Zahlungsbereitschaft (Volkswirtschaft)

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Die Zahlungsbereitschaft (engl. willingness to pay, WTP) eines Konsumenten ist ein zentrales Konzept der Wirtschaftswissenschaften.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ökonomischen Literatur werden im Wesentlichen drei Definitionen der Zahlungsbereitschaft eines Konsumenten unterschieden:

  1. Die Zahlungsbereitschaft entspricht dem maximalen Preis, zu dem ein Konsument bereit ist, eine Einheit eines Gutes zu kaufen (100 % Kaufwahrscheinlichkeit, engl. floor reservation price).
  2. Die Zahlungsbereitschaft entspricht dem maximalen Preis, bei dem ein Konsument indifferent ist zwischen einem Kauf bzw. Nichtkauf (50 % Kaufwahrscheinlichkeit, engl. indifference reservation price).
  3. Die Zahlungsbereitschaft entspricht dem minimalen Preis, ab dem ein Konsument definitiv nicht mehr bereit ist, eine Einheit eines bestimmten Produktes zu kaufen (0 % Kaufwahrscheinlichkeit, engl. ceiling reservation price).

In einer abstrakteren Fassung bestehen Zahlungsbereitschaften auch für Güter, die nicht auf Märkten gehandelt werden nicht (Nichtmarktgüter). Für diese Güter gibt es entsprechend keine Marktpreise. Zahlungsbereitschaften sind ein allgemeiner Ausdruck der Präferenzen eines Wirtschaftssubjekts (a) im Hinblick auf die Erlangung eines Vorteils oder die Abwendung eines Nachteils und (b) dargestellt als Geldwert. Statt als Preises für ein Marktgut kann sich die Zahlungsbereitschaft in der maximal akzeptierten Einkommens- oder Steueränderung ausdrücken.

Öffentliche Güter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere in der Umweltökonomik, aber auch bspw. in der Gesundheitsökonomik werden Zahlungsbereitschaftsanalysen genutzt, um:

Man vermutet jedoch, dass die Zahlungsbereitschaftsanalyse durch das Trittbrettfahrerproblem systematisch unterschätzte Beträge liefert. Es wird deshalb als Zahlungsbereitschaft auch ermittelt, was ein Individuum (ein Haushalt) bei Wegfall der öffentlichen Leistung als Ausgleich für den entgangenen Nutzen zahlen würde.[1]

Messung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Messung der Zahlungsbereitschaft wurden in den Wirtschaftswissenschaften einige Methoden entwickelt. Man kann zwei Arten von Methoden unterscheiden: die eine Art misst die hypothetische Zahlungsbereitschaft (hypothetical willingness to pay, WTP), die andere die tatsächliche Zahlungsbereitschaft (actual willingness to pay, WTP).

Hypothetische Zahlungsbereitschaften werden in einem hypothetischen Kontext gemessen, d. h. die Konsumenten brauchen nicht die ökonomischen Konsequenzen ihrer angegebenen Zahlungsbereitschaft tragen. Die tatsächliche Zahlungsbereitschaft wird in einem echten Kaufkontext gemessen (d. h. die Konsumenten kaufen das untersuchte Gut zu dem Preis, den zu zahlen sie sich zuvor bereit erklärt hatten).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vithala R. Rao (Hrsg.): Handbook of Pricing Research in Marketing. Edward Elgar Publishing, Cheltenham u. a. 2009, ISBN 978-1-8472-0240-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gablers Wirtschaftslexikon, 15. Auflage, Seite 3568, ISBN 3-409-30388-X.