Zweite Front der Alliierten gegen die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg

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Europa unter Herrschaft der Achsenmächte, 1941/1942

Die Zweite Front war ein Ziel und ein Schlagwort im Zweiten Weltkrieg. Die bedeutendste Front in Europa war die Ostfront im Deutsch-Sowjetischen Krieg. Die Staaten der Anti-Hitler-Koalition verabredeten daher, eine Zweite Front zu errichten, um die Sowjetunion zu entlasten. Die Westalliierten USA und Großbritannien sollten die Achsenmächte angreifen und damit den Abzug eines Teils ihrer Streitkräfte von der Ostfront erzwingen. Erste Pläne zu einer Zweiten Front wurden bereits Ende 1941 besprochen.

Mit welchen militärischen Operationen diese anglo-amerikanische Front aufgebaut werden sollte, wurde auf der Konferenz von Teheran Ende 1943 festgelegt. Damals hatten amerikanische und britische Truppen bereits Nordafrika besetzt und die deutschen Truppen in den Süden Italiens zurückgedrängt. Die Frage blieb offen, wo die nächste Invasion stattfinden sollte. Stalin setzte in Teheran durch, dass Südosteuropa außerhalb der strategischen Planungen der Briten und Amerikaner für diese Invasion blieb.

Stalin und die Westalliierten beschlossen, dass im Mai 1944 eine Invasion in Nordfrankreich und eine Landung an der italienischen Riviera stattfinden sollten. Gleichzeitig würde eine sowjetische Großoffensive im Osten Druck auf Deutschland ausüben. Dieser Beschluss erlang nicht nur strategische Bedeutung für den Sieg der Anti-Hitler-Koalition: Nach dem Krieg hatte er noch Auswirkungen auf die Machtverhältnisse in Europa. Der größte Teil Südosteuropas wurde eine sowjetische Einflußzone (als Teil des Ostblocks).

Militärischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Normalerweise ziehen es kriegführende Parteien vor, nur an einer Front zu kämpfen und dort die Streitkräfte zu konzentrieren. Eine zweite Front wird einer kriegführenden Partei meist durch einen Verbündeten des Gegners aufgezwungen. Dadurch muss diese ihre Kräfte auf zwei Fronten verteilen, was dazu führt, dass jede Front allein weniger stark ist. Ziel der Errichtung einer zweiten Front ist, einen Angriff abzuschwächen oder beide Fronten zu brechen, um den Gegner zu besiegen.

Ausgangslage im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Britische Piloten der No. 54 Squadron vor einer Spitfire, Mai 1941

Im Zweiten Weltkrieg war das nationalsozialistische Deutschland seit Juni 1941 mit der Sowjetunion im Krieg. Die UdSSR forderte von ihren westalliierten Verbündeten in der Anti-Hitler-Koalition, mit einer Landung in Westeuropa eine „zweite Front“ gegen Deutschland zu eröffnen. Die Alliierten sicherten dies für spätestens 1942 zu.

Besonders nach der Casablanca-Konferenz, auf der der Vorrang des europäischen Kriegsschauplatzes vor der Kriegführung im Pazifik beschlossen wurde, steigerten sich die Forderungen Josef Stalins, als der Landetermin auf den Herbst 1943 verschoben wurde. Dahinter stand das Misstrauen, die Westmächte würden absichtlich die Errichtung der „zweiten Front“ verzögern, damit Deutschland und die Sowjetunion gegenseitig ihre Kräfte abnutzen.[1] Bis Kriegsende kämpften stets zwischen 70 und 80 Prozent aller deutschen Truppen an der Ostfront gegen die Sowjetunion.

Allerdings hatte Großbritannien bereits seit September 1939 gegen das nationalsozialistische Deutschland gekämpft, als Stalin noch Hitlers Verbündeter war: zur See, in der Luft und in Nordafrika an Land, zeitweilig auch in Frankreich und Griechenland. Die USA versorgten seit dieser Zeit Großbritannien mit Material und später auch die Sowjetunion. Seit 1941/42 kämpften die USA und Großbritannien gegen Japan. Im November 1942 eröffneten beide Mächte lediglich eine Nebenfront in Nordwestafrika, das bis dahin von Vichy-Frankreich gehalten wurde, das mit Deutschland kollaborierte. Diese Front rückte im Laufe des Jahres 1943 bald nach Süditalien und führte dazu, dass Mussolini gestürzt wurde, band aber keine deutsche Truppen in dem Maße, wie die Sowjets es sich erhofften.

Landung in Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen den USA und Großbritannien war eine mögliche Landung in Frankreich umstritten. Der britische Premierminister Winston Churchill bevorzugte eine Landung in Südosteuropa, nämlich in Jugoslawien. Das lag nicht im Rücken der Deutschen, sondern an der Flanke der Sowjets. Die britische Absicht war es, einem Vormarsch der sowjetischen Truppen wenigstens auf dem Westbalkan und in Griechenland zuvorzukommen. Idealerweise sollten westalliierte Truppen Ungarn, Rumänien und Bulgarien erreichen, bevor diese Verbündeten Deutschlands vor der Sowjetunion kapitulieren.[2] Eine rasche Landung in Nordfrankreich erschien Churchill hingegen zu riskant. Die USA hingegen wollten möglichst früh diese Landung, weil da Frankreich und Westeuropa bedeutender waren als Südosteuropa, unter anderem, was die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anging.

Im Juni 1944 kam es schließlich mit der Operation Overlord zur – in der Tat äußerst schwierigen – Landung in der Normandie.[3] Diese Westfront brachte die westalliierten Truppen bis nach Belgien und die südlichen Niederlande. Im September desselben Jahres versuchten sie mit der Operation Market Garden sogar, direkt nach Deutschland (in der Nähe von Arnheim) vorzudringen. Der Versuch scheiterte, und erst im März/April 1945 kamen die Westalliierten (Operation Plunder) ins strategisch wichtige Ruhrgebiet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lothar Gruchmann: Der Zweite Weltkrieg. Kriegführung und Politik, 7. Auflage, dtv, München 1982 (1967), S. 359.
  2. Ingeborg Fleischhauer: Der Widerstand gegen den Russlandfeldzug (PDF).
  3. Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs, 2. Auflage, Nikol, Hamburg 2002 (Stuttgart 1995), S. 665.