen konzentrierte, die sich dafür beworben haben. So blieben Projekte in Kommunen, die das Problem leugneten, ohne Förderung.[6]

Ein anderer Kritikpunkt war, dass die Förderung sich nur auf modellhafte und befristete Projekte beschränkte. Das BMFSFJ gibt dazu an, dass die kontinuierliche Förderung dem Bund nicht gestattet sei, sondern im Aufgabenbereich der Länder und Kommunen liege.[6]

Zudem wird kritisiert, dass, obgleich das Bundesprogramm auf Dauer angelegt war, nur auf Jahresfrist gefördert wurde und deswegen Planungssicherheit fehlte.[7] Des Weiteren wurde die mangelnde Zusammenarbeit von mobilen Beratungsteams und lokalen Aktionsplänen sowie die Nichteinbeziehung der mobilen Beratungsteams in die Auswahl der lokalen Aktionspläne als negativ bewertet.[7]

Außerdem wurde kritisiert, dass „unbequeme“ Vereine nicht gefördert werden.[8]

Evaluation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm wurde insgesamt als positiv bewertet. Hinsichtlich der LAP wurde konstatiert, dass die Schwerpunkte auf „Demokratie- und Toleranzerziehung“ lagen, sowie „Interkulturelles Lernen/Antirassistische Bildung“ sowie „Soziale Integration (in der Einwanderungsgesellschaft)“ berücksichtigt wurden. Wünschenswert sei eine stärkere integrative Wirkung des Projekts und eine stärkere Berücksichtigung der Jugendlichen in den Steuerungsstrukturen des Projekts.[9]

Insgesamt wurden 90 Modellprojekte gefördert, wobei ein Großteil in Ostdeutschland unterstützt wurden und Berlin als „Stand- und Durchführungsort zahlreicher Modellvorhaben“ diente. Diese regionale Ballung wurde zwar als positiv im Sinne der Vernetzung evaluiert, jedoch wurde auch gesagt, dass bei „hohen räumlichen Konzentrationen Konkurrenzen um Fördergelder und Zielgruppen entstehen können“.[10]

Die Grundstruktur des Programmes wurde beibehalten und mündete 2011 zusammen mit dem ebenfalls evaluierten kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus in der Nachfolgeinitiative Toleranz fördern – Kompetenz stärken

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Lynen von Berg, Kerstin Palloks, Armin Steil: Interventionsfeld Gemeinwesen. Evaluation zivilgesellschaftlicher Strategien gegen Rechtsextremismus. Juventa, Weinheim u. a. 2007, ISBN 978-3-7799-1496-9 (Konflikt- und Gewaltforschung).

Evaluation Zwischenberichte

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Beschreibung des Bundesprogramms auf der Website@1@2Vorlage:Toter Link/www.vielfalt-tut-gut.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (vom 6. Mai 2008)
  2. Startseite. (Nicht mehr online verfügbar.) Offizielle Website, ehemals im Original; abgerufen am 13. September 2012.@1@2Vorlage:Toter Link/www.vielfalt-tut-gut.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. Regiestelle Vielfalt gsub – Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung mbH (Hrsg.): Abschlussbericht der Bundesprogramme „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt,Toleranz und Demokratie“ und „kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus“ Förderphase 2007 – 2010. Berlin 2011, S. 6 (vielfalt-tut-gut.de [PDF]).
  4. offizielle Seite zur Evaluation@1@2Vorlage:Toter Link/www.vielfalt-tut-gut.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (vom 6. Mai 2008)
  5. Pressemitteilung 223/2007 des BMFSFJ (vom 22. August 2007)
  6. a b Kommentar in der Zeit (vom 24. August 2007)
  7. a b Artikel in der Tageszeitung vom 23. August 2008
  8. Tagesspiegel vom 23. August 2007
  9. Regiestelle Vielfalt gsub – Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung mbH (Hrsg.): Abschlussbericht der Bundesprogramme „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt,Toleranz und Demokratie“ und „kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus“ Förderphase 2007 – 2010. Berlin 2011, S. 36 (vielfalt-tut-gut.de [PDF]).
  10. Regiestelle Vielfalt gsub – Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung mbH (Hrsg.): Abschlussbericht der Bundesprogramme „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt,Toleranz und Demokratie“ und „kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus“ Förderphase 2007 – 2010. Berlin 2011, S. 37 (vielfalt-tut-gut.de [PDF]).