Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg

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Der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg erfolgte im Dezember 1941 nach dem Überfall auf Pearl Harbor und der anschließenden Kriegserklärung Japans an die USA und Großbritannien. Die Vereinigten Staaten hatten zuvor nach den kriegerischen Angriffen der Achsenmächte auf Staaten in Afrika, Asien und Europa ihre strikte Neutralitätspolitik aufgegeben und die Gegner der Achse nichtkriegführend zu unterstützen begonnen, ohne selbst in den Krieg hineingezogen werden zu wollen. Als der Zweite Weltkrieg 1939 in Europa ausbrach, war die Bevölkerung der USA überwiegend isolationistisch eingestellt und lehnte einen Kriegseintritt mehrheitlich ab. Durch die Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die Vereinigten Staaten vom 11. Dezember 1941 wurde diese Haltung obsolet und die USA traten als Hauptalliierter der Anti-Hitler-Koalition bei.

Kriegsvermeidung in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Vorkriegszeit der 1930er Jahre hatten die USA, beeinflusst von der Tätigkeit des Nye Committee, eine Reihe von Neutralitätsgesetzen verabschiedet. Diese waren aus Anlass des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges durch Roosevelt bereits unterlaufen worden, in dem die Vereinigten Staaten China unterstützten. Nach dem Bruch des Münchner Abkommens durch die Zerschlagung der Tschechoslowakei verhängten die USA am 17. März 1939 einen Strafzoll in Höhe von 25 % auf alle deutschen Importe. Dies sah die deutsche Regierung als Erklärung eines Wirtschaftskrieges.[1] In seinen im Radio übertragenen Kamingesprächen gelang es Roosevelt in den kommenden zwei Jahren, die Amerikaner nach und nach von seinem außenpolitischen Kurs der Nichtkriegführung zu überzeugen. In seiner Quarantäne-Rede vom 5. Oktober 1937 hatte er sich, indem er die internationale Isolation Deutschlands, Italiens und Japans forderte, deutlich als Gegner der Achsenmächte positioniert. Das japanische Massaker von Nanking 1937/38 und die Nazi Barbarei der Novemberpogrome 1938 schreckten die Weltöffentlichkeit auf.[2] Mit dem Naval Expansion Act vom Mai 1938 wurde Kurs auf eine „Zwei-Ozean-Flotte“ genommen.

Nach dem deutschen Überfall auf Polen bekräftigten die USA mit allen amerikanischen Staaten außer Kanada in der Panama-Konferenz ihre Neutralität und reklamierten eine dreihundert Seemeilen breite panamerikanische Sicherheitszone, um ihre maritimen Handelswege zu schützen.[3] Die US-Marine begann mit einer Neutralitätspatrouille die Überwachung der Schifffahrt im westlichen Atlantik.

In einer Meinungsumfrage vom Herbst 1939 sprachen sich 95 % der US-Amerikaner gegen eine Kriegserklärung der USA an Deutschland aus. In weiteren Umfragen wünschten 84 % einen Sieg der Westmächte und 82 % gaben Deutschland die Schuld am Krieg.[4] Sie sagten jedoch auch aus, dass sich die USA umso mehr vom Krieg betroffen sähen, je weiter die deutschen Truppen in Richtung Großbritannien vorgedrungen seien. Präsident Franklin D. Roosevelt, dessen Sympathien wie die der meisten Amerikaner eindeutig auf Seiten der Westmächte lagen, verfolgte eine vorsichtige, aber doch zielstrebige Politik der Unterstützung der Alliierten bei gleichzeitiger Wahrung der Neutralität. Dadurch konnten amerikanische Journalisten wie William L. Shirer in Deutschland und später im besetzten Europa weiterarbeiten und die amerikanische Bevölkerung über die dramatischen Folgen des am 1. September in Polen ausgebrochenen Krieges umfassend informieren. Im November 1939 änderte der amerikanische Kongress die Neutralitätsgesetze und genehmigte den Verkauf von Kriegsmaterial an kriegführende Staaten.[5] Bedingung war jedoch sofortige Bezahlung und Transport der Ladung durch nichtamerikanische Schiffe, weshalb die betreffende Bestimmung als Cash-and-carry-Klausel bekannt wurde. Diese begünstigte Staaten mit großen Geldreserven und starker Kriegsmarine und nutzte in Europa Großbritannien und Frankreich und in Asien Japan zu Lasten Chinas.[6]

Am 20. Mai 1940 gab das Committee to Defend America by Aiding the Allies seine Gründung bekannt und rief zur materiellen und moralischen Unterstützung der Alliierten im Kampf gegen Deutschland ohne Kriegsteilnahme (short of war) auf. Im September 1940 wurde der isolationistische America First Committee gegründet. Der Century Club dagegen warb interventionistisch für eine Kriegsteilnahme.[7] Im Juni 1940 nahm Roosevelt mit Frank Knox als Marineminister und Henry L. Stimson als Kriegsminister zwei prominente frühere Mitglieder republikanischer Regierungen in sein Kabinett auf. Von beiden konnte er erwarten, dass sie als Falken aktiv für die amerikanische Kriegsbereitschaft als auch für Hilfen an Großbritannien eintreten würden.[8] Am 19. Juli 1940, nach dem Fall Dänemarks und Norwegens sowie der Beneluxstaaten und Frankreichs, erlangte der Two-Ocean Navy Act Gesetzeskraft, der eine Vergrößerung der United States Navy um 70 % binnen sechs Jahren vorsah. Am 2. September 1940 schlossen die Vereinigten Staaten mit Großbritannien das „Zerstörer-für-Stützpunkte-Abkommen“, durch das 50 noch aus dem Ersten Weltkrieg stammende amerikanische Zerstörer den Briten im Tausch gegen die Gewährung von Landnutzungsrechten in britischen Überseekolonien in der westlichen Hemisphäre überlassen wurden. Ebenfalls im September 1940 wurde der Selective Training and Service Act verabschiedet, mit dem erstmals die Wehrpflicht in Friedenszeiten eingeführt wurde. Am 4. September 1940 gründete sich das „America First Committee“ als wichtigstes Sprachrohr und Sammelbecken der amerikanischen Isolationisten. Dass Roosevelts immer deutlicher werdende Politik der Vorbereitung auf einen Krieg dem Willen der Mehrheit der Amerikaner entsprach, wurde nicht nur in seiner praktisch unangefochtenen Wiederaufstellung als Kandidat der Demokraten für die Präsidentschaftswahl 1940 deutlich, sondern auch in der Position seines republikanischen Gegenkandidaten Wendell Willkie, der eine Vorbereitung der Streitkräfte auf alle Eventualitäten, auch die eines Krieges, als im nationalen Interesse notwendig ansah.[9]

Präsident Roosevelt unterzeichnet das Leih- und Pachtgesetz, März 1941

Im Januar 1941, nach seinem deutlichen Sieg über Willkie, hielt Roosevelt seine programmatische Vier-Freiheiten-Rede, in der er einmal mehr klar Position in Bezug auf die Notwendigkeit der Verteidigung von Freiheit und Demokratie gegen die Aggression der Tyrannei, wie sie von den Achsenmächten verkörpert wurde, bezog.[10] In seiner Rede vor dem Kongress warb er um dessen Unterstützung bei der von ihm geplanten Ausweitung der Rüstungsausgaben und der Lieferung von Kriegsmaterial an die noch verbliebenen Demokratien. Daneben wurden auch die amerikanischen Streitkräfte aufgerüstet. 1941 wuchs so ein Heer von über 1,6 Millionen Mann heran[11] und die Rüstungsproduktion stieg auf 4,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Im Dezember 1940 hatte Roosevelt die Idee des Arsenal of Democracy aufgebracht. Im März 1941 unterzeichnete er das von beiden Kammern verabschiedete Leih- und Pachtgesetz.[12]

USS Kearny im Hafen von Reykjavík, zwei Tage nachdem sie von U-568 torpediert wurde. Das Loch auf der Steuerbordseite mittschiffs ist deutlich zu erkennen. Dahinter der US-Zerstörer USS Monssen.

Im April 1941 überrannten Deutschland und Italien die neutralen Staaten Jugoslawien und Griechenland im Balkanfeldzug. Am 27. Mai 1941 erklärte Roosevelt auf Anregung von Harry Hopkins den unbefristeten nationalen Notstand, der ihm weitere Befugnisse zugestand als der seit 1939 geltende begrenzte nationale Notstand (limited emergency).[10][13] Im Juni 1941 wurden alle deutschen und italienischen Guthaben in den USA eingefroren und die Schließung der Konsulate dieser Länder angeordnet. Nach dem japanischen Einmarsch in den südlichen Teil Französisch-Indochinas im Juli 1941 ließ Roosevelt auch die japanischen Guthaben einfrieren[14] und ordnete die Verstärkung der amerikanischen Verteidigung auf den Philippinen unter dem neuen Befehlshaber Douglas MacArthur an.

Über das zu Dänemark gehörende Grönland war bereits im April 1941 eine Vereinbarung zwischen US-Außenminister Cordell Hull und dem dänischen Botschafter Henrik Kauffmann getroffen worden, die den USA die Errichtung von Stützpunkten auf der Insel erlaubte.[15] Im Juli dieses Jahres landeten die USA nach Zustimmung des Premierminister Hermann Jónasson Truppen auf Island, um die Briten von der Aufgabe der Verteidigung der Insel zu entlasten und um von hier aus den freien Schiffsverkehr nach England besser schützen zu können. Deutschland hatte seine Kampfzone im U-Boot-Krieg bis in die Gewässer um Island ausgedehnt.[16] Nach dem Zwischenfall zwischen dem amerikanischen Zerstörer USS Greer und dem deutschen U-Boot U 652 im Atlantik gab er die Direktive shoot on sight („bei Sichtung schießen“) aus, wobei die amerikanische Zurückhaltung nach der Versenkung der Robin Moor durch U-69 im Mai 1941 in Berlin mit Erleichterung aufgenommen wurde.[17] Weitere Zwischenfälle im Nordatlantik wie die Torpedierung der USS Kearny und die Versenkung der USS Reuben James ereigneten sich im Oktober 1941 und führten nicht dazu, dass Deutschland oder die USA die Schwelle zum Krieg überschreiten wollten.[18]

Anfang Oktober 1941 wurde auf einer Konferenz in Moskau die Erweiterung des Lend-Lease-Programms auf die Sowjetunion vereinbart. Die Vereinbarung (1. Moskauer Protokoll) sah bis zur Mitte des folgenden Jahres die Lieferung von Waffen und kriegswichtigen Gütern an die Sowjetunion im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar vor.[19]

Atlantik-Charta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 1941 verkündeten Winston Churchill, der britische Premierminister, und Franklin D. Roosevelt die Atlantik-Charta. Diese war geprägt vom Überfall auf die Sowjetunion und orientierte sich an einem ähnlichen Programm des amerikanischen Präsidenten im Ersten Weltkrieg, Woodrow Wilson, dem 14-Punkte-Programm. Die zentralen Aussagen der Atlantik-Charta waren:

  1. Großbritannien und die USA suchen keine territoriale Expansion.
  2. Sie wünschen durch den Weltkrieg allgemein keine territorialen Veränderungen, es sei denn, die betreffenden Völker wünschen dies.
  3. Sie wünschen, dass sämtliche Völker das Recht haben, die Regierungsform zu wählen, unter der sie leben wollen.
  4. Sie wünschen, dass jeder Staat nach dem Krieg gleichermaßen Zugriff auf den Welthandel hat und zu jenen Rohstoffen „die für [die] wirtschaftliche Wohlfahrt [der Staaten] vonnöten sind“.
  5. Sie erstreben die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Völker um bessere Arbeitsbedingungen und wirtschaftlichen Aufschwung zu erlangen.
  6. Sie wünschen, dass alle Völker innerhalb ihrer Grenzen in Frieden leben können, wenn die Nazi-Herrschaft zerstört worden ist.
  7. Dieser Friede soll es außerdem jedem Menschen ermöglichen, friedlich die Meere und Ozeane zu bereisen.
  8. Sie hoffen außerdem auf eine Abrüstung, durch welche die Staaten Sicherheit vor Drohungen und Gewaltanwendung erlangen. Sie denken, dass die Gewaltanwendung unterdrückt werden müsse, um ein dauerhaftes System der allgemeinen Sicherheit zu erlangen.

Kriegsvermeidung im Pazifik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Machtbereich der imperialen Mächte in Asien/Pazifik 1939

Das aufstrebende Japanische Kaiserreich war seit 1936 bzw. 1937 mit dem Deutschen Reich unter Hitler sowie Italien unter Mussolini im Antikominternpakt verbündet, bemühte sich jedoch um die Vermeidung eines Kriegs mit den USA, mit denen es in der Frage des japanischen Kriegs gegen China immer wieder zu diplomatischen Spannungen gekommen war. Ein „moralisches Embargo“ der USA zur Ausfuhr von Flugzeugen und Ausrüstung an Länder, die dafür bekannt waren, damit Zivilisten anzugreifen, war seit Juli 1938 in Kraft.

Im Winter 1938/39, nach der deutschen Annexion des Sudetenlandes, führte das amerikanische Joint Planning Committee eine Neubewertung der strategischen Optionen der Achsenmächte für einen Einbruch in die westliche Hemisphäre durch, aus der es die sogenannten Rainbow-Pläne für die Abwehr eines solchen Angriffs ableitete. Diese erweiterten die nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen „farbcodierten“ Pläne, wie den War Plan Orange für einen Krieg gegen Japan, um die Möglichkeit eines Mehrfrontenkrieges im Atlantik und Pazifik. Dabei ging man anfänglich noch davon aus, dass man, bei gleichzeitiger Unterstützung der europäischen Demokratien gegen Deutschland, sich militärisch hauptsächlich im Pazifik gegen Japan würde engagieren müssen.[20]

Als abschreckende Maßnahme gegen einen japanischen Kriegseintritt war die US-Pazifikflotte im Mai 1940 nach ihren jährlichen Übungen um Hawaii nicht zu ihren Basen an der amerikanischen Westküste zurückgekehrt, sondern verblieb auf einer vorgeschobenen Position in Pearl Harbor. Der unerwartet schnelle Zusammenbruch Frankreichs im Juni 1940 und die drohende Gefahr eines deutschen Angriffs auf Großbritannien über den Kanal verschärften die Bedrohungssituation für die Vereinigten Staaten erheblich, da damit nicht nur die atlantische Verteidigungsposition ins Wanken geriet, sondern auch Japan sich ermutigt fühlen könnte, die Besitzungen der europäischen Mächte in Südostasien anzugreifen, was langfristig zur Errichtung einer japanischen Hegemonie über weite Teile Asiens führen würde. Als Japan im Sommer 1940 begann, auf die französischen Behörden in Indochina Druck zur Überlassung von Stützpunkten auszuüben, reagierten die USA mit dem Verbot der Ausfuhr von Maschinenteilen, Flugbenzin und Schrottmetall nach Japan.[21] Japans Unterzeichnung des sich indirekt gegen die USA richtenden Dreimächtepakts Ende September 1940 verschärfte nur noch die Fronten.

Im November 1940 richtete der amerikanische Chief of Naval Operations Admiral Harold R. Stark ein Memorandum (sog. Plan Dog Memo) an den Präsidenten, in dem er die Bedrohung, die von einer möglichen Niederlage Großbritanniens ausging, als für die Sicherheit der USA folgenschwerste darstellte. Daher müsse vorrangig die Fähigkeit zur Führung offensiver Operationen in Europa und Afrika hergestellt werden. Um einen gleichzeitigen unbegrenzten Konflikt im Pazifik zu verhindern, müsse Japan von einer weiteren Expansion in Südasien durch verstärkte amerikanische Präsenz, die im Notfall das Halten dieser Gebiete erlaubte, abgehalten werden. Obwohl Roosevelt sich nicht auf eine solche Strategie festlegen wollte, begannen im Januar 1941 getarnte britisch-amerikanische Stabsgespräche auf Basis von Starks Memorandum.[22] Im Mai 1941 tauschten beide Länder offizielle Militärmissionen aus. Der Kriegsplan der USA unter dem Codenamen Rainbow 5 wurde an die ABC-Vereinbarungen angepasst und sah einen gleichzeitigen Krieg in Europa und im Pazifik voraus, in dem Großbritannien und die Vereinigten Staaten Alliierte wären.[23] Unter der Leitung von Albert Wedemeyer, einem Offizier der War Plans Division des War Department, wurde im Sommer 1941 der sogenannte Victory-Plan für eine den Erfordernissen eines Zweifrontenkrieges angepasste Bereitstellung von Truppen und Kriegsmaterial ausgearbeitet.[24]

Im August 1941 verhängten die USA gemeinsam mit Großbritannien und Niederländisch-Indien ein Embargo auf die Ausfuhr von Erdöl nach Japan. Dieses war zu 90 % seines Bedarfs von diesen Importen abhängig, rund die Hälfte seiner Einfuhren hatte es zuvor aus den USA bezogen. Damit wurde Japans gesamte geopolitische Strategie in Ostasien zur Errichtung einer Großostasiatischen Wohlstandssphäre unter Einschluss Chinas in Frage gestellt. Um sich in den Besitz von Ölquellen, etwa die Niederländisch-Indiens, zu setzen, die für seinen Fortbestand als Wirtschafts- und Militärmacht notwendig waren, musste das Japanische Kaiserreich nun einen Krieg mit Großbritannien und japanischen Befürchtungen zufolge auch mit den USA riskieren, wenn es sein Ziel der Unterwerfung Chinas unter seine Vorherrschaft nicht aufgeben wollte. Eine solche Aufgabe kam für die japanischen Ultranationalisten und Expansionisten, die in der Kaiserlichen Armee einen starken Rückhalt fanden, jedoch nicht in Frage. In der Folge setzte sich immer mehr die bellizistische Fraktion gegen die der vor allem in der Wirtschaft vertretenen Traditionalisten durch. Die von einem Teil der Führung der Kaiserlichen Marine gehegten Zweifel bezüglich der Erfolgsaussichten eines Krieges mit den Vereinigten Staaten, darunter die des Oberkommandierenden der Vereinigten Flotte Yamamoto Isoroku, wurden zunehmend ignoriert.

Amerikanischer Nachbau der PURPLE-Maschine im National Cryptologic Museum in Fort Meade, Maryland

In den USA war man seit 1941 dank der langjährigen Anstrengungen zahlreicher in Militärdiensten stehender Kryptoanalytiker zum Nachbau der RED- und PURPLE-Maschine sowie anderer von den Japanern verwendeter Codes in der Lage, den abgehörten diplomatischen und teilweise den militärischen verschlüsselt ablaufenden Nachrichtenverkehr mit einiger zeitlicher Verzögerung mitzulesen.[25] Die so gewonnenen Informationen, die man als „Magic“ (dt. Magie) bezeichnete,[26] unterlagen jedoch einer so strengen Geheimhaltung, dass wichtige Informationen über die japanischen Kriegsvorbereitungen teilweise nicht die zuständigen militärischen Stäbe erreichten, was sich in Pearl Harbor als verhängnisvoll erweisen sollte.[27]

Kriegsentscheidung Japans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. Oktober 1941 trat der japanische Premierminister Konoe zurück, nachdem die von der Kaiserlichen Konferenz gesetzte Frist zur Erreichung einer Einigung mit den USA abgelaufen war. Ab diesem Zeitpunkt war das Land unter der Regierung seines Nachfolgers, des bisherigen Heeresministers Tōjō Hideki, eindeutig auf einen Kriegskurs festgelegt. Am 26. November überreichte die US-Regierung den Vertretern Japans die von Außenminister Cordell Hull formulierte Hull-Note, die unmissverständlich den Rückzug der japanischen Truppen aus China und Indochina als Vorbedingung für weitere Verhandlungen über die Aufhebung des Ölembargos forderte. Dies wurde in Japan nur als letzte einer Reihe von Provokationen aufgenommen. Am selben Tag wurde die japanische Angriffsflotte nach Pearl Harbor in Marsch gesetzt. Am 27. November wurden alle US-Militäreinheiten im Pazifik in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Am 1. Dezember gab Kaiser Hirohito dem von Hideki geführten Kronrat sein endgültiges Einverständnis für den Angriff.[28] Der entsprechende Befehl wurde am nächsten Tag an die Flotte übermittelt.[29] Am Abend des 6. Dezember wandte sich Präsident Roosevelt noch einmal in einer persönlichen Friedensbotschaft an Kaiser Hirohito.[30]

Brennende amerikanische Schiffe nach dem Angriff auf Pearl Harbor

Admiral Yamamoto hatte – möglicherweise unter dem Eindruck des erfolgreichen britischen Luftangriffs auf die italienische Flotte in Tarent – über mehrere Monate einen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor entwickelt und im Oktober unter Rücktrittsdrohungen durchgesetzt. Dieser Plan stand konzeptionell gegen die bisherige realistischere japanische Kriegsstrategie, die eine Kriegseröffnung mit einem Südvorstoß im Pazifik vorsah und eine Aussicht auf einen späteren Kompromissfrieden gehabt hätte.[31]

Am 7. Dezember überfiel Japan ohne Kriegserklärung die amerikanische Pazifikflotte im Hafen von Pearl Harbor auf Hawaii. Dieser Angriff kostete 2.400 Menschen das Leben. Darüber hinaus wurden 8 Schlachtschiffe und 11 weitere Kriegsschiffe versenkt oder schwer beschädigt. Für Japan erwies er sich als strategische Katastrophe, da sich die Amerikaner nach diesem unprovozierten Angriff für einen Krieg bis zur Kapitulation Japans entscheiden würden. Taktisch war es falsch, an einem Sonntag die Flotte in seichten Gewässern zu versenken, da die Schiffe wieder gehoben werden konnten und die Verluste beim dienstfreien ausgebildeten Militärpersonal gering waren.[32] Weitere Angriffe fanden an den nächsten Tagen auf Guam, den Philippinen, Wake und Midway statt.

Kriegserklärung Japans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsident Roosevelt unterzeichnet die Kriegserklärung an Japan

Mit diesem Angriff und der anschließenden Kriegserklärung Japans an die USA und Großbritannien war die Diskussion über einen möglichen Kriegseintritt der USA beendet. Am 8. Dezember hielt Roosevelt vor dem in gemeinsamer Sitzung versammelten Kongress seine Rede, in der er den Tag des Angriffs als “a date which will live in infamy” (deutsch: „ein Datum, das immer ein Tag der Schande sein wird“) bezeichnete. 81 Prozent der Amerikaner verfolgten die Rede am Radio, was die höchste Einschaltquote der amerikanischen Geschichte darstellt. Unmittelbar im Anschluss erklärte der Kongress mit nur einer Gegenstimme (der der Pazifistin Jeannette Rankin) den Kriegszustand mit Japan. In einer Radioansprache am folgenden Tag erklärte Roosevelt, Deutschland und Japan würden bei ihrer Kriegsführung einem gemeinsamen Plan folgen und folglich seien Deutschland sowie Italien als Mächte zu betrachten, die sich als im Kriege mit den Vereinigten Staaten ansähen. Zwei Tage später, am 11. Dezember, erklärten Deutschland und Italien ihrerseits den USA den Krieg. Am gleichen Tag erklärte Roosevelt mit Autorisierung durch den Kongress den Krieg gegen diese beiden Staaten.[14]

Auf ihrer ersten Kriegskonferenz, der Arcadia-Konferenz in Washington, D.C. vom 22. Dezember 1941 bis 14. Januar 1942, bekräftigten die USA und Großbritannien ihre vorherigen Vereinbarungen über die „Germany first“-Strategie, nach der zuerst Deutschland besiegt werden sollte, bevor man sich der Niederringung Japans zuwandte. Auf dieser Konferenz unterzeichneten die Vereinigten Staaten am 1. Januar 1942 auch die Deklaration der Vereinten Nationen, die ihren Eintritt in die Anti-Hitler-Koalition an der Seite von 25 weiteren Staaten, darunter Großbritannien, die Sowjetunion und China, markiert und die jeden unilateralen Separatfrieden mit den drei Hauptgegnern Deutschland, Japan und Italien ausschloss.

Untersuchungen zum Überraschungsangriff und Verschwörungstheorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbor wurden Stimmen laut, die ein vorheriges Wissen der amerikanischen Regierung über einen bevorstehenden japanischen Angriff unterstellten und die mangelnde Vorbereitung der Streitkräfte auf einen solchen kritisierten. Insgesamt acht Untersuchungen wurden in dieser Sache während des oder kurz nach dem Krieg angestrengt und führten zur Aufdeckung von Mängeln bei der Auswertung nachrichtendienstlichen Materials und der Zusammenarbeit der Teilstreitkräfte.[33][34]

Zwei der späteren Untersuchungen, darunter die des Congressional Joint Committee on the Investigation of the Pearl Harbor Attack,[34] konzentrierten sich auf von den Amerikanern abgefangenes Nachrichtenmaterial, darunter die Erklärung des Abbruchs der Verhandlungen („14-teilige Nachricht“) durch Japan, die wegen einer nicht rechtzeitig fertig gewordenen Übersetzung erst nach den Angriffen durch Botschafter Nomura Kichisaburō überreicht wurde, die aber die Amerikaner großteils schon vorher dechiffrieren konnten. In diesem Zusammenhang soll Roosevelt am späten Abend des 6. Dezember geäußert haben, dies „bedeute Krieg“.[35]

In der US-amerikanischen Geschichtsforschung werden bis heute revisionistische Auffassungen vertreten, die Roosevelt unterstellen, er habe früher als zugegeben vom bevorstehenden Angriff gewusst und den Angriff ausgenutzt, um den Kriegswillen in den USA anzufachen. Hauptvertreter sind unmittelbar nach 1945 der Extremist Harry Elmer Barnes und der prominente Charles A. Beard, dann Charles Tansill, Frederic R. Sanburn[36], Anthony Kubek, George Morgenstern.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steven Casey: Cautious Crusade. Franklin D. Roosevelt, American Public Opinion and the War against Nazi Germany. Oxford University Press, Oxford [u. a.] 2001, ISBN 0-19-513960-7.
  • Waldo Heinrichs: Threshold of war. Franklin D. Roosevelt and American entry into World War II. Oxford University Press, New York/Oxford 1989, ISBN 0-19-506168-3.
  • Peter Herde: Pearl Harbor, 7. Dezember 1941. Der Ausbruch des Krieges zwischen Japan und den Vereinigten Staaten und die Ausweitung des europäischen Kriegs zum Zweiten Weltkrieg. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, ISBN 3-534-07555-2. (Weitere Auflagen)
  • David Kaiser: No End Save Victory: How FDR Led the Nation into War. Basic Books, 2014, ISBN 978-0-465-01982-3.
  • Richard M. Ketchum: The Borrowed Years 1938–1941. America on the Way to War. Random House, New York NY 1989, ISBN 0-394-56011-6.
  • Michael Libal: Japans Weg in den Krieg. Die Aussenpolitik der Kabinette Konoye 1940/1941. Droste, Düsseldorf 1971, ISBN 3-7700-0254-7 (Zugleich: Dissertation. Universität Tübingen, 1968).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Pearl Harbor speech – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus. München 2007, S. 359.
  2. Ian Kershaw: Wendepunkte – Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41. DVA 2008, ISBN 978-3-421-05806-5, S. 492.
  3. Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen – Die globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs. DVA 1995, ISBN 3-421-05000-7, S. 105.
  4. Gallup and Fortune Polls, in: The Public Opinion Quarterly, Vol. 4, No. 1 (März 1940), S. 83–115. Hier S. 98 ff. (Zitiert in David M. Kennedy: Freedom from Fear: The American People in Depression and War, 1929–1945. Oxford University Press, 1999, ISBN 978-0-19-503834-7, S. 426–427).
  5. Neutrality Act of November 4, 1939 (Memento des Originals vom 15. April 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mtholyoke.edu auf mtholyoke.edu, abgerufen am 6. Mai 2010.
  6. Ian Kershaw: Wendepunkte – Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41 DVA 2008, S. 250.
  7. William M. Tuttle Jr.: Aid-to-the-Allies Short-of-War versus American Intervention, 1940: A Reappraisal of William Allen White’s Leadership. The Journal of American History, Vol. 56, Nr. 4, 1970, S. 840–842.
  8. Ian Kershaw: Wendepunkte – Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41, S. 258 f.
  9. War Breaks Out auf historycentral.com, abgerufen am 6. Mai 2010.
  10. a b U.S. Department of State: Chapter XIII: European War 1941, in: Peace and War United States Foreign Policy 1931–1941. U.S. Government Printing Office, Washington, D.C., 1943.
  11. „The Army numbered 1,643,477 […]“ in: Chapter 19: Between World Wars, in: American Military History. Center of Military History United States Army, Washington, D.C. 1989.
  12. Doris Kearns Goodwin: No Ordinary Time – Franklin and Eleanor Roosevelt: The Home Front in World War II. S. 214.
  13. David Roll: The Hopkins Touch – Harry Hopkins and the Forging of the Alliance to Defeat Hitler, Oxford University Press, 2013, ISBN 978-0-19-989195-5, S. 105 f.
  14. a b U.S. Department of State: Chapter XIV: Discussion With Japan 1941, Pearl Harbor, in: Peace and War United States Foreign Policy 1931–1941. U.S. Government Printing Office, Washington, D.C., 1943.
  15. Text der Vereinbarung, in: Peace and War. United States Foreign Policy 1931–1941 auf ibiblio.org, abgerufen am 15. September 2012.
  16. Solrun B. Jensdottir Hardarson: The 'Republic of Iceland' 1940-44; Anglo-American Attitudes and Influences. Journal of Contemporary History, Okt. 1974, Vol. 9, No. 4, S. 43–45.
  17. Ian Kershaw: Wendepunkte – Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41. S. 503.
  18. Ian Kershaw: Wendepunkte – Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41. S. 514–516.
  19. Richard M. Leighton, Robert W. Coakley: Global Logistics and Strategy, Vol. 1. 1940–1943. Center of Military History, U.S. Army, Washington, D.C. 1995, S. 101 ff.
  20. Chapter I: The War Plans, in: Maurice Matloff, Edwin M. Snell: Strategic Planning for Coalition Warfare, 1941–1942. The War Department, Washington D.C. 1990.
  21. U.S. Department of State: Chapter XII: Relations With Japan 1938–1940, in: Peace and War United States Foreign Policy 1931–1941. United States Government Printing Office, Washington, D.C., 1943.
  22. Chapter II: German Victories and American Plans, in: Maurice Matloff, Edwin M. Snell: Strategic Planning for Coalition Warfare, 1941–1942. The War Department, Washington D.C. 1990.
  23. Chapter III: British-American Plans January-November 1941, in: Maurice Matloff, Edwin M. Snell: Strategic Planning for Coalition Warfare, 1941–1942. The War Department, Washington D.C. 1990.
  24. Introduction, in: Charles E. Kirkpatrick: An Unknown Future and A Doubtful Present: Writing the Victory Plan of 1941. Center of Military History United States Army, Washington, D.C. 1992.
  25. The Magic of Purple auf nsa.gov, abgerufen am 25. März 2024.
  26. Marshall, PURPLE and Pearl Harbor auf marshallfoundation.org, abgerufen am 25. März 2024.
  27. Red and Purple auf nsa.gov, abgerufen am 25. März 2024.
  28. Peter Wetzler: Hirohito and War: Imperial Tradition and Military Decision Making in Prewar Japan. Universityof Hawai‘i Press, Honolulu 1998, ISBN 0-8248-1925-X, S. 200f.
  29. Evan Mawdsley: December 1941 – Twelve Days that Began a World War. Yale University Press, 2011, ISBN 978-0-300-15445-0, S. 84.
  30. Mawdsley: December 1941, 2011, S. 144.
  31. Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkrieges. DVA, Stuttgart 1995, S. 288 f.
  32. Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkrieges. S. 292.
  33. The Investigations auf nsa.gov, abgerufen am 2. April 2024.
  34. a b Joint Committee on the Investigation of the Pearl Harbor Attack auf senate.gov, abgerufen am 2. April 2024.
  35. Mawdsley: December 1941, 2011, S. 144.
  36. Sanborn, Frederic Rockwell.: Design for war : a study of secret power politics, 1937-1941. UMI, 1951.