Währungskonklave 1948

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 51° 23′ 34″ N, 9° 32′ 44″ O

Haus Posen

Das Währungskonklave im Jahr 1948 war eine geheime und geschlossene Versammlung von Wirtschaftfachleuten um die Währungsreform 1948 vorzubereiten. Sie dauerte 49 Tage und fand im Haus Posen auf dem Gelände des damaligen Luftwaffenstützpunkts und späteren Fritz-Erler-Kaserne in Rothwesten statt.

Zustand nach Kriegsende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon kurz nach Kriegsende offenbarten sich den alliierten Besatzungsmächten der desolate ökonomische und monetäre Zustand der Besatzungszonen. Die Ursache lag zum Einen in den kriegsbedingten Zerstörungen der Produktionsstätten und mangelnde Möglichkeit der Bereitstellung von Rohstoffen aber auch zum Anderen in der Demontage der Produktionsanlagen und Verkehrsmitteln als Kriegsersatzleistungen und Entnahme von Gütern aus den Produktionen – teilweise ohne finanziellen Vergütung. Die Geld- und Warenprobleme der Vorkriegs- und Kriegszeit auf dem Gebiet des deutschen Reiches setzten sich nahtlos in die Nachkriegszeit fort und wurden eher noch verschlimmert. Das Warenangebot war knapp und Dinge des täglichen Bedarfs kaum erhältlich. Dem gegenüber stand ein hohes Volumen an Geld was durch die Ausgabe von alliiertem Militärgeld noch erhöht wurde. Seit Beginn des Zweiten Weltkriegs hat sich das Geldvolumen um den Faktor zehn erhöht. Da durch die Zwangsbewirtschaftung der produzierenden Industrie, Preisstopp und die Warenrationierung durch das Bezugsscheinverfahrens aber auch die Devisenwirtschaft ein Großteil des Geldes nicht für Wareneinkäufe zur Verfügung stand, wurde ein erheblicher Teil des Bedarfes außerhalb des offiziellen Handels gedeckt indem Waren auf dem Schwarzmarkt angeboten und gehandelt wurden. Insbesondere die Stadtbevölkerung deckten ihren Bedarf des täglichen Lebens durch Tauschgeschäfte vor allem bei den ländlichen bäuerlichen Betrieben. Der Begriff der Hamsterzüge aus der Nachkriegszeit beschreibt dieses Phänomen. Ein Vertrauen in die Währung war nicht mehr vorhanden während zugleich der Schwarzmarkt mit seinen überhöhten Preisen und der Tauschhandel dem offiziellen Markt Waren entzogen, die auch ohnehin schon kaum zu bekommen waren. Beispielsweise wurde ein Kilogramm Butter auf dem offiziellen Markt für 3,21 Reichsmark gehandelt aber da die Nachfrage das Angebot bei weitem überstieg wurde die gleiche Menge Butter auf dem Schwarzmarkt für 200–250 Reichsmark gehandelt. Das Geld hatte also die Funktion eines allgemeinen Tauschmittel verloren. Ohne stabiles und kaufkräftige Währung und ohne Beseitigung des Geldüberhangs konnte sich keine Produktionbelebung ergeben. Dies war damals die einhellige Meinung der Finanzexperten der vier Besatzungsmächte aber auch der deutschen Fachleuten und Institutionen. Auf welchem Weg dieser Zustand erreicht werden soll war jedoch umstritten.

Vorfeld der Währungskonklave[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Währungsreform war entsprechend dem Potsdamer Abkommen im Verantwortungsbereich der Alliierten. Die Vereinigte Staaten von Amerika strebten bereits ab 1946 eine Währungsreform voran während die Sowjetunion diese immer weiter herauszögerte. Anfang März 1948 entschlossen sich die Amerikaner deshalb eine Währungsreform in den drei Westzonen durch zuführen – wohlwissend dass dieser Schritt eine wirtschaftlich und politische Teilung von Deutschland bedeuten würde. Bereits im Jahr 1946 lagen den Amerikaner Pläne von den Professoren Colm, Dodge und Goldsmith (CDG-Plan) vor. Als ernsthafte Alternative galt der Homberger Plan, der von der Sonderstelle für Geld und Kredit, dem Nachfolger der ehemaligen Reichsbank, ausgearbeitet wurde. Dieser Sonderstelle war 1947 vom Wirtschaftsrat der Bizone (US und britische Wirtschaftszone) eingerichtet worden und bestand ausschließlich aus Wirtschaftsfachleuten. Bis Ende 1948 stand Ludwig Erhard diesem Gremium vor.

Das Ziel beider Pläne war es die umlaufende Geldmenge soweit zu reduzieren, dass eine Inflation, die den Erfolg einer Währungsreform verhindert hätte, vermieden wird. Die Ansätze waren jedoch verschieden:

  • Der CDG-Plan ging von einer verhältnismäßig großzügigen Versorgung der Bevölkerung mit neuem Geld vor. Die Bankguthaben sollten jedoch gestrichen werden, da eine inflationäre Wirkung dadurch befürchtet wurde.
  • Der Homburger Plan sah gerade in der hohen Anfangsversorgung der Bevölkerung durch neues Geld eine Inflationsgefahr. Nach diesem Plan sollte die schwachen Einkommensgruppen bevorzugt mit Geld ausgestattet werden und somit die Geld- und Sachwertbesitzer in besonderen Maße gleichmäßig an den Kosten des Krieges beteiligt werden. Die Anfangsversorgung sollte sozial abgestuft und knapp gehalten werden aber die Bankguthaben eine feste, spätere Auszahlungsquote und Lastenausgleich beinhalten.

Nachdem die Entscheidung einer einseitigen Währungsreform gefallen musste diese Entscheidung geheim gehalten werden, um zu verhindern, dass die Sowjetunion selber mit einer Reform zuvor kommen würde da dadurch das in der Sowjetzone wertlos gewordene Geld in den Westzonen weiterhin gültiges Zahlungsmittel geblieben worden wäre.

Während der Währungskonklave wurde nicht die Frage, ob eine Währungsreform stattfinden soll, sondern nur noch deren Modalitäten geklärt. Ab 1947 begann man in Amerika, ohne Beteiligung der deutschen Seite, mit dem Druck der neuen Banknoten. Im Februar bis April 1948 wurden die neuen Geldscheine in 23.000 Kisten, deren Inhalt als Türknäufe getarnt deklariert wurden, von den USA nach Bremerhaven in die Tresorräume der ehemaligen Reichsbank verbracht. Münzen wurden zunächst nicht geprägt, da die Transportkapazitäten aufgrund des Gewichtes nicht vorhanden waren.

Währungskonklave[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel am Haus Posen zur Erinnerung an die Währungskonklave

Für die Planung der Währungsreform in Form von Durchführungsverordnungen und Logistik wurde am 21. April 1948 eine Konklave von elf Finanzsachverständigen, größtenteils aus der Sonderstelle für Geld und Kredit, in einem ehemaligen Fliegerhorst in Rothwesten bei Kassel versammelt. Die Beteiligten wurden im dortigen Haus Posen praktisch interniert; das Gebäude war umzäunt und wurde innerhalb der Umzäunung von amerikanischer Militärpolizei bewacht welche keinen unkontrollierten Zugang zum Gebäude gestattete. Mitglieder der Konklave waren:

Deutsche Seite Amerikanische Seite
Karl Bernhard Edward A. Tenenbaum
Walter Dudek Emory D. Stoker
Hans Möller L. Cook
Otto Ernst Pfleiderer M. Le Fort
Wilhelmine Dreißig
Walter Bussmann
Heinrich Hartlieb
Victor Wrede
Wolfgang Budczies
Erwin Hielscher
Rudolf Windlinger

Die Mitglieder der Währungskonklave wurden im Haus Posen interniert, das Gebäude war umzäunt und wurde von der Militärpolizei bewacht, die jeden Zutritt zur Konklave verweigerte. Servicepersonal wie Schreibkräfte, Putzfrauen, ein Koch und sogar ein Friseur wurden ebenfalls im Gebäude interniert.

In der 49 Tage dauernde Konklave wurden die ersten 20 Tage mit Besprechungen mit den Militärregierungen geprägt. Die Hauptarbeit auf alliierter Seite leistete hier der damals erst 27-jährige Eduard Tenenbaum der öfter, zwischen Rothwesten und Berlin, dem Sitz der britischen und französischen Militärregierungen und Frankfurt, dem Sitz der amerikanischen Militärregierung. Die deutschen Teilnehmer der Konklave waren indes völlig isoliert und ihr einziger Gesprächspartner war Col. Emory D. Stoker.

Als Resultat der Währungskonklave wurde durch die Militärregierungen der drei westlichen Besatzungsmächte die drei „Gesetze zur Neuordnung des Geldwesens“ (18. und 26. Juni 1948) erlassen und der Geldumtausch wurde am 18. Juni über Rundfunk für Sonntag 20. Juni angekündigt und auch ausgegeben. Ab dem 21. Juni hatte nur noch die neue Währung der „Deutschen Mark“ seine Gültigkeit.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfons Kössinger, „Die Währungsreform 1948 und das Konklave von Rothwesten“, in: Hessischer Gebirgsbote: Zeitschrift des Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatvereins im Landesverband Hessen des Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V. 102 (2001), H. 2, S. 63-66.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]