Vilhelm Thomsen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Vilhelm Ludwig Peter Thomsen)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vilhelm Thomsen

Vilhelm Ludwig Peter Thomsen (* 25. Januar 1842 in Kopenhagen; † 12. Mai 1927 ebenda) war ein dänischer Sprachforscher.

Leben und wissenschaftliches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomsen war ein Sprachforscher, der sich in gleicher Weise für die indogermanische Sprachfamilie interessierte wie für die finno-ugrischen Sprachen. Er wurde 1869 Privatdozent, 1871 außerordentlicher und 1887 ordentlicher Professor der vergleichenden Sprachwissenschaften an der Universität Kopenhagen. Er bekleidete seine Professur bis 1913. Im akademischen Jahr 1901/02 amtierte er als Rektor der Universität. 1876-92 war er ferner Hauptredakteur der Nordisk Tidskrift for Filologi. 1901 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[1] Seit 1904 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

1893 gelang ihm die Entzifferung des Alphabets der alttürkischen sogenannten Orchon-Runen. Drei Jahre später veröffentlichte und interpretierte er die beiden damals bekannten Orchontexte. Er erschloss damit eine Sprache, die um mehrere Jahrhunderte älter war als alle bisher bekannten türkischen Inschriften.

Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde er am 24. Januar 1911 durch seine Aufnahme in den preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste als ausländisches Mitglied geehrt.[2] 1912 wurde er mit dem dänischen Elefanten-Orden geehrt und war damit der erste bürgerliche Ordensträger des 20. Jahrhunderts.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Den gotiske Sprogklasses Indflydelse paa den Finske, Kopenhagen 1869; deutsch von E. Sievers: Über den Einfluss der germanischen Sprachen auf die finnisch-lappischen, Halle 1870
  • The relations between ancient Russia and Scandinavia, and the origin of the Russian state, Oxford und London 1877; deutsch von Bornemann: Der Ursprung des russischen Staates, Gotha 1879
  • Berøringer mellem de finske og de baltiske (litauisk-lettiske) Sprog, Kopenhagen 1890
  • Déchiffrement des inscriptions de l’Orkhon et de l’Iénisséi. Notice préliminaire, In: Bulletin de l'Academie Royale du Danemark 1893, S. 285–299.
  • Inscriptions de l'Orkhon déchiffrées. Helsingfors 1896.
  • Sprogvidenskabens Historie, Kopenhagen 1902; deutsch 1927
  • Videnskabens faelessprog, Kopenhagen 1905

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 239.
  2. Der Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. Die Mitglieder des Ordens. Band II. Gebr. Mann-Verlag, Berlin 1978, S. 252.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Vilhelm Thomsen – Quellen und Volltexte