Demontage (Reparation)

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Dieser Artikel behandelt Demontagen während oder nach Kriegen. Andere Begriffsbedeutungen → hier

Der Begriff Demontage benennt das Abbauen und Abtransportieren von Produktionsmitteln (z.B. Industrieanlagen) oder anderen ortsfesten Anlagen (z.B. Eisenbahnschienen, Eisenbahn-Oberleitungen) durch eine Kriegspartei im besetzten Gebiet oder Land eines Kriegsgegners. Demontagen können während eines Krieges stattfinden oder nach einem Krieg. Demontagen (wie auch Kontributionen und Requisitionen) wurden in der Vergangenheit oft als Entschädigung der demontierenden Kriegspartei deklariert.

Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufteilung der deutschen Industrieanlagen. Zwischen dem 31. März 1946 und August 1947 wurden 11.100 Tonnen deutsche Industrieanlagen aus den westlichen Besatzungszonen in die Sowjetunion gebracht.[1][2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in den Besatzungszonen zu Demontagen. Die Siegermächte, insbesondere die Sowjetunion, strebten Wiedergutmachung für erlittene Schäden an. Außerdem sollte Deutschland durch die Zerschlagung seiner Rüstungsindustrie militärisch geschwächt und dadurch ein erneuter Angriffskrieg unmöglich gemacht werden. Gemäß dem Potsdamer Abkommen kam es zu Demontagelieferungen aus dem Ruhrgebiet an die sowjetische Zone. Im Gegenzug sollten dafür landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der sowjetischen Zone in die Westzonen geliefert werden, wo viele Menschen hungerten. Ein Großteil der demontierten Anlagen des Ruhrgebiets und der sowjetischen Zone wurde in die Sowjetunion transportiert. In der Bizone und später Trizone wurde wegen der Truman-Doktrin die Politik der Demontagen beendet. Der Abbau von deutschen Industrieanlagen war einer der fünf Punkte der Potsdamer Konferenz.

Die Demontage von Industrieanlagen in der US-amerikanischen Zone wurde nach einem im März 1946 aufgestellten Industrieplan begonnen, nach dem 1.600 Betriebe demontiert werden sollten, um das Produktionsniveau auf rund 63 % von 1938 zurückzuschrauben. Ein Jahr später wurde jedoch bereits der Marshallplan angekündigt und die Aufnahme Westdeutschlands unter die Empfängerländer der Mittel des European Recovery Programs (ERP). Der neue Industrieplan von 1947 sah bereits vor, die Industriekapazitäten annähernd auf das Vorkriegsjahr anzuheben. Deswegen wurde in Westdeutschland auch das Beenden der Demontagen erwartet. Im Oktober 1947 wurde aber wieder eine Demontageliste erlassen, die immerhin noch 682 Betriebe umfasste. Dadurch kam es in den Folgejahren zum Nebeneinander von Demontage und Remontage, dem verstärkten Wiederaufbau von Betrieben.[3]

Die Demontage-Pläne wurden zuletzt im Petersberger Abkommen vom 22. November 1949 revidiert und Ende 1950 wurde die Demontage in der Bundesrepublik eingestellt. Der Gesamtwert der demontierten Anlagen wurde für Westdeutschland auf bis zu 5,4 Mrd. DM geschätzt, für die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) bzw. DDR auf bis zu 5 Mrd. DM.

In der SBZ war das Brutto-Anlagevermögen im Jahr 1948 25,7 % geringer als 1936, während es noch 1945 - trotz Kriegsschäden - 23 % größer als vor dem Krieg gewesen war. Die Produktionskapazitäten sanken sogar auf 70 %, da das Fehlen geringwertiger Bauteile den Stillstand einer ganzen Produktionsanlage verursachen konnte. Die Abnahme um 49 Prozentpunkte (von 123 % auf 74 %) zwischen 1945 und 1948 ist nur zu etwa einem Fünftel durch Abschreibungen zu erklären. Unter anderem demontierte die Sowjetunion in ihrer Besatzungszone vier Fünftel der Kapazitäten in der Fahrzeugindustrie und drei Viertel der Eisenerzeugung.[4]

Japan in der Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in Japan wurden Industrieanlagen durch die Alliierten demontiert.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lutz Budraß, Stefan Prott: Demontage und Konversion. Zur Einbindung rüstungsindustrieller Kapazitäten in technologiepolitische Strategien im Deutschland der Nachkriegszeit. In: Johannes Bähr, Dietmar Petzina (Hrsg.): Innovationsverhalten und Entscheidungsstrukturen. Vergleichende Studien zur wirtschaftlichen Entwicklung im geteilten Deutschland 1945–1999 (= Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 48). Duncker & Humblot, Berlin 1996, ISBN 3-428-08840-9, S. 303–340.
  • Gustav W. Harmssen:
    • Reparationen, Sozialproduct, Lebensstandard, F.-Trüjen-Verlag, Bremen 1948
    • Am Abend der Demontage (1951)
  • Wilhelm Hasenack: Betriebsdemontage als Reparationsform (1948)
  • Nicholas Balabkins: Germany Under Direct Controls; Economic Aspects Of Industrial Disarmament 1945-1948, Rutgers University Press, (1964)
  • Hubertus Seifert (1971): Die Reparationen Japans: Ein Beitrag zum Wandel des Reparationsproblems und zur wirtschaftlichen Entwicklung Japans nach 1945. Westdeutscher Verlag.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. germanhistorydocs
  2. library.wisc.edu (PDF; 1 MB)
  3. Wolfgang Benz: Von der Besatzungsherrschaft zur Bundesrepublik. Stationen einer Staatsgründung 1946–1949. Frankfurt 1989, ISBN 3-596-24311-4, S. 80ff.
  4. André Steiner: Von Plan zu Plan. Eine Wirtschaftsgeschichte der DDR. Aufbau Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-7466-8153-5, S. 31f.
  5. Frederick H. Gareau: Morgenthau's Plan for Industrial Disarmament in Germany. In: The Western Political Quarterly, Vol. 14, No. 2 (Juni 1961), S. 531, (JSTOR)
  6. Inhaltsverzeichnis, Leseprobe