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Weltauto

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ein Weltauto ist ein Fahrzeug, das nach globalen Standards an verschiedenen Standorten produziert wird.[1]

Diese Reorganisation der Automobilproduktion vollzog sich in den 1990er Jahren vor dem Hintergrund der Vorstellung einer „globalen Industrie“, die ein „Weltauto“ produzieren sollte. Die wirtschaftliche Begründung für das Paradigma des Weltautos lag in der Vorstellung erheblicher Skaleneffekte in Produktion und Produktentwicklung. Für die Automobilindustrie in Schwellenländern und Entwicklungsländern bedeutete dies hingegen eine Schrumpfung ihrer Ingenieurkapazitäten, weil Forschung und Entwicklung in den traditionellen Industrieländern zentralisiert werden sollten. Dadurch entsteht das Risiko, dass Ingenieurqualifikationen und Standortsicherheit verloren gehen.[2]

An die Stelle eines radikal gleichen Weltautos sind vielfach gemeinsame globale Plattformen getreten. Diese standardisieren Grundriss, Fahrwerk, Federung und Steuerung und werden für die Produktion verschiedener Marken und Modelle verwendet. Ebenso wird angestrebt, für möglichst viele unterschiedliche Modelle geeignete Komponenten (Gleichteile) zu entwickeln, um eine größere Anzahl von Modellen auf möglichst vielen Märkten abzusetzen.[2] Als weitere Problemfaktoren galten 2012 unterschiedliche Erneuerungszyklen sowie Anforderungen an den lokalen Produktionsanteil (manche Länder erheben hohe Zölle, wenn nicht ein bestimmter Mindestprozentsatz der Wertschöpfung bei der Fertigung in ihrem Land stattgefunden hat) gesehen, die zusätzliche Kosten verursachen können.[3] Innerhalb der EU gibt es dieses Problem dank des EU-Binnenmarktes nicht.

2005 wurde der Ford-Konzern für den stärksten Verfechter des Weltauto-Konzepts gehalten.[2]

Als typische frühe Vertreter eines Weltautos gelten Fahrzeuge wie der VW Käfer oder die Renault Dauphine, die in zahlreichen Ländern montiert und verkauft wurden.[4][5]

Weitere Beispiele sind der Dacia Logan bzw. Renault Symbol, der unter verschiedenen Namen vertrieben und in Rumänien, in Marokko und in vielen anderen Ländern produziert wird oder die Modelle Fiat Palio und Fiat Albea (siehe Badge Engineering).

Im Januar 2021 fusionierten die Konzerne Fiat Chrysler Automobiles und Groupe PSA zu Stellantis. Sie haben (ähnlich wie der VW-Konzern) gemeinsam einige Plattformen entwickelt, insbesondere für Elektroautos.

Marke Das WeltAuto

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Das WeltAuto ist zudem eine international geführte Handelsmarke der Volkswagen AG. Sie wird als „Qualitätssiegel für Jahres- und Gebrauchtwagen“ bezeichnet.[6]

Einzelnachweise

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  1. Boris Holzer, „Transnationale Konzerne“, in: Soziologische Revue 31, 3 (2008), S. 243–250, doi:10.1524/srsr.2008.31.3.243.
  2. a b c Thomas Fritz: Globale Wertschöpfung und abhängige Entwicklung. Das Automobilregime im MERCOSUR. In: Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika – FDCL Projekt: „Freihandel und industrielle Entwicklung“ (2005). Abgerufen am 4. September 2018.
  3. Ulrich Jürgens, Thomas Malsch, Knuth Dohse, Moderne Zeiten in der Automobilfabrik: Strategien der Produktionsmodernisierung im Länder- und Konzernvergleich, Berlin 2013.
  4. 80 Jahre Volkswagen Käfer: Geliebt, gehasst und global gebraucht. In: Focus Online. 22. Mai 2017, abgerufen am 4. September 2018.
  5. Jürgen Pander: Renault Dauphine: Traum vom Weltauto. In: Spiegel Online. 30. August 2006, abgerufen am 4. September 2018.
  6. Das WeltAuto. In: volkswagen.de. Abgerufen am 4. September 2018.