Willi Bang-Kaup

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Willy Bang)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Johann Wilhelm Max Julius Bang-Kaup (auch Willi Bang oder Willy Bang oder Willy Bang-Kaup; * 9. August 1869 in Wesel; † 8. Oktober 1934 in Darmstadt) war ein deutscher Orientalist (Turkologe) und Anglist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willi Bang-Kaup war der Sohn des Bürgermeisters und Rechtsanwaltes Heinrich Bang und von Auguste Kaup.

Bang studierte zunächst in Löwen Orientalistik – Altpersisch, Avestisch, Mandschurisch und Mongolisch, dann auch in Frankreich, Holland und England. 1893 und 1909 brachte er gemeinsam mit Friedrich H. Weißbach eine neue Edition altpersischer Inschriften heraus und verfasste mehrere Artikel zu dem Thema.

Ab 1893 erforschte Bang alttürkische Steininschriften, deren Runenalphabet von Vilhelm Thomsen entziffert worden war, wobei er Methoden des Sprachvergleichs mit modernen Turksprachen und -dialekten anwendete. Dabei gelang ihm gemeinsam mit Josef Markwart ein Durchbruch bei der chronologischen Einordnung der Inschriften. Von 1910 bis 1914 arbeitete Bang am Codex Cumanicus. Danach wandte er sich alttürkischen Manuskripten aus Turfan zu.

Von 1895 bis 1914 war Bang Professor für Anglistik in Löwen und verfasste mehrere wichtige Studien zur englischen Literatur. Im Zuge des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges musste Bang Belgien verlassen und wurde 1917 Professor für Turkologie in Frankfurt. 1918 wurde er Professor an der Universität Berlin berufen und forschte weiter an den Turfan-Manuskripten, vor allem an manichäischen und christlichen Texten. Gemeinsam mit Annemarie von Gabain gab er kommentierte Editionen von Turfan-Texten sowie ein Glossar zum Wortschatz dieser Texte heraus.

Bang erörterte in mehreren Artikeln Probleme der historischen Grammatik der Turksprachen.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Materialien zur Kunde des älteren englischen Dramas.
  • Manichäische Laienbeichtspiegel.
  • Manichäische Hymnen.
  • Bruchstücke einer nestorianischen Georgspassion.
  • Türkische Turfan-Texte Bd. 1–6, 1929–1934.
  • Analytischer Index. 1931.
  • Vom Köktürkischen zum Osmanischen.
  • Monographien zur türkischen Sprachgeschichte.
  • Parentalia: Grundlagen zu einer Geschichte der Bangen. Als Ms. gedr., Uystpruyst, Loewen 1908 Digitalisat

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Heinrich Schaeder: Zu W. Bangs sechzigstem Geburtstag. In: Ungarische Jahrbücher 9, 1929, S. 181–187.
  • Henri de Vocht: Bibliographie der Arbeiten von Professor W. Bang Kaup. In: Ungarische Jahrbücher 9, 1929, S. 188–195.
  • Annemarie von Gabain: W. Bang Kaup 1869–1934. In: Ungarische Jahrbücher 14, 1934, S. 335–340 und S. 140.
  • Annemarie von Gabain: Bang-Kaup, Johann Wilhelm Max Julius. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 576 (Digitalisat).
  • Annemarie von Gabain: Persönliche Erinnerungen an W. Bang Kaup. In: Sprache, Geschichte und Kultur der altaischen Völker. Berlin 1974, S. 51–55.
  • Andrej Nikolaevič Kononov: W. Bang-Kaup. Zum hundertsten Geburtstag. In: Sprache, Geschichte und Kultur der altaischen Völker. Berlin 1974, S. 47–49.
  • Sajora Khassankhanova: Zur Geschichte der Berliner Turkologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Erschließung der alttürkischen Turfan-Texte. W. Bang-Kaup und seine sprachwissenschaftliche Schule. Unveröffentlichte Dissertation. Berlin (DDR) 1979.
  • Peter Zieme: Bang Kaup, Johann Wilhelm Max Julius. In: Encyclopædia Iranica. Bd. 3, 1989, S. 691–692
  • Michael Knüppel, Aloïs van Tongerloo: Die orientalistische Gelehrtenrepublik am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Der Briefwechsel zwischen Willi Bang(-Kaup) und Friedrich Carl Andreas aus den Jahren 1889 bis 1914 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen N.F. 20). Berlin 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]